Wochenausblick: Gedrückte Stimmung



17:03 20.11.17

Dass sich die Jamaika-Verhandler nicht einigen konnten, kommt auch an der Börse nicht gut an. Längerfristig sieht es Analysten zufolge aber nicht schlecht aus. 20. November 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Mit dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen sehen die meisten Analysten den DAX weiter unter Druck. Nach dem Ausstieg der Liberalen wird nun über eine Minderheitsregierung unter Unionsführung spekuliert. 

Der DAX ist ohnehin angeschlagen: Nach dem heftigen Kursrutsch in der Vorwoche gab der deutsche Leitindex vergangene Woche abermals nach und schloss die Woche unterhalb von 13.000 Punkten bei 12.993,73 Zählern, am Montagmorgen liegt der Index bei 12.976 Punkten leicht im Minus. Anfang des Monats hatte der DAX noch ein Allzeithoch von 13.525,56 Zählern erreicht. 

Auch die US-Börsen schwächeln, der Dow Jones lag am Freitagabend bei 23.358,24 Punkten. Zwar hatte das Repräsentantenhaus der US-Steuerreform zugestimmt, die Entscheidung des US-Senats steht aber noch aus, und die ist keineswegs sicher.

Deutsche Unternehmen überzeugen nicht

Für Sascha Rehbein von der Weberbank ist neben den größer werdenden Fragezeichen um die US-Steuerreform die Bilanzsaison am Aktienmarkt aktuell der entscheidende Einflussfaktor für die Verluste. "Dabei fallen besonders die deutschen Unternehmen negativ auf", bemerkt Rehbein. Die Unternehmensgewinne seien überraschend rückläufig, insbesondere - wegen des starken Euro - die der exportorientierten Unternehmen. "Auch der Blick in die Zukunft fällt bei den Unternehmenslenkern zurückhaltend aus." 

In den USA hätten Gewinn- und Umsatzwachstum hingegen über den Erwartungen gelegen. "Somit überrascht es nicht, dass sich die US-Aktienmärkte in den vergangenen zwei Wochen besser entwickelten." In Summe bleibt die Bank aber positiv für die Aktienmärkte gestimmt. "Die fundamentale Lage der Unternehmen ist gesund, die Gewinnerwartungen positiv, und die unterliegende globale Konjunktur entwickelt sich in die richtige Richtung." 

Bullenmarkt intakt



Laut Robert Greil von Merck Finck sind in der neuen Woche für eine weitere Erholung in Richtung der jüngsten Höchststände gute Stimmungsdaten sowohl der Unternehmen wie auch der Verbraucher wichtig, etwa bei Eurolands Verbrauchervertrauen am Mittwoch. "Das dürfte vor den wichtigen Shopping-Wochen vor Weihnachten den breiten Optimismus auf Verbraucherseite widerspiegeln." Der Bank zufolge bleibt der strukturelle Bullenmarkt intakt. 

Charttechnik mahnt  

Laut Christoph Geyer von der Commerzbank hat die Korrekturbewegung den DAX wie erwartet in die Unterstützungszone geführt. "Als sich abzeichnete, dass diese nicht gehalten werden konnte, kam der Stimmungsumschwung in Form einer Hammerformation, und zwar bei leicht steigenden Umsätzen", erläutert der Charttechniker. Das habe auf ein Ende der Korrekturbewegung hingedeutet, der folgende Tag habe die Trendwende entsprechend bestätigt. Allerdings habe der Wochenschluss die Lage wieder deutlich eingetrübt, weshalb ein Ausbruch aus dem Seitwärtstrend zum Wochenstart noch nicht zu erwarten sei. "Lediglich der Stochastik-Indikator deutet an, dass eine neue Aufwärtsbewegung möglich ist."

GeyerGeyer    

Christian Schmidt von der Helaba zufolge ist die auf den "Hammer" folgende Erholungsbewegung zunächst im Bereich einer Gann-Linie in Kombination mit einem Multi-Average bei 13.080 Punkten gescheitert. Damit sei auch die Strukturprojektion bei 13.122 Punkten nicht mehr erreicht worden. "Zudem verdeutlicht die Tageskerze vom Freitag den wieder zunehmenden Abgabedruck", stellt der Charttechniker fest. Überwiegend Richtung Süden zeigende Indikatoren sowie steigende Handelsvolumen bei fallenden Kursen unterstrichen diesen Eindruck. Am Freitag hätten sich zudem beim Volatilitäts-DAX 21- und 55-Tagelinie geschnitten. "Eine derartige Konstellation führte in der Vergangenheit häufig zu einer sehr deutlichen Zunahme der Volatilität."

SchmidtSchmidt  

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine

Mittwoch, 22. November 

14.30 Uhr. USA: Auftragseingänge langlebige Güter Oktober. Laut Commerzbank stößt der Aufschwung in den USA zunehmend an Kapazitätsgrenzen, daher investierten die Unternehmen wieder deutlich mehr. Dieses Bild würden die Aufträge für langlebige Güter bestätigen, die Analysten erwarten ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. 

16.00 Uhr. Eurozone: Verbrauchervertrauen November

20.00 Uhr. USA: Protokoll der Notenbanksitzung vom 31.10./1.11.2017 

Donnerstag, 23. November 

USA: Thanksgiving/Feiertag in den USA 

10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex November. Der DekaBank zufolge hat die Wirtschaft in der Eurozone die ersten drei Quartale erfolgreich hinter sich gebracht und steuert für das Gesamtjahr 2017 auf das höchste Wachstum seit zehn Jahren zu. Das würden auch die Einkaufsmanagerindizes für den November unterstreichen. 

Zertifikate-Awards: Börse Frankfurt Zertifikate zeichnet zusammen mit "Der Zertifikateberater", n-tv und Börse Stuttgart die besten Zertifikate-Emittenten 2017/2018 aus. 

Freitag, 24. November. 

USA: Verkürzter Handelstag 

10.00 Uhr. Deutschland: ifo-Geschäftsklima November. Trotz des zuletzt erreichten Allzeithochs erwartet die DekaBank eine weitere Verbesserung. Die Weltwirtschaft befindet sich in einem Aufschwung, insbesondere der europäische Heimatmarkt zeige sich stark. Auch die Binnennachfrage sei robust. 

von: Anna-Maria Borse
20. November 2017, © Deutsche Börse AG


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