Auslandsaktien: Autobranche vor Elektro-Revolution



07:43 23.09.17





Elektromobilität, autonomes Fahren, Vernetzung - das sind die großen Trends in der Autoindustrie. Neue Spieler treten auf den Plan, die "alten" müssen sich gehörig umstellen. 21. September 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die diesjährige IAA, die noch bis zum Sonntag läuft, steht ganz im Zeichen der Elektromobilität. Die Hersteller ringen darum, sich als Speerspitze der Innovation zu präsentieren. So kündete VW an, bis 2030 insgesamt 20 Milliarden Euro in Elektromobilität zu investieren. Bis dahin soll jedes der etwa 300 VW-Modelle auch als elektrifizierte Variante angeboten werden. Für Investoren bedeutet das, dass das Anlageuniversum Autobranche durcheinandergewirbelt wird: Neue Anbieter kommen hinzu, unter den "alten" Autobauern und Zulieferern gibt es Gewinner und Verlierer. 

Tesla und Geely als Profiteure

Zu den großen Gewinnern gehört ohne Frage Tesla (WKN A1CX3T), auch wenn es zuletzt lange Gesichter gab, da sich die Verluste im zweiten Quartal nochmals ausweiteten. Die Tesla-Aktie ist an der Börse Frankfurt von 169 Euro im Dezember 2016 auf aktuell 314 Euro gestiegen.

Sogar fast verdreifacht hat sich der Kurs des chinesischen Autobauers Geely (WKN A0CACX) in diesem Jahr, am gestrigen Mittwoch wurde ein Allzeithoch von 2,64 Euro erreicht. "Die Absatzzahlen im August sind gegenüber dem Vorjahr um 86 Prozent gestiegen", berichtet Walter Vorhauser von Oddo Seydler. Auf der jüngst abgehaltenen Hauptversammlung sei der Vorstand dann auch mit fast 100 Prozent der Stimmen bestätigt worden. "Die Strategie von Geely überzeugt, Anleger haben ein starkes Vertrauen."

VorhauserVorhauser   Rückenwind habe die Aktie auch durch die Ankündigung Chinas erhalten, an einem Zeitplan zu arbeiten, nach dem Diesel- und Benzinmotoren aus dem Markt genommen werden sollen. Geely will in drei Jahren zu 90 Prozent Elektro- und Hybridfahrzeuge anbieten. 

Auch Nissan mischt mit

Auch der französisch-japanische Automobilverbund Renault-Nissan macht sich fit für die Zukunft: Der Chef der Allianz, Carlos Ghosn, kündigte vergangene Woche an, dass bis 2022 ein Dutzend neue E-Autos gebaut werden sollen. 

Schon jetzt steht Nissan gut da: Der Nissan Leaf der ersten Generation wurde zum meist verkauften Elektroauto der Welt. "Der Nissan Leaf 2 setzt neue Maßstabe und ist eine echte Konkurrenz für Tesla und BMW", stellt Vorhauser fest. Statt 280 Kilometern liege die Reichweite bei 380 Kilometern. Die Nissan-Aktie (WKN 853686) befindet sich seit einigen Jahren im Seitwärtstrend, hat sich im September aber wieder etwas verteuert. 

Pininfarina wird zum Autobauer

Konkurrenz kommt auch aus ganz anderer Ecke: E-Autos bauen will nun auch der italienische Autodesigner Pininfarina, wie Christopher Steinhöfel von der Baader Bank berichtet. Pininfarina, seit 2015 Teil der indischen Mahindra-Gruppe, ist vor allem bekannt für seine Ferrari-Designs. Nun plant das Unternehmen, E-Autos im Prämium-Segment zu produzieren. "Das sollen Tesla-Killer werden", bemerkt der Händler. Die Aktie (WKN 871485), die lange geschwächelt hatte, hat sich seit Dezember 2016 verdoppelt auf aktuell 2,09 Euro. 

Viele drängen in den Markt

Um auf dem attraktiven Zukunftsmarkt mitzumischen, werden immer neue Allianzen geschmiedet: So haben der britische Autozulieferer Delphi Automotive und das kanadische Softwareunternehmen Blackberry gerade eine Zusammenarbeit für die gemeinsame Entwicklung eines Software-Betriebssystems für autonomes Fahren unterzeichnet, wie Steinhöfel berichtet. Die Blackberry-Aktie (WKN A1W2YK), die seit 2008 massiv an Wert verloren hatte, hat sich zuletzt wieder etwas erholt. Die Delphi-Aktie (WKN A1JPLB) verteuerte sich seit vergangenem Sommer von 53 auf 84 Euro. 

"Es ist noch nicht klar, wer sich langfristig durchsetzen wird", bemerkt Steinhöfel. Ein Schwachpunkt bleibe die geringere Reichweite der Batterien. "Und manche Produkte werden immer gebraucht werden, zum Beispiel Autoreifen." 21. September 2017, © Deutsche Börse AG


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