Wochenausblick: Schwankungen vorprogrammiert



16:31 16.04.18





Ungünstige politische Rahmenbedingungen begünstigen nach Analystenmeinung anhaltend hohe Bewegungen am Aktienmarkt. Technisch wird die Luft für den DAX dünner. 16. April 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Zusätzliche US-Sanktionen gegen Russland, ein schwelender Handelskrieg und nach der Ankündigung des Militärschlags gegen Syrien nun der tatsächliche Raketenangriff der westlichen Verbündeten. Vor diesem politischen Hintergrund wird die Volatilität an den Finanzmärkten nach Ansicht von Analysten hoch bleiben.

In der vergangenen Woche schaffte der DAX unter viel Bewegung dennoch ein Plus von gut 1,6 Prozent und schloss am Freitag bei einem Stand von 12.442 Punkten. Gleichzeitig legten Dow Jones Industrial über 2 Prozent und der Nasdaq Technologieindex 3,3 Prozent zu.

Zumindest im Streit um Strafzölle mit China gibt sich US-Präsident Trump nach Meinung von Claudia Windt etwas versöhnlicher. "Er relativierte seine Drohungen gegenüber der Volksrepublik und erwägt sogar einen Wiedereinstieg in das transpazifische Handelsabkommen TPP", begründet die Analystin der Helaba. Dies sei allerdings lediglich eine Momentaufnahme, die sich mit dem nächsten "Tweet" schnell ins Gegenteil umkehren könne.
Montagmittag sieht es noch recht freundlich aus, der DAX liegt mit 12.481 Punkten ein Drittel Prozent im Plus.

Angeschlagene Stimmung

Insgesamt sieht die Helaba für Anleger derzeit kaum Anlass, um voll in den Risikomodus zurückzukehren. Denn zu der politischen Unsicherheit geselle sich zyklischer Gegenwind. Insbesondere in der Eurozone sei gegenwärtig ein deutliches Übergewicht an negativen Konjunkturüberraschungen zu beobachten. Unter anderem werde der anstehende ZEW-Index erneut nachgeben.

"Für Aktien bedeuten rückläufige Frühindikatoren erfahrungsgemäß nichts Gutes", erinnert Markus Reinwand. Der Mittelwert aus den ZEW-Teilindizes Lage und Erwartung hätten seit den neunziger Jahren sechsmal auf einem vergleichbaren Niveau einen Gipfel ausgebildet. "Der DAX gab daraufhin sichtbar nach." Folge die Entwicklung dem historischen Muster, werde sich die Korrektur bis in den Herbst fortsetzen, wobei kurze Zwischenerholungen nicht ungewöhnlich seien. "Von Pessimismus kann noch nicht die Rede sein." Eine echte Bereinigung habe nicht stattgefunden.

Die Luft wird dünner  

Aus technischer Perspektive konnte der DAX seine Lage mit der jüngsten Erholung nach Ansicht von Karen Szola deutlich verbessern. "So gelang es ihm, eine seit Februar gebildete Konsolidierungsflagge positiv nach oben aufzulösen und im Anschluss bis zum 12.500er-Bereich vorzustoßen", meint die technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online. Damit habe das hiesige Aktienbarometer aus Fibonacci-Sicht 38,2-Prozent der Januar-März-Abwärtswelle wettgemacht. "Aus dieser Anstrengung sollte sich weiteres Anstiegspotenzial ergeben, welches bis zur 200-Tage-Linie hinaufführt." Der gleitende Durchschnitt liege aktuell um 12.660 Zähler. "Auf diesem Kursniveau wären dann sogar 50 Prozent der Kursverluste seit Januar getilgt."

SzolaSzola   Etabliert sich der DAX oberhalb der 200er-Linie, sieht die Charttechnikerin die Reise weiter in Richtung der Hochs gehen. Aus der mittlerweile wieder überkauften Indikatoren-Sicht sollte die Luft aber jetzt dünner werden. An dieser Stelle erinnert Szola schon einmal an den saisonalen Faktor ab Mai, der statistisch eher für nachlassende Kurse spreche.

Eine negative Weichenstellung mit rückläufigen Notierungen würde erfolgen, sofern das Aktienbarometer Schwäche zeige und unter die nächste Unterstützungszone um 12.200 Punkte rutsche. In diesem Fall werde mit großer Wahrscheinlichkeit auch die noch offene Kurslücke vom 4. auf den 5. April geschlossen, die derzeit noch zwischen 12.011 und 12.135 Punkten klaffe. Darunter lägen die nächsten Haltebereiche um 12.000 sowie 11.800 Zähler.

