Draghi macht Druck wegen fauler Kredite



13:18 23.11.17

Endlich macht Mario Draghi Druck auf europäische Banken, die einen Haufen Problemkredite in ihren Bilanzen mit sich herumschleppen. Seit kurzem nimmt der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) nun jede Gelegenheit wahr, die Reduzierung fauler Kredite anzumahnen.

Denn Draghi weiß genau, dass deren Abbau Voraussetzung für die Einführung einer gemeinsamen Einlagensicherung in Europa ist – einem wichtigen, großen Baustein einer europäischen Bankenunion. Wer die gemeinsame Einlagensicherung will, muss zuerst das Problem der faulen Kredite lösen. Dann würde man den Deutschen auch den argumentativen Wind aus den Segeln nehmen, die diese Themen eng miteinander verknüpft haben. Risikoverringerung und Risikoteilung sollten daher parallel erfolgen, so das Credo der EZB, die seit Herbst 2014 zusätzlich für die Aufsicht über die größten Banken im Währungsraum zuständig ist.


Besonders in Deutschland stößt die Idee einer gemeinsamen EU-Einlagensicherung bekanntlich auf große Vorbehalte. Erst kürzlich hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gesagt, für ihn sei der hohe Bestand an Problemdarlehen ein gewichtiges Argument gegen ihre Einführung.


Doch auch unabhängig von der Frage einer EU-Einlagensicherung ist das Thema der faulen Kredite, die europaweit rund 844 Mrd. € umfassen, ein großes Problem. Nicht nur Geldhäuser und Regulatoren müssten handeln, fordert Draghi. Auch Regierungen und Gesetzgeber in den Mitgliedsstaaten müssten für ein Umfeld sorgen, in dem faule Kredite gehandelt werden könnten.


Die Problematik lässt sich nicht zuletzt in Draghis Heimat Italien beobachten, wo mit der Regionalbank Banca Carige abermals ein Geldinstitut in Schwierigkeiten geraten ist. Dies hat neuerlich Zweifel am italienischen Bankensektor genährt, wo zuletzt die Regierung im Sommer mit einem umstrittenen Rettungsplan die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena mehrheitlich verstaatlicht hat.


Doch nun ist es Banca Carige erstmal gelungen, Schlimmeres zu verhindern. Sie konnten sich doch noch im letzten Schritt mit den wichtigsten Anteilseignern auf eine Kapitalerhöhung verständigen. Über die Ausgabe neuer Aktien erhält die Bank von ihren Aktionären 500 Mio. € sowie weitere 60 Mio. € von ihren Anleihegläubigern. Ein internationales Bankenkonsortium, dem Credit Suisse, Deutsche Bank und Barclays angehören, hat sich verpflichtet, die bis dahin nicht veräußerten neuen Aktien zu kaufen.



Das Scheitern von Jamaika lässt die Märkte kalt

Nach wochenlangen Verhandlungen sind die Sondierungsgespräche für eine schwarz-gelb-grüne Jamaika-Koalition in Deutschland spektakulär gescheitert. An den Kapitalmärkten aber entpuppte sich diese Nachricht als „Nicht-Ereignis“. Weder an den Anleihe- noch an den Aktienmärkten, aber auch nicht an der Kursentwicklung des Euro, schlug sich der Verhandlungsabbruch wirklich nieder – bleibt doch die wirtschaftliche Dynamik der Eurozone und in Deutschland ungebrochen.


Dass sich das Ende der Sondierungsgespräche, an dem alle Beteiligten eine Mitschuld tragen dürften, auch langfristig negativ auf den Kapitalmarkt auswirken wird, ist kaum zu erwarten. Zum einen handelt es sich dabei um einen relativ normalen Vorgang in einer Demokratie – nur hat man das eben in der Bundesrepublik noch nicht erlebt. Zum anderen ist auch die Option einer Minderheitsregierung denkbar, was in anderen demokratischen Ländern, etwa in Skandinavien, eine geübte Praxis ist. Eine Minderheitsregierung würde nicht nur die Position der Bundestagsabgeordneten stärken, sondern auch das politische „Weiter so“ relativieren. Ob man dann, etwa nach zwei Jahren, wieder Neuwahlen ausrufen wird, muss sich zeigen.


Entscheidend wird am Ende sein, ob man die großen Themen der Zeit in der Lage ist, herzhaft anzugehen. Dazu zählen insbesondere eine gewisse Bildungsmisere, die Herausforderungen durch die Digitalisierung sowie die Umbrüche, die die Mobilität der Zukunft und der Klimawandel mit sich bringen werden. Erst wenn die Börse sehen sollte, dass die Bundesrepublik auf diesen Feldern den Zug verpasst, wird sie reagieren.



