Disneys entscheidender Schlag gegen Netflix



12:02 12.07.18

Walt Disney hat, wie viele andere Medien-Unternehmen auch, die eigene Digitale Transformation verschlafen. Der Konzern steht mittlerweile unter enormen Zugzwang. Die Aktie kommt seit Jahren nicht vom Fleck. 

Der Streaming-Anbieter und einstige Partner Netflix wurde zu einer Bedrohung, die man mit einer milliardenschweren Übernahme in die Schranken weisen will.

tv-fernbedienung-entertainment 

Der weltweite Medienmarkt erlebt derzeit den wohl größten Umbruch seit der Erfindung des Fernsehens. Insbesondere in der TV-Industrie bleibt aufgrund des „Cord-Cutting“-Trends kaum ein Stein auf dem anderen: Vor allem in den USA kündigen immer mehr US-Bürger ihre teuren TV-Verträge bei ihren Kabelanbietern wie Comcast und steigen auf Video-On-Demand-Alternativen im Internet um.

Neue Player wie Netflix, Amazon Prime oder Hulu haben sich mit innovativen digitalen Geschäftsmodellen innerhalb weniger Jahre am Markt etabliert. Viele traditionelle Unternehmen aus der klassischen TV-Industrie wie Fernsehsender oder Kabelnetzprovider stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie haben durchaus berechtigte Existenzängste, da ihre Geschäftsmodelle im Zeitalter des Internet-Connected-TV nicht mehr funktionieren. 

Der schlafende Riese ...

Die Walt Disney Company hat, wie viele andere Medien-Unternehmen auch, ihre eigene Digitale Transformation zunächst verschlafen und ist dadurch mittlerweile zunehmend unter Zugzwang geraten. Zwar hat sich der breit aufgestellte Konzern auch in den vergangenen Jahren insgesamt zufriedenstellend entwickelt. Das liegt allerdings vor allem an den gut laufenden Disney-Freizeitparks und dem stabilen Filmgeschäft. Denn dort werden vor allem in den Star Wars-, Marvel- und Pixar-Studios immer neue Blockbuster erschaffen.

Demgegenüber kämpft der größte und wichtigste Disney-Geschäftsbereich Media Networks mit rückläufigen Umsätzen. Das liegt vor allem am „Cord-Cutting“-Trend, der auch das zu Disney gehörende PayTV-Sportangebot von ESPN massiv trifft. Dieses war jahrelang eine der wichtigsten Cash-Cows des Konzerns. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Aktienkurs von Disney seit drei Jahren nicht von der Stelle kommt.



Walt-Disney-Aktie

... erwacht und die Partnerschaft mit Netflix zerbricht

Disney war in den vergangenen Jahren durchaus partnerschaftlich mit Netflix verbunden. Die Filme rund um die Marvel- und Star Wars-Superhelden aus dem Disney-Universum gehören zu den beliebtesten Filmen auf Netflix überhaupt. Disney hat mit dieser Content-Partnerschaft nicht unerheblich dazu beigetragen, dass Netflix so schnell so erfolgreich werden konnte.

Mittlerweile aber ist Disney aufgewacht und hat Netflix als Bedrohung erkannt. Der Medienriese macht nun Ernst mit seiner eigenen Digitalisierung. Die Partnerverträge mit Netflix sind gekündigt und ab 2019 wird Netflix keine Disney- und Pixar-Filme mehr anbieten können.

Stattdessen laufen bei Disney die Vorbereitungen auf Hochtouren, um den Content ab 2019 mit eigenen Streaming-Angeboten digital und direkt zu vermarkten. Für den Disney-Konzern ist dieser Schritt viel mehr als nur ein neues Produktangebot. Das eigene Geschäftsmodell wird dadurch radikal verändert. Bisher wird Disney von den Kabelnetzbetreibern und anderen Partnern wie Netflix indirekt pro Abonnent bezahlt. Zukünftig steigt das Unternehmen hingegen im großen Stil ins direkte Endkundengeschäft ein. Das zieht natürlich erhebliche Konsequenzen für bestehende Partnerschaften und massive Verschiebungen von Umsatzströmen nach sich.

Es ist daher zu erwarten, dass Disney ab 2019 der vielleicht schärfste Wettbewerber von Netflix sein wird, die ja ihrerseits die eigene Zukunft mehr und mehr in Eigenproduktionen sehen. „Content is King“ im Mediengeschäft und letztendlich wird sich der Anbieter mit dem besten Programmangebot die größten Marktanteile sichern können.

Die Übernahmeschlacht um Fox Entertainment

In diesem Zusammenhang ist der Versuch von Disney zu sehen, große Teile des Medien-Riesen Fox Entertainment zu erwerben. Konkret geht es unter anderem um Markenrechte an „X-Men“, „Avatar“ und „The Simpsons“ sowie vor allem auch um den direkten Zugang zu den mehr als 20 Millionen Abonnenten von Hulu. Denn der Video-Streaming-Anbieter würde nach dem geplanten Deal mit Fox mehrheitlich zu Disney gehören.

Die Übernahme der Fox-Assets durch Disney wäre sicherlich ein kluger Schachzug, um die Überlegenheit des eigenen Contents gegenüber allen anderen Konkurrenten inklusive Netflix weiter auszubauen. Aber es ist noch längst nicht sicher, ob es überhaupt zu diesem Deal kommen wird.  

Zwar wird die Übernahme auch von Fox-Großaktionär Rupert Murdoch befürwortet, der damit zum einflussreichen Disney-Aktionär werden würde, aber der Kabelnetzbetreiber Comcast zeigt ebenfalls Interesse an den Fox-Assets. Es tobt eine regelrechte Übernahmeschlacht. Disney hat das Gegenangebot von Comcast und damit auch das eigene Erstangebot mittlerweile deutlich überboten. Zur Debatte stehen 38 Dollar pro Fox-Aktie, bestehend aus Disney-Aktien mit einer Option auf einen Cash-Anteil.

Insgesamt geht es bei dem Deal jetzt um einen Wert von 71 Milliarden US-Dollar. Für Disney mit seiner starken Bilanz und einer Marktkapitalisierung von aktuell 155 Milliarden Dollar ist das gut zu stemmen. Ich halte die mögliche Akquisition trotz des hohen Preises für eine vernünftige strategische Investition, die sich langfristig auszahlen dürfte.

Schwere Zeiten für Netflix

Ich bin sehr optimistisch, dass Disney bei der Übernahme von Fox zum Zug kommen wird. Nicht zuletzt weil Comcast sich bei einer weiteren Erhöhung seines Angebotes durchaus finanziell übernehmen könnte. Außerdem dürfte Rupert Murdoch wohl auch aus steuerlichen Gründen lieber Disney-Aktien als Cash sehen. Comcast wird letztendlich wohl das Nachsehen haben und sich nach anderen Übernahmezielen umsehen müssen. Und auf Netflix werden mit Disney als sehr ernstzunehmendem Wettbewerber schwere Zeiten zukommen.


Stefan Waldhauser ist wikifolio-Trader und betreut als „stwBoerse“ die beiden wikifolios „High-Tech Stock Picking“ sowie „Stock Picking nach Peter Lynch“. Außerdem betreibt er unter high-tech-investing.deseinen eigenen Tech-Blog. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen seiner wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung.



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