Ende der Korrektur?



12:45 26.04.18



 
Charttechnische Bestandsaufnahme der Märkte
Sehen, was ist Um es gleich vorwegzunehmen, mit Charts kann man nicht in die Zukunft sehen. Aber sie sind ein hervorragendes Instrument für eine Bestandsaufnahme der bisherigen Entwicklung von Angebot und Nachfrage. Warum die Vergangenheit für eine Anlageentscheidung wichtig sein soll erschließt sich dennoch nicht auf den ersten Blick. Wäre die Entwicklung zufällig („Random Walk“), dann wäre die Betrachtung vergangener Kurse tatsächlich in etwa so sinnvoll, wie die Analyse vergangener Lottozahlen. Jedoch sind an den Märkten immer wieder Trends und auch Trendumkehren zu beobachten, und da tun wir uns schwer, darin nur das Wirken einer rein zufälligen Abfolge von Kauf- und Verkaufsentscheidungen voneinander unabhängig agierender Anleger zu sehen. Gewiss, den Aspekt des Zufalls gibt es auch, aber eben nicht ausschließlich. Unabhängig voneinander agieren die Anleger schon deshalb nicht, weil alle die gleiche Kursinformationen und im Wesentlichen auch die gleichen Nachrichten erhalten. Dennoch reagieren nicht alle auf die gleiche Weise, denn zwischen dem Input von Nachrichten oder Kursen auf der einen Seite und dem Output von Handelsentscheidungen auf der anderen finden Informationsverarbeitungsprozesse statt, die eben nicht gleichgerichtet sind. Das Bild von der „Selbsterfüllenden Prophezeiung“ greift also zu kurz. Selbst wenn Anleger reine Reiz-Reaktions-Automaten wären, reagieren sie doch immer noch unterschiedlich. Ansonsten würde es mit dem Börsenhandel auch einigermaßen schwierig.
Mehr als tausend Worte Zwar kann man auch ohne einen Blick auf Charts zu guten Anlageentscheidungen kommen, aber das was in Charts zu sehen ist, hat ganz grundsätzlich eine andere Qualität als das, was ein Analyst, oder auch ein Journalist schreibt. Ein Chart ist die Aufzeichnung erfolgter Transaktionen. Da haben Menschen Geld in die Hand genommen und dieses Geld im Sinne ihrer Entscheidung eingesetzt. Sie haben, wie es der bekannte Buchautor Nassim Taleb in seinem neuesten Werk beschreibt „Skin in the game“, sie riskieren also ihre eigene Haut. Und das hat in der Tat eine vollkommen andere Qualität als ein paar schöne Worte im Börsenbericht. Abgesehen davon weiß ja bereits der Volksmund, dass ein Bild oft mehr als tausend Worte sagt. Gehen wir also „in medias res“.


Schmerzen in der Schulter

Für deutsche Aktienanleger ist naturgemäß meist der DAX von großem Interesse. Dieser hatte in den vergangenen Wochen einen eindrucksvollen Zwischenspurt um knapp 1.000 Punkte von seinem Zwischentief bei rund 11.720 Punkten hingelegt. Bei ca. 12.650 Punkten war denn jedoch Schluss. Auf diesem Niveau verlief übrigens auch die viel beachtete 200-Tage-Linie (vgl. Abb. rote Linie). Nachdem sich die Anleger hier zweimal hintereinander die Zähne ausgebissen hatten, gaben sie erst einmal klein bei. Die Schwächeneigung der letzten Tage ist vor dem Hintergrund des übergeordneten Bildes nicht wirklich überraschend. Demnach waren die knapp 1.000 Aufwärtspunkte nämlich lediglich eine technische Reaktion auf den vorangegangenen Abwärtsimpuls, die nun ausgelaufen ist. Denn noch immer befindet sich der DAX in einer Formation, die sich in der Rückschau einmal als eine große Schulter-Kopf-Schulter-Umkehrformation (SKS) herausstellen könnte (vgl. Abb., schwarze Markierungen). Noch ist es aber nicht so weit: Die Nackenlinie (schwarz) wurde bislang nicht nachhaltig durchbrochen und der Aufwärtstrend (grün) ist noch immer intakt. Wir registrieren bislang nur eine gewisse Schwächeneigung und eine veränderte Charakteristik des Marktes im Vergleich zu den vorangegangenen Hausse-Jahren. Ob sich letztlich konkret eine SKS-Formation herausbilden wird, können wir natürlich nicht sagen, aber es riecht nach einer Distributionsphase. Und eine solche Distribution bildet das Gegenstück zur Akkumulation, bei der das „smart money“ Aktien nach einem Ausverkauf regelmäßig zu Tiefstkursen einsammelt (akkumuliert), um diese dann während der anschließenden Hausse zu halten. Sowohl von der zeitlichen Ausdehnung der zurückliegenden Hausse als auch von der Ausprägung der Kursgewinne, wäre es nicht überraschend, wenn sich das „smart money“ nun temporär aus dem Markt zurückziehen sollte, um die Stücke später beim breiten Publikum wieder einzusammeln – zu deutlich niedrigeren Kursen.

