It was thirty years ago



10:46 23.09.17

Bei den Beatles hieß es „It was twenty years ago today, Sergeant Pepper taught the band to play“. Der große Crash hingegen wird sich in vier Wochen zum dreißigsten Mal jähren.

Für mich war das eines der einschneidendsten Ergebnisse meines Börsenlebens, und vielleicht meines Lebens überhaupt. Denn ich hatte mich vorher sehr intensiv mit dem Schwarzen Freitag 1929 und der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre beschäftigt – und ich dachte an diesem Tag tatsächlich, jetzt würde die Welt untergehen.

Damals war ich aber auch noch ein junger Spund.

1987 gab es ja noch kein Internet und auch keine Berichterstattung bei uns im Fernsehen. Doch ich hatte das Glück – oder Pech – dieses Ereignis live an einem Reuters-Monitor miterleben zu können, den die Commerzbank in Berlin in einer Geldautomatenhalle allgemein zugänglich aufgestellt hatte.

Am nächsten Tag musste ich zur wichtigsten Tagung der Volkswirte im deutschsprachigen Raum, und es hat mich total geschockt, was ich dort erlebt habe. Denn niemand hatte etwas von dem Crash mitbekommen und niemand fand Interesse daran. Deutschlands wichtigste Volkswirte wussten von all dem gar nichts. Das schien sie allesamt gar nicht anzugehen.

Was sich bei mir noch besonders eingeprägt hat: Im Handelsblatt mit dem deutschen Börsenkursen am Tag nach dem Crash in den USA waren bei fast allen Auslandsaktien, in denen viel Geld von mir steckte, nur gestrichenen Kurse zu sehen. Es gab also keinen Handel mehr.

Ich habe dann noch etwas gewartet und anschließend meine gesamten Aktien, hauptsächlich US-Werte, verkauft. Das hat viel Geld gekostet. Ich habe aber auch viel gelernt. Denn bei den nächsten Krisen habe ich es dann immer anders herum gemacht. So hat sich das Lehrgeld im Endeffekt schließlich als gute Investition erwiesen.

Doch warum erzähle ich gerade heute davon? Weil ich eben auf einen Zeitungsartikel gestoßen bin, in dem es um die 750-Jahr-Feier von Berlin ging, die vorher im Sommer 1987 stattfand. Wie unterschiedlich das in Ost und West gefeiert wurde. Denn damals gab es ja noch eine Mauer – eigentlich unglaublich aus heutiger Sicht.



Und, was, worauf mich dieser Artikel ebenfalls bringt, mich damals beinahe so stark beeindruckt hat wie der Crash, das war der Auftritt von Ronald Reagan vor dem Brandenburger Tor, dem ich das Glück hatte, beiwohnen zu dürfen: „Mister Gorbatschow, tear down this wall!“

Das Allerwichtigste daran ist jedoch für mich heute noch immer, dass am Vorabend in West-Berlin über 50.000 Menschen gegen den Auftritt des US-Präsidenten demonstriert haben.

Damals waren unsere Leute also schon genauso verwirrt wie heute. Nur anders. Und vielleicht ist das bei der Börse heute ja auch so.


Bernd Niquet



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Über den Autor
 
Autor: Bernd Niquet Bernd Niquet,
Autor

Bernd Niquet ist promovierter Volkswirt und schreibt Börsenkolumnen und Bücher


In tiefsten Schichten. Teil II der Reihe: Wichtige und bisher liegengebliebene Themen und Fragestellungen

Das neue Buch von Bernd Niquet:
IN TIEFSTEN SCHICHTEN, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2015, 327 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-95744-926-9.

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Beschreibung:
"Wenn ich mein Projekt, Entwicklungsprozesse einmal in Gänze und in allen Facetten darzustellen, tatsächlich erfolgreich abschließen will, darf ich jetzt nicht mehr haltmachen. Auch wenn es wehtut."

Bernd Niquet wurde 1956 in Berlin geboren und lebt noch immer dort. Im Rahmen der Serie »Wichtige und bisher liegengebliebene Themen und Fragestellungen« ist von ihm bereits als Band 1 »Die bewusst herbeigeführte Naivität« erschienen.

Warnung:
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker. Das Buch ist sehr speziell. Es ist kein Wirtschaftsbuch, sondern eher ein Versatzstück zu "Jenseits des Geldes". Wenn der Arzt oder der Apotheker ratlos sind, fragen Sie direkt beim Autor an:
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