Baader Bond Markets: "Rückt die Zinswende ein bisschen näher?"



14:22 20.01.18


Klaus Stopp blickt umfassend auf die Woche im Rentenmarkt zurück. 19. Januar 2018. MÜNCHEN (Baader Bank). Jens Weidmann lässt nicht locker. Zum wiederholten Male hat der Bundesbankpräsident seine grundsätzliche Kritik am Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB), das durch die nationalen Notenbanken umgesetzt wird, geäußert. Die Käufe hätten nicht vernachlässigbare negative Nebenwirkungen, sagte Weidmann der FAZ. Schließlich sind die Zentralbanken auf diese Weise zu den größten Gläubigern der Staaten geworden. Über alle Assetklassen sind bisher ca. 2,3 Billionen Euro in Wertpapierkäufe geflossen. Das ist kein Pappenstiel! Deshalb drängt Weidmann, der im Herbst 2019 Mario Draghi an der EZB-Spitze gegebenenfalls beerben könnte, auf ein Ende der milliardenschweren Ankäufe noch in diesem Jahr. Damit geht die Debatte über das Ende der Anleihekäufe in der Eurozone in eine neue Runde. Wie lange die Geldschleusen geöffnet bleiben, ist aber weiterhin ungewiss. 

Rückendeckung erhält Weidmann unter anderem von Estlands Notenbank-Chef Ardo Hansson. Nach dessen Überzeugung könnten die Ankäufe nach dem September 2018 abrupt beendet werden, ohne dass dies die Märkte stark beeindrucken würde. Auch Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny hätte keine Probleme damit, die Ankäufe 2018 auslaufen zu lassen, wenn die Konjunktur weiter mitspielt. Dagegen vertritt EZB-Vizepräsident Vitor Constancio das Lager der Vertreter einer expansiven Geldpolitik. Nach seiner Lesart hat sich die EZB zwar mit der Halbierung der monatlichen Anleihekäufe auf ein neues wirtschaftliches Umfeld und eine kommende, höhere Inflation eingestellt. Das bedeute aber nicht, dass die Geldpolitik nicht für lange Zeit konjunkturunterstützend bleiben wird, sagte er dem Handelsblatt. 

Die Frage ist nun, welche Seite die Oberhand gewinnen wird. Bekanntlich hat sich ja EZB-Chef Mario Draghi nicht eindeutig geäußert, wie es ab Oktober mit der Ausrichtung der Notenbank weitergehen wird. Misst man Draghi an seinen eigenen Worten, müssten ihm eigentlich so langsam die Argumente für eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik ausgehen. Die Konjunktur brummt und die Inflation hat sich mit 1,8 Prozent im Jahr 2017 zumindest in Deutschland der Zielmarke von 2 Prozent stark genähert. Hielte diese Entwicklung an, würden sich die Spielräume der EZB einengen - und der Druck im Hinblick auf eine straffere Geldpolitik zunehmen.

Nachdem man am Markt bisher von einer echten Zinswende vielfach erst für Mitte 2019 ausgegangen war, ist man nach entsprechenden Äußerungen von Notenbankern wie Weidmann aber nun nicht mehr so sicher. Inzwischen konzentrieren sich die Erwartungen an eine Zinsanhebung auf das Frühjahr kommenden Jahres. Manche rechnen sogar mit dem Dezember 2018. Immerhin, die Hoffnung auf eine etwas frühere Zinswende ist da. 

Indessen ist das Ankaufsvolumen in der zweiten gegenüber der ersten Januar-Woche wieder deutlich angestiegen. Im Wochenvergleich nahm der Umfang von 2,9 Milliarden Euro auf rund 10 Milliarden Euro zu. Insbesondere der Anteil von Corporate Bonds hat hier zugelegt und damit wurden die Erwartungen bestätigt, weil die selbst gesteckten Obergrenzen bei den Staatsanleihen fast erreicht sind. Folglich wird dadurch die relative Bedeutung der Unternehmensanleihen erhöht, was wiederum Fragen nach deren Auswahl aufwirft. 

Die Notenbanken - der Nabel der Finanzwelt

Es war zu erwarten, dass die Geldpolitik der Notenbanken auch in diesem Jahr wieder die Entwicklung an den Finanzmärkten bestimmen wird. Jedoch wurden viele Investoren im Falle der europäischen Notenbank (EZB) von der Diskussion um die geldpolitische Ausrichtung überrascht. Die Auswertung der Sitzungsprotokolle lässt den Rückschluss zu, dass die bisherigen Zinsanhebungserwartungen zeitlich vorgezogen werden müssen. 

Somit wird in den kommenden Monaten u.a. das Hauptaugenmerk auf der Entwicklung der Konjunktur und der Inflation im Euroraum liegen. Im Bewusstsein der Abhängigkeit zwischen der von ihm geführten Zentralbank und der EZB betont jedoch der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass eine Prognose, wann seine Notenbank wieder zu positiven Einlagezinsen zurückkehren wird, nicht möglich ist - und man in naher Zukunft auch nicht von den rekordtiefen Negativzinsen abrücken wird. Im Gegensatz dazu hält die britische Notenbankerin Tenreyro in den nächsten drei Jahren einige weitere Zinserhöhungen auf der Insel für nötig. Allerdings relativierte sie diese Aussage durch den Zusatz: Die Zentralbank habe aber noch reichlich Zeit, bevor sie wieder eine Anhebung in Erwägung ziehen müsse. Vor dem unsicheren Ausgang der Brexit-Verhandlungen ist diese Einschränkung sogar nachvollziehbar.

