Marktstimmung: "Schon wieder grundlos Wolf gerufen"



08:40 20.09.18


Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sind die hiesigen Anleger bullish - kein gutes Zeichen, insbesondere weil sie damit recht alleine stehen. Zusammenfassung 

Der DAX hat sich seit vergangenen Mittwoch trotz aller Warner vor einem Kurseinbruch schrittweise um insgesamt 150 Punkte erholt. Daran waren die befragten professionellen Investoren mit eher mittelfristigem Zeithorizont beteiligt, denn 11 Prozent der Befragten haben DAX-Aktien gekauft. Gleichzeitig sind 15 Prozent aus ihren Short-Positionen getrieben worden. Das hebt die Stimmung auf +29 Sentiment-Punkte. Die Privatanleger haben sich unterm Strich nicht bewegt, waren allerdings aus der Vorwoche bereits auf der bullishen Seite mit +12 Punkten.

Für Joachim Goldberg ist es kein gutes Zeichen, wenn die Pessimisten vor den steigenden Preisen kapitulieren, das internationale Kapital aber weiter gen USA umschichtet und die hiesigen Anleger den Markt nach oben treiben. Denn der Verhaltensökonom rechnet schon bei eher geringen Preissteigerungen mit bremsenden Gewinnmitnahmen. Und an der Unterseite bestünde die Gefahr, dass Anzeichen eines Trendwechseln nicht mehr ernst genommen würden. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Was hat sich eigentlich seit unserer vergangenen Erhebung politisch verändert? Nicht viel. Die Eskalation im Handelskrieg schraubt sich weiter nach oben, nachdem die USA die Umsetzung der Strafzölle auf China-Importe in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar beschlossen hatten und China seinerseits ebenfalls ab dem 24. September mit Zöllen auf US-Importe - allerdings nur im Volumen von 60 Milliarden US-Dollar - reagieren will. Und auch die nächste Runde von weiteren Strafzöllen seitens der USA in Höhe von noch einmal 267 Milliarden US-Dollar auf chinesische Importe scheint schon längst festgeschrieben. Genauso wie es das Drehbuch der Handelskonflikt-Eskalation vorgesehen hat. 

Ein Drehbuch, das jeder zu kennen scheint und das daher keine Überraschungen mehr in sich birgt. Auch die Situation in den Emerging Markets scheint bereits unterhalb der Wahrnehmungsschwelle vieler Akteure zu liegen. Und selbst diejenigen, die vergangene Woche auf den Chartbildern eine große Umkehrformation erkannt haben wollen, dürften nun etwas in Erklärungsnot geraten sein. Ja, man fühlt sich an die Aesop'sche Fabel vom Hirtenjungen und dem Wolf erinnert, wenn man an all diejenigen denkt, die aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen wieder einmal vor einem bevorstehenden großen Börsenkollaps gewarnt hatten. Allerdings ist der große Kurseinbruch in Gestalt des Wolfes bislang nicht gekommen.

Im Gegenteil, seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung hat sich der DAX sukzessive befestigt und kaum Gelegenheit zu günstigen Käufen geboten. Dennoch hat sich die Stimmung der institutionellen Anleger gegenüber der Vorwoche, gemessen am Börse Frankfurt Sentiment-Index, deutlich verbessert, denn der Index befestigte sich um satte 26 Punkte auf den dritthöchsten Stand dieses Jahres von +29 Punkte. Dabei haben knapp 40 Prozent der Pessimisten das Handtuch geworfen und ihre Ansicht mehrheitlich (fast drei Viertel der Wechselwilligen) um 180 Grad auf "bullish" gedreht. So gesehen kann man angesichts des gestiegenen Börsenbarometers von einer kleinen Kapitulation sprechen.

… oder kommt er doch noch?

Die Mehrheit der Privatanleger musste offenbar nicht in einen derart sauren Apfel beißen und dem Markt hinterherrennen, denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index hatte in diesem Panel bereits in der Vorwoche bei +12 gestanden und ist bei der heutigen Umfrage unverändert geblieben. Wobei zu bemerken wäre, dass die Polarisierung zwischen Bullen und Bären ein wenig zurückgegangen ist. Offensichtlich hat der Gewinn des DAX von 1,2 Prozent im Wochenvergleich bislang nicht zu größeren Gewinnmitnahmen gereizt. Mit anderen Worten: Die mutigen Bullen der Vorwoche haben sich bislang nicht belohnt.

Die jüngste Stimmungsentwicklung ist insofern bemerkenswert, als die neueste Fondsmanagerumfrage von BofA Merrill Lynch, die vom 7. bis 13. September erhoben wurde, dafür spricht, dass bis Mitte vergangener Woche Kapital von Aktienmärkten der Eurozone abgezogen wurde. Denn der Anteil derjenigen internationalen Fondsmanager, die in Aktien der Eurozone übergewichtet sind, hat sich seit der vergangenen Umfrage von netto 17 auf 11 Prozent zurückgebildet und damit den tiefsten Stand seit 18 Monaten erreicht. Wenn man bedenkt, dass der Anteil der in den USA übergewichteten Fonds leicht auf per Saldo 21 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Januar 2015 gestiegen ist, kann man sich gut vorstellen, dass derzeit die größeren Gewinnchancen für Aktien jenseits des Atlantik gesehen werden. Damit ist es sehr wahrscheinlich, dass die Aufwärtsbewegung des DAX der vergangenen Tage heimischer Nachfrage zuzuschreiben ist.

Mit der heutigen Erhebung befindet sich der Börse Frankfurt Sentiment-Index der institutionellen Anleger mit +29 Punkte nicht nur absolut betrachtet auf recht hohem Niveau. Vielmehr handelt es sich in der relativen Betrachtung auf Sicht von sechs Monaten sogar um den bislang höchsten Wert in diesem Jahr. 

Dies impliziert zweierlei: Zum einen dürften weitere Kursanstiege des DAX durch Gewinnmitnahmen abgebremst werden. Und, zum anderen, sollte der DAX erneut unter Druck geraten, wird man den Warnern der vergangenen Woche möglicherweise kein zweites Mal glauben wollen. Wollen wir hoffen, dass - um im Bild der Fabel zu bleiben - die Warner nicht am Ende Recht behalten und der Wolf dieses Mal dann doch noch kommt.

19. September 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de





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