May bewegt sich bei Brexit-Gebühr

Theresa May hat sich bei der Frage der finalen Zahlung an die Europäische Union (EU) für den Brexit bewegt. So ist die britische Regierung offenbar bereit, die „Austrittsgebühr“ für Großbritannien aus der EU auf 40 Mrd. € zu verdoppeln. Mit diesem Schritt sollen die Verhandlungspartner auf EU-Seite dazu gebracht werden, im Dezember die nächste Runde der Austrittsverhandlungen einzuleiten. Dann will London Gespräche über eine Übergangsfrist erreichen und das künftige Handelsverhältnis Großbritanniens mit der EU besprechen.


Folgt man britischen Zeitungsberichten, hat die Premierministerin auch die Hardliner unter den Brexiteers in der Regierung in dieser Frage hinter sich gebracht. Eine offizielle Bestätigung dieser Summe gab es aber nicht.


Bisher steht lediglich ein Angebot von 20 Mrd. € im Raum. Mit der Verdopplung der Summe verbindet London die Erwartung, dass die Gegenseite keine höheren finanziellen Forderungen mehr stellen dürfe. Schließlich hat Brüssel ja Rechnungen von bis zu 100 Mrd. € aufgemacht. Erst der 8. Dezember gilt als wahrscheinliches Datum für eine offizielle Bekanntgabe des neuen Angebots. EU-Verhandlungsführer Michel Barnier hatte London eigentlich eine Frist für Zugeständnisse bis Ende dieser Woche gesetzt, um sie bei der nächsten Sitzung berücksichtigen zu können.


Die Höhe der „Austrittsgebühr“ gilt als einer von drei Punkten, bei denen Brüssel ausreichende Fortschritte sehen will, bevor die nächste Phase der Gespräche eingeläutet werden kann. Des Weiteren sind das Bleiberecht von EU-Ausländern auf der Insel sowie Briten auf dem Kontinent wichtige Punkte. Außerdem drängt Brüssel auf eine Regelung für die Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.



Yellens Abgang bietet mehr Spielraum für Trump

Die Chefin der US-Zentralbank, Janet Yellen, verzichtet auf einen Direktorenposten bei der Fed, wenn ihr Nachfolger im Amt, Jerome Powell, im Februar 2018 vereidigt wird. Noch bis 2024 hätte sie auf diese Weise im Führungsgremium der Zentralbank die Geldpolitik mitentscheiden können. Nach ihrem Ausscheiden werden damit vier von sieben Direktoriumsplätze frei sein – was ungeahnten Spielraum für D. T., den Unberechenbaren, eröffnet.


Denn damit hat Präsident Donald Trump die Möglichkeit, die Führungsriege der mächtigsten Notenbank der Welt personell noch stärker zu prägen als durch die Personalentscheidung für seinen republikanischen Parteifreund Powell. Schließlich werden die Mandate mit Zustimmung des Senats für 14 Jahre vergeben.


Yellen sitzt seit 2010 im Direktorium und hätte diesem noch bis 2024 angehören können, auch wenn ihr vierjähriges Mandat als Fed-Chefin Anfang Februar abläuft. In einem Brief an Trump zog die 71-jährige Ökonomin eine positive Bilanz ihrer Zeit im Direktorium, indem sie darauf verwies, dass in diesem Jahrzehnt unter dem Strich 17 Millionen Jobs in den USA entstanden seien.


Als möglicher Anwärter auf einen der Direktorenposten gilt Ökonomie-Professor John Taylor, der bereits für die Fed-Spitze im Gespräch gewesen war. Er schlägt die nach ihm benannte Taylor Rule als Richtschnur für die US-Geldpolitik vor, was bisher bei der Notenbank auf heftigen Widerstand gestoßen war.


Yellen steht für einen Kurs behutsamer Zinserhöhungen, der unter ihrem Nachfolger Powell fortgesetzt werden dürfte. Am 12. und 13. Dezember wird die Fed zu ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung zusammenkommen. Es wird erwartet, dass Yellen dann als ihre letzte große Amtshandlung an der Spitze der Fed den Zinssatz zur Versorgung der Banken mit Geld zum dritten Mal in diesem Jahr nochmals anheben wird.



Banken in Quarantäne!

Damit Kriseninstitute vor massenhaften Abhebungen und dem Zugriff der Gläubiger (Bank Run) geschützt werden können, sollten den Behörden weitreichende Instrumente zugestanden werden. Ein solches Werkzeug sollte nicht nur dazu dienen, Guthaben einfrieren zu können, sondern möglichst alle Verbindlichkeiten einer Bank abzuschirmen. Diese These vertrat die Chefin der europäischen Bankenabwicklungsbehörde, Elke König, auf der „Euro Finance Week“ in Frankfurt.




Mit einer solchen „Quarantäne“ könnten nicht nur Einlagen, sondern auch Anleihen einer notleidenden Bank eingefroren werden. König will den Behörden solche Mittel nur vorübergehend, „idealerweise fünf Tage“, an die Hand geben, denn dann wäre es einfacher, eine in Schwierigkeiten geratene Bank zu retten oder abzuwickeln. In dieser Zeit könnten Aufseher und Abwickler über weitere Maßnahmen beraten, um etwa die Aufspaltung des Instituts in einen überlebensfähigen Teil und eine „Bad Bank“ einzuleiten, ohne dass permanent Geld abgezogen wird.



