Paradigmenwechsel in der Target-Trend-Methode



12:59 21.11.17

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

wieder einmal zeigte sich, dass politische Börsen eben doch nur kurze Beine haben. Denn während die gescheiterten Vorgespräche zu einer Regierungsbildung in Deutschland bei den Medien im Vordergrund standen, spielten sie an den Börsen nur eine untergeordnete Rolle. Und so waren die vorbörslichen Verluste im DAX bereits am Vormittag wieder aufgeholt.

Politik lässt die Börse kalt

Für uns ist aber wichtiger, dass sich nicht nur unsere Verfallstagsprognose als richtig erwies, (wie Sven Weisenhaus schon am Freitag betonte), sondern auch das am vergangenen Montag  skizzierte Szenario eintraf: Ein Hin und Her an der 13.000er Marke, bei dem an ein paar der genannten Marken tatsächlich profitable kurzfristige Trades möglich waren.

Nicht ohne Grund stellen wir Ihnen etliche kostenlose Börsen-Tools auf unserer Webseite zur Verfügung – dazu zählt nicht nur das Verfallstagsdiagramm, sondern auch das Google-Trend-Trading, saisonale Charts und andere, die wir in der Börse-Intern ebenfalls immer wieder gebrauchen. Nutzen Sie also auch diese Möglichkeiten für Ihren Börsenerfolg!

Und da nach dem Verfallstag und den Ereignissen des Wochenendes viele Anleger erst einmal abwarten, bleibt uns heute Zeit für ein Thema, das Sie nur bei Stockstreet finden. Es soll heute nämlich um die Rechteckverschiebungen in der Target-Trend-Methode gehen.

Möglicher Rechteckversatz im NASDAQ 100

Zur Strukturierung der Charts benutzt unsere Target-Trend-Methode bekanntlich Rechtecke. Diese dürften sie auch aus dem Target-Trend-Chart des DAX, den Ihnen Sven Weisenhaus regelmäßig präsentiert, kennen. Dabei bleiben die Rechtecke im Normalfall lange stabil und kurzfristige Abweichungen sind meist sehr schnell hinfällig.

Deshalb kommt von vielen Lesern die Frage, wie man eventuelle Abweichungen erkennen kann. Passenderweise bietet sich beim NASDAQ 100 gerade die Gelegenheit, diesen Prozess live zu verfolgen. Dort bahnt sich nämlich ein möglicher Rechteckversatz an. Zur Verbildlichung eignet sich dabei der folgende Target-Trend-Chart, den ich den Lesern meiner Aktien-Perlen seit vielen Monaten in den Wochenupdates präsentiere:

NASDAQ100-Tageschart (TTM)

Wie üblich sind die „alten“ Rechtecke hier bläulich abgebildet. Man kann sehen, dass sich der NASDAQ 100 bis Ende Oktober sehr brav an diese Rechtecke gehalten hat (siehe grüne Kreise). Anschließend folgte aber ein fulminanter Kurssprung (siehe blauer Pfeil). Daraufhin schwenkte der NASDAQ 100 offenbar auf die gelben Rechtecke ein. So mehrten sich plötzlich die Kontakte mit den Begrenzungen der „neuen“ gelben Rechtecken.

„Anfangsverdacht“ muss vorliegen

Die Höhe der gelben Rechtecke unterscheidet sich dabei nicht von den blauen, aber sie sind um einen geringen Betrag nach unten verschoben. Diesen Betrag, den wir in der Target-Trend-Methode als „Versatz“ bezeichnen, habe ich im Chart mit dem kleinen roten Rechteck dargestellt.

Natürlich kommt jetzt die Frage auf, wie man dieses neue Rechteck findet. Ein Patentrezept gibt es dafür leider nicht. Und so benötigt es zunächst einen „Anfangsverdacht“. Aber nicht jede Abweichung von den „alten“ Rechtecken spricht gleich eine Rechteckverschiebung. Oftmals handelt es sich nur um eine vorübergehende oder generelle Schwäche, wenn der Kurs eine Rechteckkante nicht trifft und vorher in die Gegenrichtung abdreht. Entsprechend ist es entscheidend, möglichst schnell zu erkennen, ob eine solche Schwäche vorliegt oder eben eine Rechteckverschiebung!

