Schuldfragen



14:17 19.10.17


 
Bei Tesla läuft es alles andere als rund
An falscher Stelle gespart

Wer an der Börse widerlegt wird, will dies meist nicht sofort wahrhaben. Oft klingt die ursprüngliche heiße Börsenstory einfach zu gut, selbst wenn erste ernüchternde Fakten das Gegenteil beweisen. Auch die größte Blase muss daher nicht sofort platzen. Mitunter entweicht die Luft erst langsam, dann etwas schneller, bis schließlich jedem klar ist: Da war doch schon lange etwas faul. Zu beobachten ist das Phänomen in diesen Tagen beim umjubelten Autobauer Tesla. Da wird zunächst bekannt, dass Tesla im September statt der geplanten 1.500 Stück des Models 3 im 3. Quartal lediglich 260 Stück produziert hat. Reaktion der Börse: Keine. Vor einigen Tagen klingt schließlich durch, dass Tesla zwischen 400 und 700 Mitarbeiter rausgeschmissen hat – immerhin 1 bis 2% des gesamten Belegschaft. Angeblich hätten diese ihre Ziele nicht erreicht. Reaktion der Börse: Erneut keine. Dabei ist die indirekte Botschaft mehr als klar. Eine Autoproduktion hochzufahren – erst recht bei einem Massenmodell – ist eben alles andere als einfach. Und Tesla scheint daran zuletzt zu scheitern. Bis Jahresende verspricht CEO Elon Musk eine Produktion von 5.000 Autos pro Monat. Da scheint es irgendwie nicht ins Bild zu passen, in solch einer kritischen Phase mutwillig auf Know-how zu verzichten. Zumal einige der betroffenen Ex-Tesla-Mitarbeiter Medienberichten zufolge bestätigen, dass die Performance nicht den Ausschlag für den Kahlschlag gegeben haben kann. Vielmehr sei es um Kosteneinsparungen gegangen, da vor allem gut verdienende Mitarbeiter vor die Türe gesetzt worden seien.

Anzeige

Traum oder Alptraum

Was braucht es also noch, bis die Börsianer aus ihrem Tesla-Traum aufwachen? Noch notiert die Aktie nahe dem All-Time-High. Die voll verwässerte Marktkapitalisierung liegt mit 63 Mrd. USD fast gleichauf mit General Motors. Mit dem Unterschied, dass Tesla mit 100.000 produzierten Autos im Jahr einen Verlust von rund 2 Mrd. USD einfährt, während General Motors mit 9 Mio. verkauften Wägen zuletzt 9,4 Mrd. USD verdiente. Elon Musk ist eben ein begnadetes Verkaufsgenie – insbesondere in Sachen seiner eigenen Aktie. Dabei hat er neben den Schwierigkeiten bei der Produktion auch noch eine Reihe weiterer Probleme zu bewältigen: So schaffte es Tesla – bislang weitestgehend unbehelligt von der Konkurrenz – nicht in die Gewinnzone. In den nächsten fünf Jahren ist jedoch mit 100 bis 200 ernsthaften Konkurrenzmodellen zu rechnen. Produziert von Herstellern mit deutlich tieferen Taschen und deutlichem Know-how-Vorsprung. Tesla selbst dagegen besitzt kaum originäres Wissen oder Patente. Die Wall Street hat dagegen den Glauben an ihren Lieblings-Visionär noch nicht verloren. Möglicherweise braucht es dazu erst noch den Beleg, dass mit dem Model 3 kein Geld zu verdienen ist, die Konkurrenz in den nächsten Jahren mörderisch wird und Tesla mit der eigenen Batterieproduktion mehrere Milliarden in den Sand von Nevada gesetzt hat. Das „schöne“ an der Tesla-Story ist jedoch: Wenn es zu kippen beginnt, dann kippt es richtig. Bereits im Heft 8/2017 haben wir uns Tesla ganz genau angesehen. Wir haben außerdem mit Mark Spiegel gesprochen, einem Hedgefonds Manager und einem der profiliertesten Tesla-Kritiker. Sie finden die Ausgabe auch im Heftarchiv (gratis für Smart Investor Abonnenten) oder können sie hier bestellen.

Anzeige

Wichtige Vorentscheidung?

