Holt sie euch!



09:32 21.04.18

Als man an der Börse noch miteinander sprach, war es völlig normal, sich zu duzen. Da hieß es dann „5.000 Stück an dich!“ Und „5.000 von dir!“ Das war schön. Doch wenn mich irgendein Fatzke auf der Straße duzen würde, dann würde er sich aber mächtig eine einfangen. (Einfangen im Merkelschen Sinne natürlich, wenn Sie wissen, was ich meine.)

Neulich hat man mich jedoch sogar auf der Packung meines Matjes-Herings geduzt: „Schick uns dein eigenes Rezept und wir drucken es auf der Verpackung ab.“ Was für eine unglaubliche Unverschämtheit.

Natürlich ich weiß ich, dass die Werbung heute ihrer Kundschaft auch sprachlich entgegenkommen muss. Doch es war mir neu, dass die Zielgruppe der Matjes-Konsumenten 13- bis 16-jährige Mädchens sind. Doch was es nicht alles gibt: Holt sie euch, die geilen Fische.

Ein Glück, dass ich davon nur so wenig mitbekomme.

Es gibt aber auch noch einen anderen Kontext. Neulich hat, glaube ich, eine Frau vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt, weil sie sich von ihrer Bank bei der Anrede „Lieber Kunde“ als Frau missachtet sah. Da ich keine Frau bin, weiß ich nicht, wie tief die Schmach hier steckt.

Ich habe mich jedoch richtig diskriminiert gefühlt, als ich auf der Internetseite der Zeitung „Die Welt“ unterwegs war und einen Artikel mit einem gravierenden Rechenfehler gefunden habe. Daraufhin habe ich einen Kommentar geschrieben, der jedoch nicht veröffentlicht wurde. Und noch einen, der ebenfalls nicht auf die Seite kam.

(Später habe ich erfahren, dass man mich wirklich zensiert hat. Wie albern und lächerlich, doch ich meine hier etwas anderes.) Da auch anderen Lesern das aufgefallen ist und sie geschrieben hatten, meldete sich irgendwann der Adminstrator der Seite mit den Worten: Liebe Leserinnen!



Das hat für mich das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich habe daraufhin mein Abonnement gekündigt. Und jetzt kommt der Clou: Kurz vor Ablauf bekomme ich von der Zeitung das Angebot, meine Kündigung zurückzunehmen und für einen Betrag von 20 Prozent weniger weiterzubeziehen.

Das habe ich gemacht. Die 2 Euro, die ich jetzt monatlich spare, merken zwar weder ich noch „Die Welt“, doch ich freue mich jedes Mal, wenn ich dort meine Seiten aufrufe. So klein die Strafe manchmal auch ausfällt, die Genugtuung kann dadurch nicht verhindert werden.

Und jetzt: Holt sie euch, eure Pleite, wenn ihr mit eurer Printausgabe komplett stiften geht.


Bernd Niquet


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Über den Autor
 
Autor: Bernd Niquet Bernd Niquet,
Autor

Bernd Niquet ist promovierter Volkswirt und schreibt Börsenkolumnen und Bücher


In tiefsten Schichten. Teil II der Reihe: Wichtige und bisher liegengebliebene Themen und Fragestellungen

Das neue Buch von Bernd Niquet:
IN TIEFSTEN SCHICHTEN, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2015, 327 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-95744-926-9.

Hier bestellen:
http://www.engelsdorfer-verlag.de/db/werkdetail.php?autor_id=1067&werk_id=4307


Beschreibung:
"Wenn ich mein Projekt, Entwicklungsprozesse einmal in Gänze und in allen Facetten darzustellen, tatsächlich erfolgreich abschließen will, darf ich jetzt nicht mehr haltmachen. Auch wenn es wehtut."

Bernd Niquet wurde 1956 in Berlin geboren und lebt noch immer dort. Im Rahmen der Serie »Wichtige und bisher liegengebliebene Themen und Fragestellungen« ist von ihm bereits als Band 1 »Die bewusst herbeigeführte Naivität« erschienen.

Warnung:
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker. Das Buch ist sehr speziell. Es ist kein Wirtschaftsbuch, sondern eher ein Versatzstück zu "Jenseits des Geldes". Wenn der Arzt oder der Apotheker ratlos sind, fragen Sie direkt beim Autor an:
berndniquet@t-online.de


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