Veränderungen frühzeitig erkennen

Zum Glück machte es uns der NASDAQ 100 dabei verhältnismäßig einfach: Nachdem er Mitte Oktober deutlich vor der Rechteckkante bei 6.155,88 Punkten wieder nach unten drehte (siehe roter Pfeil), fiel er relativ dynamisch zurück. Davor brach er nach längerer Seitwärtsbewegung endlich aus dem nächsttieferen blauen Rechteck nach oben aus. Zu diesem Zeitpunkt fiel die Dynamik nach dem Ausbruch aber etwas zu gering aus, weswegen ich den scheinbar verfrühten Rückfall zunächst als Schwächesignal interpretierte. Wäre der NASDAQ 100 wieder unter seine alten Hochs zurückgefallen, hätte sich dieses Signal auch bestätigt.

Soweit kam es aber nicht. Stattdessen drehte der Kurs schon vor dem Ausbruchsniveau wieder nach oben (siehe rechter grüner Kreis) und schnellte kurze Zeit später höchst dynamisch mit dem schon erwähnten Kurssprung auf neue Hochs (siehe blauer Pfeil). Dabei erreichte er aber wieder nicht die Oberkante des blauen Rechtecks und drehte erneut zu früh nach unten ab (siehe grüner Pfeil).

Diese Auslöser gibt es



An diesem Punkt kam mir der Verdacht, dass es zu einem Rechteckversatz kommt. Und so verschob ich das blaue Rechteck um den kleinen Betrag des roten Kästchens nach unten und plötzlich passten die beiden Hochs wieder perfekt ins Raster meiner bisherigen Rechtecke! Als dann noch der Kurs an den beiden Folgetagen von der Mittellinie des neu gefundenen gelben Rechtecks wieder nach oben drehte (siehe dunklerer roter Kreis) und anschließend neue Hochs markierte, war die Sache ziemlich eindeutig. (Das war auch der Zeitpunkt, zu dem ich die Leser meiner Aktien-Perlen darüber informierte.) Passenderweise wurden die nächsten Hochs tatsächlich erneut durch die gelben Rechtecke markiert (diesmal durch deren Mittellinien).

Es ist selbstverständlich ein großer Vorteil, wenn man durch längere Chartanalysen den Blick für solche Auffälligkeiten geschärft hat. Es gab aber noch ein weiteres Indiz für die drohende Rechteckverschiebung - und zwar der gewaltige Kurssprung von Ende Oktober (siehe blauer Pfeil).

Diese Art von Kurssprüngen dienen oftmals (aber nicht immer!) als Auslöser von Rechteckverschiebungen. Wenn man länger darüber nachdenkt, erkennt man, dass dies auch logisch ist: Etwas ist am Markt geschehen, was die Anleger zu einer neuen Einschätzung der Lage getrieben hat. Andernfalls wäre es ja schon in erster Linie nicht zu einem Kurssprung gekommen. Dann ist es mitunter so, als wäre der Kurs durch das Ereignis auf eine neue Ebene gesprungen. Das Resultat ist dann eine solche Rechteckverschiebung im Chartbild.

Was bei einem Paradigmenwechsel zu tun ist

Wenn Sie also in einem Ihrer Target-Trend-Charts auf eine solche auffällige Kursänderung stoßen und dann noch unmittelbar Abweichungen von Ihren bisherigen Chartstrukturen feststellen, ist die Chance groß, dass es sich um einem sogenannten „Paradigmenwechsel“ handelt. Dabei kann nicht nur – wie in diesem Beispiel des NASDAQ 100 – ein einfacher Versatz vorliegen (Rechteckverschiebung mit gleicher Höhe von alten und neuen Rechtecken), sondern auch eine „richtige“ Verschiebung, bei der sich auch die Höhe der neuen Rechtecke verändert hat.

Keine Sorge, die neue Höhe herauszubekommen ist nicht schwer, wenn Sie einen Anfangsverdacht haben und wissen, wie Sie Rechtecke ganz allgemein bestimmen. Etwas anspruchsvoller wird es, wenn (auch) die Parallel- und/oder Konsolidierungslinien von diesem „Paradigmenwechsel“ betroffen sind. Falls es trotzdem nicht so richtig klappen will, zeichnen Sie den Chart am besten einfach noch einmal komplett neu. Sehr oft fallen Ihnen dann ganz neue Strukturen auf die Sie vorher womöglich völlig vernachlässigt haben.