Renault und Südzucker jeweils mit 1.000 € Mindeststückelung

Die Emissionstätigkeit der Unternehmen ist weiter sehr rege. So entschlossen sich in dieser Handelswoche unter anderem Renault und Südzucker frisches Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Auch McDonald’s platzierte erfolgreich eine Dualtranche.


Der französische Automobilhersteller Renault begab jetzt eine 750 Mio. € schwere Anleihe (A19SW3). Der 8-jährige Bond ist am 28.11.2025 fällig und mit einem Kupon von jährlich 1% ausgestattet. Der Ausgabepreis lag bei 99,109%, was einem Emissionsspread von +53 bps über Mid Swap entsprach. Renault erfreut die Privatanleger mit einer Mindeststückelung von 1.000 €. In die Anleihebedingungen wurde eine Make Whole Option aufgenommen und der Bond ist seitens des Emittenten ab dem 28.08.2025 zu 100% kündbar.


Ebenfalls mit einer privatanleger-freundlichen Mindeststückelung begab Südzucker einen 500 Mio. € schweren Bond (A19SRU) mit einer Laufzeit bis zum 28.11.2025. Dieser 8-jährige Bond zahlt den Investoren jährlich ebenfalls 1% Zinsen und wurde zu 99,367% begeben. Dies kam einem Spread von +50 bps über Mid Swap gleich. Der größte Zuckerproduzent der Welt und einer der größten Lebensmittelkonzerne Deutschlands ließ sich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen schreiben. Ebenfalls ist das Wertpapier 3 Monate vor Endfälligkeit, sprich ab dem 28.08.2025, jederzeit zu 100% kündbar.


Als letzter im Bunde konnte der US-amerikanische Betreiber und Franchisegeber von Fast-Food-Restaurants McDonald‘s erfolgreich eine Dualtranche im Gesamtvolumen von 1,2 Mrd. € am Kapitalmarkt platzieren. Dabei ist die erste Tranche (A19SWU) 700 Mio. € schwer und am 29.01.2024 fällig. Für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt zahlt das Unternehmen jährlich 0,625% Zinsen an die Investoren. Ausgegeben wurde der Bond bei 99,832% (+30 bps über Mid Swap). Im Bereich der Fast-Food-Konzerne ist McDonald’s das umsatzstärkste Unternehmen der Welt und stattete die zweite 500 Mio. € schwere Tranche (A19SWV) mit einem Kupon in Höhe von 1,5% aus. Fällig ist das Papier am 28.11.2029. Der Emissionsspread belief sich auf +57 bps über Mid Swap, was einem Emissionspreis von 99,164% entsprach. Die Mindeststückelung von 100.000 € legte McDonald’s für beide Bonds fest und eine Make Whole Option wurde ebenfalls in die Emissionsbedingungen aufgenommen.



Europäische Gemeinschaftswährung bleibt gelassen

Am 24. September 2017 fanden die Bundestagswahlen in Deutschland mit dem Ergebnis statt, dass bis heute keine neue Regierung gebildet werden konnte. Mit dem Abbruch der Koalitionsverhandlungen könnte es erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zu Neuwahlen kommen.


An den internationalen Finanzmärkten wurde dies mit erstaunlicher Gelassenheit registriert. In erster Reaktion fiel der Euro zu Beginn der Handelswoche von 1,1790 USD zeitweise bis auf 1,1722 USD. Jedoch konnte sich die Gemeinschaftswährung im weiteren Handelsverlauf davon erholen und kletterte in der Spitze bis auf 1,1846 USD. Für die restliche Handelswoche ist nicht mit neuen Impulsen zur rechnen. Denn in den USA wird heute Thanksgiving gefeiert und das Börsengeschehen ruht. Am morgigen Freitag wird in den Vereinigten Staaten ebenfalls nur verkürzt gehandelt. Damit fehlen viele Marktakteure, das Währungspaar EUR-USD handelt heute Morgen bei 1,1830 USD.


Weiterhin ziemlich schwach präsentiert sich die türkische Lira. Damit hält der seit Monaten anhaltende Abwärtstrend der Währung an. So konnte der Euro in dieser Handelswoche einen neuen historischen Rekordstand erreichen und notierte mit 4,6773 TRY so hoch wie nie zuvor. Staatschef Erdogan sorgte selbst mit seinen Äußerungen und der Kritik an der Unabhängigkeit der Notenbank für ein Abrutschen der eigenen Währung.


In dieser Berichtswoche setzten die Privatanleger auf Altbekanntes. Favorisiert wurden hierbei Fremdwährungsanleihen auf australische Dollar, türkische Lira, südafrikanische Rand sowie US-Dollar.



Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de



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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.


Herausgeber:

Baader Bank AG

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Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG


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Über den Autor
 
Autor: Klaus Stopp Klaus Stopp,
Baader Bank AG

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.

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