"SNB erteilt Zinsoptimisten eine Absage und BoE baut vor." 
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Sogar aus dem Land der aufgehenden Sonne sind völlig ungewohnte Signale zu vernehmen, die ein Abrücken von der jahrzehntelang betriebenen ultralockeren Geldpolitik andeuten. So hat der japanische Notenbankgouverneur, Haruhiko Kuroda, am Rande eines Treffens mit den regionalen Notenbankmanagern die Inflationsentwicklung leicht optimistischer eingeschätzt und sieht die heimische Volkswirtschaft inzwischen auf einem Wachstumspfad. Befeuert wurde diese Art der Interpretation noch durch ein zuletzt geringeres Volumen bei den Anleihekäufen der Notenbank.

"BoJ wechselt die Rhetorik" 
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Das gestern veröffentlichte Beige Book ist als Datengrundlage für das anstehende FOMC-Meeting am 30. und 31. Januar anzusehen und hat keine neuen Erkenntnisse gebracht. Die Sitzung der US-amerikanischen Notenbank (Fed) wird voraussichtlich bereits von dem neuen Chef, Jerome Powell, geleitet werden. Die hierbei zu vollziehende "Machtübergabe" wird an den Finanzmärkten allerdings als unkompliziert angesehen und somit wird sich an der Ausrichtung der Geldpolitik auch nur wenig - falls überhaupt - ändern. Ob es in diesem Jahr zu noch zwei oder sogar drei Zinsanhebungen kommen wird, ist somit nicht der Personalie geschuldet, sondern der weiteren politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in den USA.

"Fed-Sitzung unter neuem Vorsitz" 
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Eine weitere Notenbank hat am gestrigen Abend angesichts positiver Konjunkturaussichten eine geldpolitische Straffung beschlossen. So hat die Notenbank Kanadas zum dritten Mal binnen sieben Monaten die Zinsen auf das höchste Niveau (1,25 Prozent bis 1,50 Prozent) seit 2009 angehoben und die Möglichkeit weiterer Schritte angedeutet.



"Kanadas Notenbank" 
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Superman versus Kryptowährungen

Zugegeben, die folgende Analogie ist weit hergeholt und beruht auch nur auf der Ähnlichkeit der Wörter. Kryptowährungen, also digitale Zahlungsmittel wie Bitcoin, haben ihren Namen von der Kryptographie, also der Verschlüsselungstechnik. Aber sie klingen wie Krypton, der fiktive Heimatplanet von Superman. Na, und der hatte vor allem eins zu befürchten: Grünes Kryptonit, der Supermans Körperaura schwächen und ihn schlussendlich töten würde. 

Nachdem die Kryptowährung Bitcoin noch Mitte Dezember einen Superman-artigen Höhenflug erlebt hatte, ist sie nun diese Woche regelrecht eingebrochen. Kursverluste von bis zu 25 Prozent an einem Tag darf man schon als Absturz bezeichnen. Die wachsende Furcht vor einer staatlich überfälligen Regulierung in dem Bitcoin-affinen Land Südkorea sei es gewesen, die den Kurs zum Sturz unter die 9.500-US-Dollar-Marke gebracht hat, so hieß es. Außerdem sollen Meldungen, wonach China wegen des hohen Stromverbrauchs die Schaffung von Bitcoins durch Private eindämmen will, für den Kursverfall mit verantwortlich sein. Seit dem Rekordhoch von rund 20.000 US-Dollar Ende Dezember 2017 hat die Cyberwährung damit rund 50 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

"Kurs des Bitcoin stürzt ab" 
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Aber muss das wirklich verwundern? Der Bitcoin, der im Gegensatz zu Zentralbankgeld ausschließlich durch Private geschöpft wird, ist eine reine Spekulationsblase. Und jede Blase wird nun mal so lange aufgeblasen, bis sie platzt. Der Bitcoin-Preis spiegle einzig und allein die Nachfrage nach der "Illusion des spekulativen Wertes" wider, wie Finanzexperten sagen. Dass die Angst vor Regulierung zu einem Kurssturz führen kann, zeigt ja auch, dass die Schattenmänner im Hintergrund, die sich mit der Kryptowährung eine goldene Nase verdienen, Transparenz fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Man kann sich sicher sein, dass sie zum Zeitpunkt des Kurssturzes ihr Geld in Sicherheit gebracht haben. Man kann sich aber nicht sicher sein, dass man als Anleger überhaupt so einfach aus seinem Investment wieder rauskommt.

"Illusion des spekulativen Werts" 
weiter   HEADLINE

Wer Kryptowährungen handelt, weicht bewusst dem staatlich regulierten und gesicherten System aus, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. Eine wirksame Regulierung von Cyber-Devisen ist nach seiner Ansicht nur durch eine größtmögliche internationale Kooperation zu erreichen. In der EU sei im Dezember mit der neuen Geldwäsche-Richtlinie ein erster Schritt erfolgt. Hier kommen doch wieder die Vorzüge eines regulierten Handelsplatzes zum Ausdruck, den man seit Jahrhunderten Börse nennt.

"Wirksame Regulierung nur durch internationale Kooperation zu erreichen" 
weiter   Insgesamt kann man konstatieren, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen digitale Schneeballsysteme sind und somit die reine Spekulation verkörpern. Superman hätte es wegen seiner Aversion gegenüber allem, was mit "Krypto" beginnt, gewusst. 

19. Januar 2018, © Baader Bank AG

Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

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Über den Autor
 
Autor: Klaus Stopp Klaus Stopp,
Baader Bank AG

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.

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