Während wir uns also beim DAX noch in der rechten Schulter einer mutmaßlichen SKS-Formation befinden – und uns dort durchaus noch ein Weilchen aufhalten können –, wurde diese Formation bei einigen europäischen Dauerläufer-Aktien bereits „erfolgreich“, und das heißt nach unten, abgeschlossen. Welche das sind, lesen Sie im neuen Smart Investor 5/2018, der gestern Abend in Druck gegangen ist und zum Wochenende erscheint.

Stotternde Technologie

Ebenfalls ein Index, der großes, eigentlich sogar noch ein viel größeres Anlegerinteresse auf sich zieht, ist der NASDAQ100. Da ist alles vertreten, was in der US-Technologieszene Rang und Namen hat bzw. für den einen oder anderen Skandal gut ist. Da schafft es allerdings lange nicht jeder zu einer eigenen Senatsanhörung, wie zuletzt Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Hier soll es aber ebenfalls um die technische Situation der US-Technologie-Blue-Chips gehen. Zuletzt wurde auch der NASDAQ100 von stärkeren Schwankungen gebeutelt. Nicht nur, dass es seit Januar 2018 nicht mehr nennenswert und schon gar nicht mehr im zuvor gewohnten Tempo vorangeht, die Schwankungsbreite des Marktes hat seitdem erheblich zugenommen. Zwischen den charakteristischen Hochs und Tiefs des laufenden Jahres liegen jeweils Niveauunterschiede von rund 10%. Zynisch könnte man anmerken, dass die Anleger wenigstens etwas Nervenkitzel für ihr Geld bekommen haben. Andererseits ist die technische Verfassung des NASDAQ100 derzeit noch deutlich besser als die des DAX. Am leichtesten kann man dies an der 200-Tage-Linie ablesen, die weiterhin klar aufwärtsgerichtet ist. Zudem verläuft der Kurs oberhalb dieses wichtigen Durchschnitts. Auch der Aufwärtstrend (vgl. Abb., grüne Linie) liegt noch ein gutes Stück vom Kurs entfernt und ist derzeit nicht akut gefährdet. Betrachtet man den Aufwärtstrend der letzten Jahre zudem etwas genauer, dann stellt man fest, dass die starken Trendphasen immer wieder von Phasen erhöhter Volatilität unterbrochen wurden (vgl. Abb. gelbe Markierungen). Letztlich setzte sich der Aufwärtstrend nach solchen Unsicherheitsphasen aber stets wieder durch. Die aktuelle Unsicherheitsphase ist bei Betrachtung der Verteilung sogar fast schon überfällig gewesen. Sie alleine ist also kein Grund zur Besorgnis. Allerdings muss man an dieser Stelle auch festhalten, dass der Reifegrad des Trends doch ganz erheblich ist und die Bewertungen mancher Unternehmen der Wirklichkeit weit vorausgeeilt sind. Zudem lehrt die Erfahrung, dass noch jeder Trend irgendwann endet, ein Tag der unaufhaltsam näher rückt. Ob es allerdings diesmal schon so weit sein wird, lässt sich anhand des Chartbilds aktuell nicht mit Bestimmtheit sagen. Wachsamkeit war jedoch noch nie ein Fehler, an den Märkten schon gar nicht.