Kein Grund zur Euphorie  

Christoph Geyer warnt davor, sich die aktuelle Lage schönzureden. Sowohl der DAX als auch der Dow Jones Industrial hätten für sich genommen zwar positive Signale generiert. Bei näherer Betrachtung kämen diese aber mit Schönheitsfehlern. "Die technische Lage ist weiterhin angespannt", urteilt der Charttechniker. Kurzfristig bestehe die Gefahr erneuter Rücksetzer. Auf lange Sicht habe der DAX es immerhin vermeiden können, den bestehenden Aufwärtstrend zu brechen. "Auch wenn die Gefahr noch nicht gebannt ist, hat sich die Situation doch deutlich stabilisiert." Die Divergenz beim MACD-Indikator sei zwar noch intakt, der Indikator habe aber das Kaufsignal des Stochastik-Indikators bestätigt. Das Schlimmste sei damit vorerst abgewendet.

GeyerGeyer  

Neue Sanktionen schmerzen

Mit den jüngsten Sanktionen versetzt die USA der russischen Wirtschaft nach Ansicht von Robert Halver einen sehr empfindlichen Tiefschlag, der die Kreditwürdigkeit Russlands nachhaltig gefährde. Die bisherige Praxis der USA, von wirklich harten Strafen gegen Russland abzusehen, ist nach Ansicht des Baader Bank-Analysten damit beendet.

Sinkende Steuereinnahmen der von Sanktionen betroffenen Unternehmen und damit zu erwartende geringere Investitionsbereitschaft sei nur eine Seite der Medaille. Die Staatsausgaben zur Stützung der ohnehin schwachen russischen Wirtschaft würden aller Voraussicht nach steigen. Höhere Importpreise führten wiederum zu einer Beschleunigung der Inflation des Landes, gleichzeitig werde der Rubel weiter an Kraft verlieren. Zudem mangele es an Absatzmöglichkeiten für russische Staatspapiere.

Konkret müssten US-Investoren bis zum 7. Mai ihr Anlagegeld aus allen russischen Firmen abziehen, deren Entscheidungsträger eng mit der Kreml-Führung verbunden sind. Diese Putin-freundlichen Oligarchen kontrollierten volkswirtschaftlich bedeutende Unternehmen im Energie-, Fahrzeug- und Rüstungssektor. "Da US-amerikanische Investoren zusätzlich auch keine Aktien oder Zinspapiere der betroffenen russischen Firmen mehr besitzen oder neu erwerben dürfen, sind russische Unternehmen de facto vom attraktiven US-Kapitalmarkt verbannt." Immerhin seien ausländische Anleger mit rund 230 Milliarden US-Dollar in Russland investiert. "Würden nur knapp 15 Prozent der ausländischen Investitionen abgezogen, wäre die russische Leistungsbilanz negativ."

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag, 17. April

4:00 Uhr. China: Bruttoinlandsprodukt erstes Quartal. Die chinesische Wirtschaft ist der DekaBank zufolge mit einem erwarteten BIP-Wachstum von 6,8 Prozent gut in das neue Jahr gestartet. Im Vergleich zu den Quartalen zuvor entspreche das einer unveränderten Dynamik. Das jährliche Wachstum der Industrieproduktion sei im März auf 6,5 Prozent gefallen. Diese Entwicklung bezeichnet die DekaBank als Normalisierung, nachdem in den ersten beiden Monaten der Zuwachs bei hohen 7,2 Prozent gelegen habe. Auch beim Einzelhandelsumsatz sei die Bewegung mit 9,5 Prozent leicht rückläufig. Insgesamt zeichne sich die Wirtschaftsentwicklung nach wie vor durch eine hohe Stabilität aus, die durch den sich verschärfenden Handelskonflikt mit den USA nicht ernsthaft gefährdet sei.

11:00 Uhr. Deutschland: ZEW-Indikator April. Man muss laut DekaBank schon in die Hochzeit der Euro-Schuldenkrise zurückblicken, um eine Phase zu finden, in der die Konjunkturindikatoren in Europa so stark enttäuscht haben wie aktuell. Nach dem deutlichen Rückgang in der sentix-Umfrage erwarten die Analysten des Geldhauses für Deutschland eine weitere Korrektur der ZEW-Indikatoren und sehen darin ein Zurück zu mehr Realitätssinn. Vor allem schockten die unerklärlich schwachen "harten" Konjunkturindikatoren wie Außenhandel oder Einzelhandelsumsatz. Zusammen mit den Streitigkeiten um Strafzölle zwischen den USA und China sei dies der Stoff, aus dem sinkende Konjunkturerwartungen gemacht würden. 

Von: Iris Merker 
16. April 2018, © Deutsche Börse AG Disclaimer Inhalte des Onlineangebots Die hierin enthaltenen Angaben und Mitteilungen sind ausschließlich zur Information bestimmt. Keine der hierin enthaltenen Informationen begründet ein Angebot zum Verkauf oder die Werbung von Angeboten zum Kauf eines Terminkontraktes, eines Wertpapiers oder einer Option, die zum Handel an der Eurex Deutschland oder der FWB® Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen sind oder eines sonstigen Terminkontraktes, einer Emission oder eines hierin erläuterten Produktes. 

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