Apple, Daimler, BMW - Zykliker an der Spitze



09:48 14.08.18



Trotz einiger Vorwürfe wie Steuervermeidung, Wettbewerbsunterdrückung oder Untergraben der Demokratie können die großen US-Unternehmen wie Apple weiterhin große Gewinne verbuchen. Der jüngste Billionen-Rekord sorgte insbesondere bei Apple für Zuversicht. Aber auch andere Zykliker weisen ein solides Gewinnwachstum auf. Und so kommt der Abgasskandal Unternehmen wie Daimler, Volkswagen und BMW nicht so sehr zu Schaden wie es vielleicht bei Bekanntwerden der Horrornachricht vermutet wurde. Der Daimler Capped-Bonus TR39J3 ist mit knapp 10 Prozent Bonusrendite einen Blick wert.

In unserem ersten Teil Tesla, Wirecard, S&P 500 – Turbulenzen reißen nicht ab  aus der Analyse der J. P. Morgan Experten berichteten wir bereits über die Situation in der Politik und bei den Fundamentaldaten, in diesem Teil wollen wir uns anschauen wie die Zykliker in der aktuellen Situation performen:

Wohin mit all dem Geld?

Nach den Steuerzahlungen auf Auslandsgewinne Ende des letzten Jahres kam es Anfang 2018 zu ersten Anzeichen von Rückführungen. Ein Hindernis für die Berechnung der tatsächlich in die USA repatriierten Barmittel ist, dass die meisten Unternehmen ihre Barmittelbestände nicht nach Regionen ausweisen. Dessen ungeachtet bringen Daten über die Zahlungsbilanzen diesbezüglich etwas Licht ins Dunkel. Die Eigenkapitalrendite (oder die Gewinne) ausländischer Tochtergesellschaften besteht in der Regel aus Barmitteln, die in Form von Dividenden an die US-Muttergesellschaft rückgeführt werden, und einem Anteil, der in die ausländische Tochtergesellschaft reinvestiert wird. Wenn der Wert der Dividenden über den Gewinnen des aktuellen Berichtszeitraum liegt (wie im ersten Quartal) spricht dies für eine Kapitalrückführung. Nach unseren Berechnungen repatriierten US-Unternehmen im ersten Quartal 2018 rund 200 Mrd. USD.

Zykliker an der Spitze

Die zyklischen Sektoren erleben einmal mehr eine solide Gewinnsaison. Finanzwerte profitieren von der Steuerreform, höheren Zinsen, einer stabilen Kreditvergabe und einer starken Aktivität bei den Börsengängen und Fusionen & Akquisitionen (M&A, Mergers & Acquisitions). Allerdings fallen die Daten zu den Kapitalmarkterträgen gemischt aus. Darüber hinaus mussten die Vorhaben einiger Banken in Bezug auf Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe auf Eis gelegt werden, da sie bei den Stresstests der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) durchfielen. Einige Finanzinstitute haben zusätzlich erwähnt, dass sich neben etwaigen Vorhaben in Bezug auf Dividendenausschüttungen und Aktienrückäufe außerdem die Investitionsausgaben beschleunigen dürften, da sie ihre Kommunikationsinfrastruktur und sonstige Technologieausstattung modernisieren.

Wichtig ist, dass scheinbar der Großteil dieser Barmittel in US-Dollar gehalten wird, was die Auswirkungen auf die Währung gering erscheinen lässt, da dieses Geld ja in die Vereinigten Staaten zurückgeführt wird.

Dieses Umfeld einer robusten Rentabilität im Verbund mit anhaltenden Rückführungen von ausländischen Gewinnen veranlasst zu der Frage, wie all diese Mittel künftig eingesetzt werden. Zwar gibt es erste Anzeichen dafür, dass ein Teil davon für strategische Vorhaben in Form von Investitionsausgaben eingesetzt wird. Wir gehen jedoch weiterhin davon aus, dass der Großteil dieser Gelder für Aktienrückkäufe, Dividenden und Fusionen & Akquisitionen ausgegeben werden dürfte.



In der Vergangenheit haben die Investitionsausgaben mit Verzögerung auf Gewinnwachstum reagiert: Bei zunehmendem Gewinnwachstum werden die Unternehmen in Bezug auf den Nachfrageausblick zuversichtlicher und erhöhen in der Folge ihre Investitionsausgaben, um dieser erwarteten Nachfrage gerecht zu werden. Während das Gewinnwachstum recht stark ausfällt, was auf einen möglicherweise unmittelbar bevorstehenden Anstieg der Investitionsausgaben schließen lässt, bestehen auch negative politische Kräfte als Gegengewicht. Der Konjunkturbericht (Beige Book) der Fed – mit allgemeinen Informationen über das Geschäftsumfeld in den USA – erwähnte Strafzölle oder die Handelspolitik in der Ausgabe des Monats Juli ganze 51 Mal, gegenüber lediglich drei Bezugnahmen auf eine handelsbezogene Unsicherheit im März, als erstmals Handelszölle angekündigt wurden. Als solches scheint es trotz vereinzelt gestiegener Investitionsausgaben angemessen zu sein, davon auszugehen, dass die Handelsspannungen eine Beschleunigung der Investitionsausgaben, von der einige zu Beginn dieses Jahres ausgegangen waren, unterminieren könnten.

Darüber hinaus deuten die Daten zu Aktienrückkäufen und zu Fusionen & Akquisitionen darauf hin, dass sich die Unternehmen weiter auf diese Bereiche konzentrieren, statt auf Investitionsausgaben, um ihre überschüssigen Barbestände einzusetzen. Die für 2018 angekündigten Rückkäufe liegen deutlich über dem im Verlauf dieses Zyklus verzeichneten Durchschnitt (Diagramm 2), und sollte die Aktivität bei den Fusionen & Akquisitionen bis Ende 2018 im gegenwärtigen Tempo anhalten, wird es sich um die stärkste M&A-Phase seit mehr als fünfzehn Jahren handeln (Diagramm 3). Eine Verbesserung in der Handelspolitik könnte die Investitionsausgaben ankurbeln. Da jedoch der nominale Wachstumsausblick nach wie vor etwas unsicher ist, erscheint es, als ob es sich eher um eine Ausnahme als um die Regel handeln würde.

Diagramm 2_J.P.

 

 

Diagramm 3_J.P.Quelle: J. P. Morgan, eigene Recherche

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Über den Autor
 
Autor: Feingold-Research Feingold-Research
Die beiden ehemaligen FTD- und Börse Online-Redakteure Benjamin Feingold und Daniel Saurenz haben zusammen das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort stellen die beiden Kapitalmarktexperten und Journalisten ihre Marktmeinung, Perspektiven und Strategien inklusive konkrete Produktempfehlungen vor. In zwei Musterdepots werden die eigenen Strategien mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert (feingold-research.com).

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