Wochenausblick: Allzeithoch kein Kaufsignal



13:57 23.10.17





Freie Fahrt nach oben ist für den DAX auch mit Erreichen der wichtigen Marke von 13.000 Punkten nicht angesagt. 23. Oktober 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Stimmung bleibt gut an den Aktienmärkten: In den USA erreichten S&P 500 und Dow Jones am Freitag abermals neue Allzeithochs. Auslöser war, dass der US-Senat am Donnerstagabend einen Haushaltsentwurf verabschiedet und damit eine Hürde für die von Donald Trump geplante Steuerreform aus dem Weg geräumt hatte. Der DAX war vergangene Woche bis auf das Rekordhoch von 13.094 Zählern geklettert, fiel dann aber wieder zurück und beendete die Woche mit 12.991 Punkten. Am Montagmorgen steht der Leitindex kurz nach Handelseröffnung mit 12.996 Punkten leicht unter 13.000 Punkten und nahezu unverändert. 

Mehr Stimmung als Fakten  

Zweifel bleiben aber: Für die USA verweist Markus Reinwand von der Helaba auf die Diskrepanz zwischen sehr guten Stimmungsindikatoren, der Soft Data, und zuletzt etwas enttäuschenden realen Daten, der Hard Data. "Die Differenz ist inzwischen sogar stärker ausgeprägt als 2011, damals korrigierte der S&P 500 von Anfang Mai bis Anfang Oktober um gut 19 Prozent." Auch hierzulande sei die Bewertungssituation alles andere als günstig. "Die Trennlinie zwischen ‚fair’ und ‚teuer’ verläuft für den DAX nach unseren Berechnungen derzeit bei rund 12.500 Punkten." Bei vielen Frühindikatoren wie dem ifo-Geschäftsklimaindex oder dem ZEW-Index seien Höchstwerte zu beobachten. "Für Aktien bedeutet das erfahrungsgemäß nichts


Höhere Schwankungen  

Auch von technischer Seite kommen Warnsignale: "Der Anstieg des DAX über 13.000 Punkte hat bislang keine nächste ‚Raketenstufe’ zünden können", bemerkt Christoph Geyer von der Commerzbank. Im Gegenteil: "Die Unsicherheit scheint zugenommen zu haben." Die Schwankungen innerhalb eines Tages seien deutlich größer geworden. Der MACD-Indikator habe ein Verkaufssignal generiert, der Stochastik-Indikator eine Divergenz gebildet. Das seien Warnsignale, die der Markt auf Dauer kaum übersehen werde. "In der anstehenden Woche dürfte wieder einmal eine Entscheidung fallen, ob die Konsolidierung nur einen Seitwärtstrend benötigt oder ob ein Rückgang ansteht."

GeyerGeyer   Laut Christian Schmidt von der Helaba ist es dem DAX zuletzt nicht gelungen, den Widerstand in Form einer Strukturprojektion zu überwinden, dazu sei ein weiterer Schlusskurs unterhalb der Begrenzung der Preisspanne bei 13.034 Punkten gekommen. Positiv sei hingegen, dass sich der Index oberhalb des 144er Regressionskanals bei 12.944 etabliert habe. "Somit bleibt das technische Gesamtbild konstruktiv." Aspekte wie beispielsweise die verschiedenen negativen Divergenzen und widersprüchliche Indikatoren begrenzten die Euphorie aber.

Weiter Beruhigungspillen von EZB

Höhepunkt der Woche ist sicherlich die EZB-Sitzung am Donnerstag. "Die Notenbank wird bekanntgeben, dass sie das Volumen der monatlichen Anleihekäufe ab Januar auf 30 Milliarden Euro reduziert", erklärt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Mario Draghi werde aber eine Menge Beruhigungspillen verteilen. "Die Phase der extrem lockeren Geldpolitik ist noch lange nicht vorbei." 

"Die EZB-Sitzung ist ein Schlüsselereignis für die Märkte", meint auch Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Er geht davon aus, dass die Notenbank allzu genaue Festlegungen über die weitere Reduzierung ihrer Anleihekäufe vermeiden wird, um flexibel zu bleiben. Was den Aktienmarkt angeht, zeigt sich Greil aber weiter optimistisch: "Viel spricht dafür, dass die kriechende Aktienrallye erst einmal anhält." Rückenwind könne es auch für den US-Aktienmarkt geben: "Je konkreter die Hinweise auf eine Verwirklichung von Trumps Steuerplänen werden, desto mehr dürften Analysten dazu übergehen, die Effekte in ihren Modellen zu berücksichtigen." 

Unterdessen ist die Berichtssaison in Deutschland in vollem Gange: In den kommenden Tagen legen unter anderem die Lufthansa, Bayer, Beiersdorf, die Deutsche Bank, die Deutsche Börse, Linde und Volkswagen ihre Bücher offen. 

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag, 24. Oktober 

10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex Oktober. Die Stimmung in der Wirtschaft im Euroraum könnte kaum besser sein, wie die Commerzbank erläutert. Weder der näher rückende Brexit noch die protektionistische US-Politik oder die Euro-Aufwertung verunsicherten die Unternehmen. Entsprechend erwarten die Analysten die Einkaufsmanagerindizes im Vergleich zum September weitgehend unverändert. 

Mittwoch, 25. Oktober 

10.00 Uhr. Deutschland: ifo-Geschäftsklima Oktober. Die DekaBank weist darauf hin, dass das ifo-Geschäftsklima nach diversen Allzeithochs in den vergangenen beiden Monaten nachgegeben hat. Die Analysten gehen von einer sehr geringen Eintrübung im Oktober aus. Der neue Trend nach unten sei aber lediglich als Normalisierung einer euphorischen Stimmung anzusehen. 

Donnerstag, 26. Oktober 13.45 Uhr. Eurozone: EZB-Sitzung mit anschließender Pressekonferenz. Die meisten Analysten erwarten, dass das monatliche Volumen der Anleihekäufe ab Januar auf 30 Milliarden Euro halbiert wird. 

Freitag, 27. Oktober 

14.30 Uhr. USA: BIP Drittes Quartal, Erste Schätzung. Laut DekaBank hat sich die US-Wirtschaft trotz der Hurrikane im dritten Quartal verhältnismäßig gut entwickelt. Das BIP sei auf das Gesamtjahr hochgerechnet um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal angestiegen. Insbesondere die Bauaktivität sei wohl durch die Hurrikane belastet worden sein, zugleich sei es zum Quartalsende zu einem regelrechten Kaufrausch im Automobilbereich gekommen. 

Samstag, 28. Oktober 

Börsentag in Köln 

Unsere Vorträge:
11 Uhr: Sabrina Schwiertz zu "Gold als Investment - Xetra-Gold als Produkt"
12 Uhr: Edda Vogt über "Renten-ETFs - Chancen in Zeiten niedriger Zinsen" 

von: Anna-Maria Borse 23. Oktober 2017, © Deutsche Börse AG






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