Heimliche Bodenbildung

Die große Enttäuschung des abgelaufenen Jahres war die Kursentwicklung des US-Dollar. Während zu Jahresanfang 2017 mit vielen guten Argumenten ein Wiedererstarken der amerikanischen Währung für wahrscheinlich gehalten wurde, trat das genaue Gegenteil ein. Offenbar helfen die besten Argumente wenig, wenn es sich um einen „crowded trade“ handelt, also einen, in dem bereits mehr Marktteilnehmer engagiert sind, als einem ordentlichen Trend zuträglich sein kann. Und während sich die Händler im Laufe des Jahres nach und nach von der Idee eines starken Dollars verabschiedeten, machte die US-Devise wiederum, was sie wollte – sie stabilisierte sich. Vorangegangene Enttäuschungen sind ein ziemlich guter Nährboden für eine positive Entwicklung. Und da bei Währungen immer auch mindestens eine große Theorie im Markt ist, warum es nur auf- bzw. abwärts gehen kann, sollte man auf diese Theorien nicht allzu viel geben und stattdessen lieber beobachten, was tatsächlich passiert. Und das wiederum sieht man im Chart. Dort kann man sich seine Arbeitshypothese bilden, die schlimmstenfalls von der weiteren Kursentwicklung widerlegt wird. In jedem Fall trennt man sich von einer solchen Hypothese regelmäßig leichteren Herzens als von einer großen Theorie. Im US-Dollar könnte sich an die laufende Bodenbildung gegenüber dem Euro tatsächlich ein Ausbruchsversuch anschließen. Das würde zumindest all jene überraschen, deren große Theorie darin besteht, dass US-Präsident Trump einen schwachen Dollar als Waffe im Handelskonflikt instrumentalisiert. Für Goldanleger wäre eine neue Dollar-Stärke allerdings ein Wermutstropfen: Während das gelbe Metall im vergangenen Jahr nicht wirklich von der Dollarschwäche profitieren konnte, steht zu befürchten, dass Gold aufgrund des bekannten Antagonismus zwischen Gold und Dollar dann Gegenwind bekäme.

Musterdepot Aktien & Fonds

Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage berichten wir heute über einen neuen Kauf. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Über besseres Geld

Noch einmal dürfen wir Ihnen die 9. Mark Banco Anlegertagung am 2. Juni 2018 ans Herz legen. Das Institut für Austrian Asset Management (IfAAM) lädt dieses Jahr unter dem Motto „Auf der Suche nach dem besseren Geld – Von der Mark Banco bis zu Krypto“ ins Museum für Hamburgische Geschichte nach Hamburg ein. Nutzen Sie die Gelegenheit und lassen Sie sich aus erster Hand von namhaften Experten über Alternativen zum heutigen Fiat-Money-System informieren. Diese Informationen können Ihrer finanziellen Gesundheit schon in wenigen Jahren höchst zuträglich sein. Den Flyer zur Veranstaltung finden Sie im Übrigen hier. Und da wir die Suche nach besserem Geld aus voller Überzeugung unterstützen, sind wir bei dieser Veranstaltung auch Kooperationspartner des IfAAM. Für Sie heißt das konkret, dass sie als Abonnent des Smart-Investor-Magazins im Rahmen des „Friends & Family“-Programm einen satten Rabatt von 50 EUR erhalten. Zudem wird SI-Chefredakteur Ralf Flierl wieder zum Gedankenaustausch mit Ihnen vor Ort sein.
Nähere Informationen zur Veranstaltung und das Anmeldeformular finden Sie hier.

Fazit

Unsere heutige Chart-Durchsicht zeigt insbesondere beim DAX ein negatives Bild. Der NASDAQ100 erscheint trotz der jüngsten Kursturbulenzen robuster.

Ralph Malisch, Ralf Flierl

       

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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