US-Auslandsverschuldung, Dollar, Zinsen



08:05 25.06.18

Der Anteil der von Ausländern gehaltenen amerikanischen Staatsschulden
nimmt seit Mitte der 1980er Jahre zu – er hat sich seitdem von 11% auf
in der Spitze 34% verdreifacht. Seit Mitte 2014 befindet er sich auf dem
Rückzug, aktuell werden 30% erreicht.
Über die gesamte Zeit gesehen, gibt es eine inverse Beziehung dieser
Zeitreihe zur Rendite der zehnjährigen TNotes. Phasenweise ist sie
ausgeprägter, es gibt aber auch Episoden wie etwa vor 2000, in denen
diese Beziehung nicht gilt. Seit Mitte 2016 steigt die Rendite, während
die relative Auslandsverschuldung sinkt (siehe Chart!).


Nicht ganz so eindeutig ist das Verhältnis zwischen dem Anteil der von
Ausländern gehaltenen amerikanischen Staatsschulden zur Entwicklung der
amerikanischen Handelsbilanz. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre gab
es eine Phase gegenläufiger Entwicklung der beiden Zeitreihen, ebenso
zwischen 2000 und 2006, sowie zwischen und Mitte 2009 und Mitte 2012.
Mit „gegenläufig“ ist in diesem Fall gemeint, dass die erste Zeitreihe
zunimmt und die zweite mit einer gleichzeitigen Abnahme anzeigt, dass
die Güterimporte gegenüber den Exporten ansteigen. Seit 2015 nehmen
beide Zeitreihen ab – die Auslandverschuldung reduziert sich relativ zur
Gesamtverschuldung und der Importüberschuss nimmt zu. Seit Herbst 2014
reduziert die VR China ihre hauptsächlich in Dollar gehaltenen
Devisenreserven.


Aufgrund der Entwicklung der chinesischen Devisenreserven seit Anfang
der 2000er Jahre ist davon auszugehen, dass ein bedeutender Teil der in
ausländischer Hand befindlichen amerikanischen Staatsschulden in China
liegt. Käufe bewirken, dass die Menge umlaufender Dollars sinkt, der
Dollar wird gestützt. Insgesamt hat China damit seine Exportwirtschaft
gefördert. Phasen besonders ausgeprägter Währungsmanipulation gab es
demnach wohl dann, wenn das Handelbilanzdefizit abnahm und gleichzeitig
der Auslands-Anteil bei den Staatsschulden zunahm. Das war zwischen Ende
2006 und Mitte 2009, sowie 2012 und 2013 der Fall.


Werden amerikanische Staatsschulden verkauft, steigt die Menge
umlaufender Dollars. Das drückt den Dollar cet. par. Es hängt von vielen
anderen Faktoren ab, ob er dadurch letztlich sinkt oder etwaige Stärke,
etwa durch anderweitige Nachfrage, abgebremst wird. Die chinesischen
Verkäufe von US-Staatsanleihen dürften zur Schwäche des Dollar seit 2017
beigetragen haben.


Dollar-Schwäche dürfte der Trump-Administration handelspolitisch gelegen


kommen, weil es Importe verteuert und so die Handelsbilanz verbessert.
Finanzpolitisch wäre das ebenfalls willkommen, wenn es andere Länder
veranlasst, im Interesse ihrer Exportwirtschaft amerikanische
Staatsanleihen zu kaufen, um den Dollar zu stärken. Dies übt
(willkommenen) Druck auf die langfristige Rendite aus. Hierüber wird ein
schwächerer Dollar (im großen und ganzen) zu Recht mit einem positiven
Signal für Wirtschaft und Aktien in Verbindung gebracht.


Insofern befindet sich der aus Euro, Yen, britischem Pfund, kanadischem
Dollar, schwedischer Krone und schweizer Franken gebildete Dollar-Index
an einem kritischen Punkt. Er hat in der zurückliegenden Woche eine seit
Januar 2017 etablierte Abwärtslinie attackiert und knapp überwunden. Am
gestrigen Freitag zog sich der Index wieder genau auf diese Linie zurück
(siehe Chart!).


Sollte diese Linie zukünftig Support bieten, wäre das ein eher
ungünstiges Omen für die Finanzmärkte. Es signalisiert in der aktuellen
Situation, dass die Trump-Administration nicht mehr unbedingt Herr des
wirtschaftlichen Geschehens ist – wenn vagabundierende Dollars die
Heimreise antreten, ist das ein Zeichen mangelnden Vertrauens in die
Adminstration, die Wirtschaft am laufen zu halten. Dazu zählt auch, dass
von einem festeren Dollar aktuell eher das Signal steigender Renditen
ausgeht (s.o.) – angesichts der hohen Unternehmensschulden und
anstehenden Refinanzierungen besonders schwerwiegend (siehe hier und
hier!). Auch der Zusammenhang zwischen Dollar und Inflation ist von
Bedeutung. Nicht zuletzt hatte die Trump-Administration des öfteren
betont, dass ihr Dollar-Schwäche willkommen ist.


Mit weiterer Dollar-Stärke stünde dann allerdings auch das hier
skizzierte langfristige Szenario auf dem Prüfstand, das von einer
mehrere Jahre anhaltenden Phase von Dollar-Schwäche ausgeht. So weit ist
es noch nicht – die nächsten zwei, drei Wochen werden Klarheit bringen.
Wichtiges Datum in diesem Zusammenhang ist der 6. Juli, dann sollen
weitere amerikanische Strafzölle gegen China in Kraft treten.


Erwähnte Charts, weiterführende Verweise und Quellenangaben können hier
eingesehen werden:
http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2018/06/23/us-auslandsverschuldung-dollar-zinsen/




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Über den Autor
 
Autor: Klaus Singer Klaus Singer,
TimePatternAnalysis

Klaus Singer betreibt mit "TimePatternAnalysis" ein Diagnose- und Prognosesystem, das u.a. auf dem von der mathematischen Chaostheorie formulierten Konzept der Selbstähnlichkeit beruht. Es steuert den Handel von Derivaten und ETFs. Für das übergeordnete Bild wertet er die Verläufe von Makrodaten und Intermarket-Beziehungen aus. Die Ergebnisse werden laufend auf www.timepatternanalysis.de aktualisiert

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