Oh je, die Investmentsteuerreform



13:23 14.10.17

Zum Jahreswechsel von 2017 auf 2018 ergibt sich für viele Anleger eine Veränderung der Besteuerung, nämlich für alle, die Investmentfonds und ETFs halten.

Das Grundprinzip sieht so aus: Bisher waren die Erträge in Fondsvermögen steuerfrei und mussten beim Anleger versteuert werden. Ab dem 1.1.2018 müssen jedoch die Fonds selbst Steuern zahlen, die dann bei ausschüttenden Fonds allerdings auf die Steuerzahlung der Anleger angerechnet werden.

Schwierig und komplett neu ist dagegen die Besteuerung von thesaurierenden Fonds. Denn hier muss der Anleger dann in jedem Jahr eine sogenannte Vorabpauschale versteuern, die ihm später jedoch beim Verkauf gegen erzielte Kursgewinne gegengerechnet wird.

Besonders kompliziert wird die Geschichte bei Leuten wie mir, die Ihre Anteile vor dem 1.1.2009 erworben haben und somit über Bestandsschutz verfügen. Denn dieser Bestandsschutz wird zwar nicht rückwirkend aufgehoben, gilt jedoch in Zukunft nicht mehr. Dafür erhält jeder Anleger einen stattlichen Steuerfreibetrag in Höhe von 100.000 Euro.

Die Banken und Fondsgesellschaften schicken derzeit gerade die Schreiben heraus, um ihre Anleger zu informieren. Es ist erstaunlich, wie schwierig es ihnen dabei fällt, korrekte Formulierungen zu finden. Man muss daher schon viel lesen oder viel reden, um das wirklich zu durchschauen.

Was mir bei allem jedoch bisher noch völlig rätselhaft ist, ist, was mit den ETFs passiert. Was passiert beispielsweise mit Gold-ETFs, die ja letztlich eigentlich eine Anleihe darstellen? Oder was ist, viel entscheidender, mit den Dax-ETFs?

Hier gibt es derzeit nämlich extrem eigenartige Steuersituation: Hier müssen einerseits die Dividendenanteile des Dax jährlich als Erträge versteuert werden, und anschließend beim Verkauf des ETF noch einmal in Form der dadurch erzielten Kursgewinne. Das stellt im Grunde genommen eine Doppelbesteuerung dar.

Würde ich nämlich anstelle eines Dax-ETF die Aktien selbst halten, sähe die Steuersituation genauso aus, ich müsste die Dividenden versteuern und hinterher auch den Kursgewinn. Mit den kleinen Unterschied jedoch, dass mir hier die Dividenden tatsächlich zugeflossen sind.



Zu meinem Bankberater sage ich: In allen Fällen fährt man besser, wenn man die Aktien direkt kauft als wenn man Fonds oder Zertifikate besitzt. Und er sagt darauf etwas sehr Kluges, wie ich denke:

Denn er meint, das sei sicherlich auch die Strategie dahinter: Man wolle die ganzen Kunstprodukte zunehmend aus den Märkten drängen, bei denen niemand so richtig weiß, was eigentlich dahinter steht.

Und das scheint mir auch bitter nötig und eine gute Strategie zu sein. Schließlich jährt sich im nächsten Jahr die große Finanzkrise zum zehnten Mal. Und allzu viel ist seitdem bisher eigentlich nicht passiert.


Bernd Niquet



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Über den Autor
 
Autor: Bernd Niquet Bernd Niquet,
Autor

Bernd Niquet ist promovierter Volkswirt und schreibt Börsenkolumnen und Bücher


Jenseits des Geldes. VIERTER TEIL

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Bernd Niquet, Jenseits des Geldes. VIERTER TEIL, 618 Seiten, 18,00 Euro

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Beschreibung:
Bernd Niquet erzählt darin die Geschichte vom ungewöhnlichen Leben seines Protagonisten weiter. Auch dieses Mal geht es um die grundlegende Frage, an der der Autor seit mittlerweile drei Jahrzehnten arbeitet, nämlich wie sich das Leben und die Reflexionen darüber im Zeitablauf entwickeln und verändern. Und wie bei jeder echten Entwicklungsgeschichte, so ist auch hier kein Ende absehbar.
Die ersten drei Bände von »Jenseits des Geldes« sind in den Jahren 2011 bis 2013 im Engelsdorfer Verlag erschienen, und die nächsten drei Teile existieren bereits in Rohform und werden vom Einbruch der Flüchtlingskrise in die abgeschottete Welt, von anwachsenden Auseinandersetzungen sowie einem niemals für möglich gehaltenen Zerwürfnis handeln.
berndniquet@t-online.de


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