Anleihen: Markt kommt in Bewegung



08:43 13.01.18





Niemals mehr höhere Zinsen? Mittlerweile mehren sich die Signale, dass es doch anders kommen könnte. 12. Januar 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Das am gestrigen Donnerstag veröffentlichte Protokoll der EZB-Sitzung vom Dezember zeigt, dass weitere Schritte in Richtung geldpolitischer Straffung mittlerweile nicht mehr tabu sind: Aus dem Protokoll geht hervor, dass die Notenbanker möglicherweise schon bald ihre Kommunikation anpassen und die Märkte auf neue Schritte hin zur Zinswende vorbereiten wollen. "Es sieht nun ganz danach aus, dass das Anleihekaufprogramm Ende September ausläuft", kommentiert Arthur Brunner von der ICF Bank. 

An den Bond-Märkten hinterlässt das Spuren: Der Future zeigt sich gegenüber der Vorwoche abermals schwächer und notiert am Freitagmorgen bei 160,37 Punkten - Anfang Dezember waren es noch fast 164 Punkte. Zehnjährige Bundesanleihen werfen mittlerweile wieder 0,58 Prozent ab - vor einer Woche waren es 0,44 Prozent. "Zusätzlich belastet wurden die Rentenmärkte durch eine Bloomberg-Meldung vom Mittwoch, dass China über eine Verringerung oder sogar einen Stopp der Käufe von US-Staatsanleihen nachdenkt", ergänzt der Händler. Das staatliche chinesische Devisenamt dementierte den Bericht allerdings. 

Wende oder keine Wende?

"Es tut sich was", bemerkt Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank mit Blick auf die höheren Zinsen. "Nach vielen Monaten der Resignation lässt der jüngste Anstieg der Staatsanleiherenditen ahnen, dass die Sonne bald aufgehen könnte." So seien die zehnjährigen T-Notes-Renditen aus den USA auf über 2,50 Prozent gestiegen - immerhin um 50 Basispunkte seit September 2017 und auf das höchste Niveau seit März 2017. Die Commerzbank sieht hierzulande aber noch keine Wende gekommen und empfiehlt den Einstieg: "Da die nächste EZB-Sitzung erst in zwei Wochen stattfindet und eine nachhaltige Neubewertung von Bunds trotz der anstehenden, robusten Konjunkturdaten somit übereilt wäre, sollten taktische Investoren die sich bietende seltene Kaufgelegenheit nicht verpassen", meint Anleiheanalyst Markus Koch. Die unter 1 Prozent verharrende Kerninflationsrate für den Euroraum unterstreiche, dass eine zügige geldpolitische Straffung der EZB einschließlich Zinserhöhungen nicht zu erwarten sei. 

Auch Druck auf Unternehmensanleihen  

Corporate Bonds konnten sich dem Trend bei den Staatsanleihen nicht ganz entziehen: "Die Verkäufe überwogen", stellt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank fest. Als Beispiel nennt er eine Stada-Anleihe (WKN A14KJP). Gegen den Trend gekauft wurde ein Papier der OeVAG Finance (WKN A0DC0M), des ehemaligen österreichischen Volksbanken-Spitzeninstituts, das aufgrund hoher Verluste abgewickelt werden musste. Die Anleihe war im Zuge der Krise im Tief im Januar 2015 auf unter 1 Prozent gefallen. "Nun wurde bekannt, dass sie am 22. März vorzeitig zurückgezahlt werden soll."

DanielDaniel   Viel beachtet wird weiterhin der südafrikanisch-deutsche Möbelhändler Steinhoff (WKN A19LXV), gegen den wegen Bilanzunregelmäßigkeiten ermittelt wird. "Es tut sich im Moment allerdings nicht viel, man wartet auf neue Nachrichten", berichtet Rainer Petz von Oddo Seydler. 

Viele Neuemissionen  

Zum Jahresstart holen sich viele Unternehmen Geld am Kapitalmarkt. "Es gibt jede Menge Neuemissionen, die meisten allerdings mit Stückelung von 100.000 Euro", stellt Brunner fest. Privatanlegerfreundliches mit Stückelung von 1.000 Euro kam aber von der Deutschen Bahn (ISIN XS1752475720): Der Bond läuft bis Dezember 2027 und bietet 1 Prozent. 

Reichlich Abnehmer fanden im Bereich der Staatsanleihen neue Papiere Italiens (WKN A19UWY), wie Petz berichtet. Die neuen BTP (Buoni del Tesoro Poliennali) im Volumen von 9 Milliarden Euro mit Fälligkeit 2038 und Kupon von 2,95 Prozent notieren Petz zufolge aktuell schon bei 101,5 Prozent.

BrunnerBrunner   Anleger kaufen allerdings längst nicht mehr alles, wie Daniel feststellt. "Wenn die EZB die Zinszügel strafft, heißt das ja auch, dass die Inflation steigt, und da ist ein Kupon von 1,75 Prozent nicht mehr so überzeugend", erklärt der Händler mit Blick auf eine neue Anleihe der Deutschen Bank mit diesem Kupon und Laufzeit bis 2028 (WKN DL19T2), die sich mit einer Stückelung von 100.000 Euro allerdings an institutionelle Anleger richtet. 

Suche nach Nischen

"Zum Teil wird auch versucht, speziellere Ideen umzusetzen", ergänzt Daniel. Gekauft werde zum Beispiel eine bis 2020 laufende Anleihe der EIB in indischen Rupien mit Zins von 5 Prozent (WKN A19B75) oder Bonds in brasilianischen Real. 

Weiter zugegriffen wird bei US-Dollar-Anleihen. "Das gilt speziell für gute Namen", berichtet Brunner. Auch Klaus Stopp von der Baader Bank hat für die ersten Handelstage des neuen Jahres Interesse an Währungsanleihen auf US-Dollar registriert - außerdem noch an Bonds in russischen Rubel, südafrikanischen Rand sowie auch mexikanischen Peso und brasilianischen Real. 

Von: Anna-Maria Borse
12. Januar 2018, © Deutsche Börse



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