Im Zuge des Jamaika-Koalitionsgeplenkels und vor dem Hintergrund der Massenmigrationskrise ist die Eurokrise ein wenig aus dem Fokus geraten – zu Unrecht. Denn weiter greift die EZB mit einer ultralockeren Geldpolitik den Krisenstaaten und damit der Gemeinschaftswährung selbst massiv unter die Arme. Gegenstand des zuletzt beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in Karlsruhe angestrengten Verfahrens ist die weitere Beteiligung der Deutschen Bundesbank am Anleihekaufprogramm der EZB. Bei diesem sogenannten OMT-Programm („Outright Monetary Transactions“) kauft die EZB seit dem Jahr 2015 Euro-Staatsanleihen im Volumen von 60 Mrd. EUR monatlich. Inzwischen wurde hier bereits ein Volumen von knapp zwei Billionen EUR solcher Anleihen vom Markt genommen – auf unsicherer Rechtsgrundlage. Denn während die EZB die Maßnahmen mit niedriger Inflation und der Sorge vor einer möglichen Deflation, also rein geldpolitisch begründet, sehen die Kläger um Peter Gauweiler (CSU) dahinter eine Form der Haushaltsfinanzierung für die maroden Euro-Staaten, also ein vom EZB-Mandat nicht gedecktes fiskalisches Motiv. Das Bundesverfassungsgericht sah bei der Vorlage des Falles an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) im Juli „gewichtige Gründe“ für die Auffassung der Kläger. Andererseits wolle man, wie es jetzt heißt, den EuGH nicht durch eine positive Entscheidung im Eilverfahren vorfestlegen und lehnte die Eilklagen daher ab. Es kann also noch einiges Wasser den Rhein herunterfließen, bis die theoretische Möglichkeit besteht, dass die EZB durch den EuGH tatsächlich gestoppt wird. In dieser Zeit rieseln Monat für Monat weitere 60 Mrd. EUR in Staatsanleihen, die zu aktuellen Kursen niemand kaufen würde, der noch alle Tassen im Schrank hat. Auch das ist eine Form der Präjudizierung. Und wenn wir betonen, dass es sich um eine „theoretische“ Option handelt, dann entspringt diese Einschätzung nicht nur den bisherigen Erfahrungen mit EuGH-Urteilen. Man kann leicht ableiten, dass EuGH-Urteile in EU-Fragen immer auch Urteile in eigener Sache sind, denn würde die EZB daran gehindert werden, die Kastanien aus dem Feuer zu holen, worüber hinter vorgehaltener Hand die meisten EU-Politiker ziemlich froh sind, dann würde mutmaßlich nicht nur die Eurozone, sondern die ganze EU desintegrieren. Der EuGH wäre dann also ebenfalls Geschichte. Das BVerfG hat dagegen schon im Juli eine Vorfestlegung getroffen („gewichtige Gründe“), es aber – wie in solchen Fragen üblich – vermieden, mehr als nur einen Zeigefinger zu heben. In die Rolle des „Euro-Mörders“ möchte man wohl auf keinen Fall schlüpfen.

Zu den Märkten

Als wir letzte Woche an dieser Stelle über „Die verflixte 13!“ berichteten, trauten wir dem DAX eher zu, seine 13.000er Marke nachhaltig hinter sich zu lassen, als dem Gold mit seiner 1.300-USD-Marke Gleiches zu schaffen. Die charttechnischen Argumente können Sie hier noch einmal nachlesen. Tatsächlich konnte der DAX heute ein neues Allzeithoch oberhalb von 13.000 Punkten erreichen, während Gold inzwischen wieder unter die 1.300 USD/Feinunze zurückfiel (vgl. Abb.). Dem gelben Metall war – aus welchen Gründen auch immer – nur ein kurzer Ausflug über diese Marke vergönnt. Sofern man diesen Umstand perspektivisch irgendwie ins Positive wenden will, könnte so ein Schuh daraus werden: Mit jedem Fehlausbruch sollte der Optimismus der Goldbullen weiter schwinden. Sollte es dann tatsächlich zu einem nachhaltigen Ausbruch kommen, könnte es sein, dass diesem zunächst misstraut wird und die Anleger in der Folge den Kursen hinterherlaufen müssen, was den Kurs dann weiter unterstützen würde. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, wenn man so will – obwohl Hoffnung nicht gerade zu den allerbesten Beratern in Börsenangelegenheiten gehört.