Es funktioniert in beide Richtungen

Haben wir dann endlich die neuen Rechtecke usw. gefunden, bleibt aber noch eine Frage offen: Bleibt diese Änderung bestehen oder „springt“ der Kurs eventuell wieder in seine alten Bahnen zurück?

Wie so oft gibt es auch hier keine eindeutige Antwort. Beides ist möglich, aber es gibt natürlich auch hier Indizien und Wahrscheinlichkeiten. Bei dem Versatz im NASDAQ 100 handelt es sich um den einfachsten Paradigmenwechsel (Rechtecke gleicher Höhe). Dieser Versatz, der wie in diesem Fall durch einen starken Kurssprung in die eine oder andere Richtung verursacht wurde, kann relativ zügig wieder verschwinden.

Bei Aktien ist dies beispielsweise häufiger der Fall: Es kommt eine Nachricht, die kräftige Kursbewegungen verursacht und zu einem Versatz führt. Dann stellt sich aber heraus, dass diese kursbewegende Nachricht doch nicht so wichtig war. Oder zumindest nehmen die Anleger die Folgen dieser Nachricht letztlich nicht so wichtig. So oder so fällt der Kurs zurück in seinen alten Trott – sprich die alten Rechtecke usw.

Erstes Indiz für einen Rückfall

Nicht anderes ist auch beim NASDAQ 100 jetzt möglich. Schließlich ist dieser Index sogar bekannt dafür, recht häufig starken Kursbewegungen und vielen, auch großen Kurslücken zu unterliegen. Es wäre also durchaus möglich, dass die alten blauen Rechtecke wieder die Führung übernehmen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist am höchsten, wenn es zu einem stärkerer Kursrückgang kommt. Dafür lässt sich sogar schon ein mögliches Indiz finden: Tatsächlich traf der Kurs am vergangenen Mittwoch wieder auf die Mittellinie eines blauen Rechtecks (siehe schwarzer Pfeil). Ist dies schon die Rückkehr der alten Bahnen?  Nein, denn auch das ist ein häufig gesehenes Phänomen. Im Anschluss an einen Paradigmenwechsel passiert es noch häufig einige Zeit, dass hin und wieder beide Strukturen getestet werden.

Neu gegen Alt

Denn auch trotz neuer marktbewegender Nachrichten wird es zunächst noch Anleger geben, die diese Nachrichten für nebensächlich halten oder gar nicht erst zur Kenntnis genommen haben. Somit werden sie an den bisherigen Kriterien festhalten, sowohl charttechnisch als auch fundamental. Dabei entstehen praktisch zwei Lager: die „Neuen“ und die „Alten“. Erst die Zeit wird zeigen, welches Lager die Masse der Anleger von seiner Meinung überzeugt. Dies ist entscheidend dafür, welche Chartstrukturen sich letztendlich durchsetzen.

Entsprechend werde ich also noch eine Weile beide Varianten – die blauen und die gelben Rechtecke – beobachten. Da aber die gelben derzeit relevanter sind, werde ich diese bis auf weiteres zur Signalgebung benutzen.

Viel Erfolg wünscht allen Target-Trend-Tradern

Ihr Torsten Ewert

(Quelle: www.stockstreet.de)

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Hinweis: Stock-World veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

Über den Autor
 
Autor: Sven Weisenhaus Sven Weisenhaus,
Stockstreet GmbH

Sven Weisenhaus ist Trader und Börsenanalyst. Seine Erfahrungen und Analysen zu den Themen Geldanlage, Börse und Finanzen veröffentlicht er als Redakteur in verschiedenen Publikationen. Er schrieb z.B. über mehrere Jahre einen auf die Elliott-Wellen-Theorie spezialisierten Börsendienst. Seit 2012 veröffentlicht er als Chefanalyst und inzwischen Geschäftsführer einen renommierten Börsennewsletter.

Seit einigen Jahren gehört er zum Team von Stockstreet.de und schreibt dort unter anderem die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der unter anderem den DAX nach der Target-Trend-Methode analysiert. Sven Weisenhaus hat auch die Redaktion des bekannten Newsletters "Börse-Intern" übernommen.

Für mehr Information: https://www.stockstreet.de/

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