Bewertung des Weltaktienmarktes



13:43 11.12.17

von Prof. Dr. Max Otte

Seit einiger Zeit benutzen mein Privatinvestor-Team und ich eine Aktienampel, um die Bewertung einzelner Länder zu verfolgen. Hier vergleichen wir das Kurs-Gewinn-Verhältnis des entsprechenden Marktes, das normalisierte Kurs-Gewinn-Verhältnis nach Benjamin Graham und das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Der Weltaktienmarkt ist mittlerweile durchaus anspruchsvoll bewertet. Mit einem KGV von 17,5, einen Graham-KGV von 22,4 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,4 bewegen wir uns auf dünnerem Eis.

Blue Chips und amerikanische Large Caps: Rendite für die Zukunft eher unterdurchschnittlich

Gemessen an vier Metriken – dem zyklisch adjustierten KGV (Graham-KGV, welches die durchschnittlichen Gewinnmargen beinhaltet), Tobins Q-Verhältniszahl, dem Crestmont-KGV und der Regression des S&P 500 auf seinen mittleren Trend – ist der S&P 500 um 50 bis 110 Prozent überbewertet. Das ist noch keine extreme Blase. Auch in einem solchen Markt finden sich noch Investments. Auch wir führen in unserer Datenbank diverse US-Titel. Aber wir sind schon länger etwas vorsichtiger. In der Investmentsaison 2014/15 und 2015/16 lief der MSCI World, der zu über 50 Prozent aus US-Werten bestand, weiter. Meine Fonds gerieten ins Hintertreffen. Im letzten Jahr nun hat sich unsere Vorsicht bezüglich USA zum ersten Mal gelohnt.Aktuell liegen sowohl Margen als auch KGVs in den USA und bei vielen Blue Chips deutlich über dem Durchschnitt. Die Gewinnmargen und Kurs-Gewinn-Verhältnisse können aber nicht ewig steigen, sondern müssen irgendwann wieder auf ihren Normalwert sinken. Und dann sinken bei gleichbleibendem Umsatz auch die Kurse.

Die anerkannte Investmentfirma GMO, die über 150 Mrd. USD an Vermögen managt, veröffentlicht eine Prognose für die durchschnittliche Rendite über die nächsten sieben Jahre.20 Diese Prognose orientiert sich an 1. normalem organischem Umsatzwachstum 2. Margenerweiterung und Kompression auf den langfristigen Durchschnitt 3. KGV-Erweiterung oder Kompression und Dividendenrenditen. Für amerikanische Aktien mit hoher Marktkapitalisierung kommt GMO auf eine Rendite von durchschnittlich Minus 4,2 Prozent pro Jahr über die nächsten sieben Jahre. Der von mir sehr respektierte Howard Marks, der bei Oaktree Capital rund 100 Mrd. USD verwaltet, sieht über die nächsten sieben Jahre sogar durchschnittliche Wertverluste von 4 Prozent pro Jahr für große amerikanische Blue Chips.

Europäische Aktien

Für die meisten europäischen Aktien – auch den bereits stark gestiegenen DAX – sieht es noch recht gut aus, zumal das Gewinnmomentum in Europa zunimmt. Die Bewertungen sind auf mittlerem Niveau. Der DAX ist fair bewertet. Es ist gut möglich und sogar wahrscheinlich, dass er auf 15.000 Punkte steigt. Aber darum geht es nicht, sondern alleine darum, was die langfristige Renditeerwartung beim aktuellen Stand ist. Und die ist bei 7 bis 8 Prozent.

Und heute, im Herbst 2017? Der DAX steht bei fast 12.700 Punkten, ist also seit seinem Tief vom März 2009 um ca. 250 Prozent gestiegen. Der deutsche Aktienmarkt ist mittlerweile fair bewertet. Sein aktuelles KGV von 17,7 ist nahe dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre (17,2). Analysten prognostizieren für das nächste Jahr ein KGV von rund 14.

Aber es gibt auch heute noch Märkte, die billig sind. Einer davon ist Großbritannien. Viele Aktien wurden durch den Brexit und die damit zusammenhängenden Ängste heruntergeprügelt. Der Brexit hat in England zu einer großen Verunsicherung geführt – und er wird dem Land definitiv schaden, wenn er kommen sollte. Für ausgemacht halte ich das immer noch nicht. Die Eliten spielen auf Zeit.

Ausgewählte Nebenmärkte



Erinnern Sie sich noch an die BRIC (Brasilien, Russland, Indien, China)? Der Begriff wurde 2001 von Jim O´Neill (eigentlich Terence James O‘Neill, Baron O‘Neill of Gatley) geprägt, als er bei Goldman Sachs arbeitete. Das waren die Märkte der Zukunft, um die „man nicht herumkam“. Etliche Jahre lief es auch gut für die BRICs. Dann aber kam der Wirtschaftskrieg des Westens gegen Russland, die Rezession und der Einbruch der Börse in Brasilien, als die Dollarzinsen stiegen und viel Kapital wieder Richtung USA floss und die Börsenkorrektur in China.

Seit der massiven Kurskorrektur 2017 ist der IBOVESPA-Index in Brasilien bereits wieder um 75 Prozent gestiegen, der Hang Seng seit 2016 um gut 40 Prozent. Der russische Index RTS hat in den letzten zwölf Monaten immerhin 15 Prozent zugelegt. Dennoch sind diese Märkte immer noch durchaus attraktiv bewertet, so dass wir auch hier nach Chancen suchen. Allerdings ist es ratsam, in solchen Märkten selektiv tätig zu werden und keine allzu großen Positionen aufzubauen.

Aktien vs. Renten

Seit Jahren betreibt der Westen eine Politik der zwangswirtschaftlichen Maßnahmen und direkten Staatseingriffe. Dazu gehören die Aufblähung der Notenbankbilanzen, der Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen, die Bargeldverdrängung und Negativzinsen. Mit immer härteren Maßnahmen haben wir die Fiktion von Wirtschaftswachstum aufrechterhalten. Wir haben uns mit immer mehr Schulden Zeit erkauft, aber nichts getan, um die Ursachen zu bekämpfen. Die Risiken in der Weltwirtschaft sind laut IWF in vielen Bereichen heute größer als 2007.

Beim aktuellen Renditeniveau auf den Rentenmärkten, das durch die Staatseingriffe nach unten und teilweise ins negative Territorium manipuliert ist, sollte die Aktienallokation weiter nahe am Maximum der individuellen Aktienquote liegen. Besonders warne ich vor Anleihen minderer Qualität, sogenannten „High Yield“ oder „Junk Bonds“. Bei einem Renditeniveau von zwei bis drei Prozent und Ausfallwahrscheinlichkeiten von sieben Prozent und mehr können Sie sich die Rendite ausrechnen.

Auf gute Investments,

Ihr

Max Otte



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Über den Autor
 
Autor: Max Otte Max Otte
Prof. Dr. Max Otte ist Value Investor, Entwickler der Königsanalyse® und Gründer der Institut für Vermögensentwicklung GmbH (IFVE). Durch sein 2006 geschriebenes Buch „Der Crash kommt“ wurde Max Otte einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. 3 Mal bereits wurde er von den Lesern des Magazins „Börse Online“ zum Börsianer des Jahres gewählt. Der PI Global Value Fund wird von Max Otte genauso beraten wie der Max Otte Vermögensbildungsfonds sowie seit Oktober 2016 der Max Otte Multiple Opportunities Fund. Im letzten Jahr gehörte sein Max Otte Vermögensbildungsfonds laut Morningstar zu den 2% Besten seiner Vergleichsgruppe.

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