Letzte Chance

Am kommenden Wochenende geht es in München „österreichisch“ zu. Den Auftakt macht am Freitag, den 20. Oktober, die IfAAM Investmentroadshow des Instituts für Austrian Asset Management (IfAAM). Als Redner konnte unter anderem der SPIEGEL-Beststellerlisten-Autor Thorsten Schulte („Kontrollverlust“) gewonnen werden. Smart Investor Leser bezahlen für eine Teilnahme lediglich 99 EUR statt regulär 149 EUR.

Am Samstag, den 21. Oktober, lädt dann das Ludwig von Mises Institut Deutschland unter dem Motto „Small is beautiful – vom Vorteil kleiner politischer Einheiten” zur Jahreskonferenz 2017 in den Bayerischen Hof ein. Gerade vor dem Geschehen in Katalonien ein brandheißes Thema. Nähere Informationen zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Instituts.

Für beide Veranstaltungen sind noch wenige Restplätze verfügbar. Mitglieder der Smart-Investor-Redaktion werden jeweils vor Ort sein. Freuen Sie sich auf interessante Diskussionen und neue Erkenntnisse.

Musterdepot Aktien & Fonds

Neuigkeiten zur Aktie von Stada lesen Sie heute im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Der neue Smart Investor 10/2017 ist erschienen, darin u.a.:

Immobilien: Blase oder Bläschen?

Bahamas: Nicht immer auf der Sonnenseite

Venezuela: Österreichische Kur für Maduros Misswirtschaft

Phänomene des Marktes: Technische Revolution oder irrationaler Überschwang?
Fazit

Wenn 2% der Belegschaft wegen mangelnder Leistung gehen müssen, stellt sich auch die Schuldfrage: Sind es die unfähigen Mitarbeiter oder vielleicht auch das Management, das diese falsch angeleitet hat.

Christoph Karl, Ralph Malisch


Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier wird zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Publikation oder der Smart Investor Printausgabe von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

=> Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=


Attachments:

Alternativ0, (text/plain)

Der Download und das Öffnen dieses/dieser Attachments erfolgt auf eigene Gefahr.
Hinweis: Stock-World veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

Alle Artikel dieses Autors anzeigen

Kurssuche
Status: nicht eingeloggt

Registrieren | Passwort vergessen?
 
 
Im Bereich Experten:
Nordex SE: Ist das jetzt der Boden?
Experte: Stefan Hofmann, STOCK-WORLD
Kolumnen
Gold - Die Bullen kämpfen ...
Philip Hopf, Hopf Klinkmüller Capital. (22.11.17)
Experte: Philip Hopf, Hopf Klinkmüller Capital Management K.
Devin Sage TXA Trading ...
Devin Sage, Technische-X-Analyse.de (22.11.17)
Experte: Devin Sage, Technische-X-Analyse.de
Russland – Bitcoin niemals ...
Feingold-Research, (22.11.17)
Experte: Feingold-Research,
DAX rastet zur ...
Timo Emden, Chefanalyst von DailyFX (22.11.17)
Experte: Timo Emden, Chefanalyst von DailyFX
Silber: Entscheidung steht ...
Jürgen Sterzbach, boerse-daily.de (22.11.17)
Experte: Jürgen Sterzbach, boerse-daily.de
Politisches Neuland
Michael Beck, Leiter Po., Bankhaus ELLWANGER. (22.11.17)
Experte: Michael Beck, Leiter Portfolio M., Bankhaus ELLWANGER & GEIGER K.
First Berlin - Energiekontor ...
First Berlin Equity Rese., (22.11.17)
Experte: First Berlin Equity Research,
DAX trotz politischer ...
Cornelia Frey, Börse Stuttgart AG (22.11.17)
Experte: Cornelia Frey, Börse Stuttgart AG
Spotlight-Update: Dialog ...
Frank Sterzbach, www.boerse-daily.de (22.11.17)
Experte: Frank Sterzbach, www.boerse-daily.de
DOW DAX und der ...
Thomas Heydrich, Systemstradings.de (22.11.17)
Experte: Thomas Heydrich, Systemstradings.de
Wirecard: Diese Zielgruppe ...
Robert Sasse, (22.11.17)
Experte: Robert Sasse,
EUR/USD Analyse: Jamaika ...
Admiral Markets, (22.11.17)
Experte: Admiral Markets,
Niquet's World
Neues vom Portal
 
Adelheid Rech: Ob kurz- oder langfristig; Wohnimmobilien lohnen sich
Letzte Börsen-Meldung
 
Letzte Börsen-Analyse
 
Top-Klicks News
 
Top-Klicks Analysen