DAX: Das könnte spannend werden



15:00 14.11.18

Euwax                            

Frische Nachrichten aus Rom und London versprechen einen halbwegs „politischen“ Handelstag. Zudem gibt es heute noch eine Reihe von Quartalszahlen aus dem DAX und eine Hiobsbotschaft aus der deutschen Wirtschaft. Es könnte spannend werden.

Der deutsche Leitindex könnte heute Vormittag eigentlich befreit aufspielen. Die Vorgaben aus Übersee sind heute halbwegs indifferent – vor allem stellen sie jedoch keine Belastung für den DAX dar. Nach den herben Kursverlusten zu Wochenbeginn, konnten sich die US-Leitbörsen wieder etwas stabilisieren. Zwar schlossen Dow Jones und S&P 500 erneut im Minus, doch mit 0,4 beziehungsweise 0,15 Prozent fielen die Verluste gestern doch sehr moderat aus. Die NASDAQ wiederum schloss nahezu unverändert gegenüber dem Vortag. Nahezu unverändert verabschiedete sich auch der japanische Nikkei aus dem Handel. Der japanische Leitindex konnte sogar, wenngleich nur moderat, um 0,16 Prozent zulegen. Doch das scheint heute nicht zu reichen. Nicht zuletzt deshalb, da heute Morgen noch eine kleine Hiobsbotschaft aus dem statistischen Bundesamt kam: Nach einer ersten Schätzung ist die deutsche Wirtschaft erstmals seit dreieinhalb Jahren wieder geschrumpft. Wie das Bundesamt mitteilte gab die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent nach. Dennoch könnte der heutige Handelstag spannend werden und viele Anleger werden heute gespannt nach Brüssel blicken.

Das liegt einerseits an Italien. Die Regierung in Rom ließ die von der EU-Kommission gesetzte Frist zur Haushaltsnachbesserung verstreichen. Zum Hintergrund: Italien hat vor rund vier Wochen seinen Haushaltsplan der EU-Kommission vorgelegt, dieser wurde jedoch von der EU-Kommission zurückgewiesen. Italien, so die Forderung, müsse dringend nachbessern. Doch dazu scheint die Regierung in Rom offenbar nicht bereit. Im Gegenteil. Italien hat seinen Haushaltsplan in einem Brief an die EU-Kommission verteidigt und beharrt auf der geplanten Neuverschuldung in Höhe von 2,4 Prozent. Zu dringend seien die geplanten Vorhaben, um die Konjunktur in Italien endlich wieder anzukurbeln. In Brüssel gibt man sich erstaunlich gelassen. Es scheint fast so, als habe man damit gerechnet, dass Italien nicht nachgeben werde. Manfred Weber, Fraktionschef der Europäischen Volkspartei, glaubt, dass man erstmal abwarten könne: „Die Realitäten, die Fakten werden auch Rom sehr schnell einholen“, so Weber in den ARD-„Tagesthemen“. Und er könnte Recht behalten. Anleger reagieren seit Wochen sehr nervös auf neue Nachrichten aus Rom. Eine Nervosität, die sich vor allem an den Rentenmärkten zuletzt immer wieder bemerkbar gemacht hat. Vor allem ist das jedoch eine Nervosität, die sich insbesondere Rom nicht leisten kann. Brüssel jedoch ebenfalls nicht, denn, so profan es klingen mag, Italien ist nicht Griechenland.

Doch es gibt heute auch noch gute Nachrichten. Offenbar konnte bei den Brexit-Verhandlungen endlich ein Durchbruch erzielt werden. Wie verschiedene Medien berichten, haben sich Unterhändler von EU und Großbritannien auf einen belastbaren Text geeinigt. Ein entscheidendes Etappenziel wäre somit erreicht. Mehr allerdings nicht. Eine Einigung in Brüssel ist insbesondere für Theresa May nur eine Seite der Medaille, die entscheidende Feuertaufe steht für May erst noch bevor. Schließlich muss May nicht nur ihr eigenes Kabinett von dem Entwurf überzeugen (was mitunter schon schwer genug sein dürfte), sondern das Papier muss natürlich auch noch das britische Parlament passieren. May braucht im britischen Parlament 320 Stimmen um die Vorlage durchzubringen. Ihre Partei kommt jedoch nur auf 318 Abgeordnete und selbst in ihrer eigenen Partei sind viele der Vorlagen höchst umstritten. Dabei drängt die Zeit. Beobachter gehen davon aus, dass die Verhandlungen bis spätestens Dezember abgeschlossen sein müssten, denn auch die verbleibenden EU-Mitgliedsstaaten müssen das Papier noch ihren eigenen nationalen Parlamenten zur Abstimmung vorlegen. Es bleibt definitiv spannend.



Neben aller Politik gab es heute noch eine Reihe von Quartalszahlen – insbesondere aus dem DAX.
Da wären zum einen die Versorger. RWE und Eon haben heute Zahlen vorgelegt und die Bilanzen könnten unterschiedlicher kaum sein. Während sich Eon nach neun Monaten voll auf Kurs befindet, gibt es bei RWE doch deutliche Bremsspuren. So sank das bereinigte operative Ergebnis bei RWE von 1,7 Milliarden Euro auf „nur“ noch 1,3 Milliarden Euro. Der Überschuss nahm um gut ein Drittel auf 645 Millionen Euro ab. Ganz anders stellt sich die Situation bei Eon dar. Wie der Versorger heute Morgen bekannt gab, stieg das Ebit um 11 Prozent auf nun 2,35 Milliarden Euro. Zwar verdienten die Essener mit 2,9 Milliarden Euro gut ein Fünftel weniger als im Vorjahr, doch vor einem Jahr konnte der DAX-Konzern noch von der Rückzahlung der Atomsteuer profitieren. Die Prognose für das laufende Jahr wurde bestätigt, doch mittlerweile geht man bei Eon davon aus, dass man die obere Ziel-Spanne bei bereinigtem Ergebnis und Nettoergebnis erreichen könne.

Noch etwas besser läuft es in diesen Tagen beim DAX-Neuling Wirecard – denkt man auf den ersten Blick. Wie das Unternehmen heute mitteilte, erwartet man für dieses Jahr ein Betriebsergebnis zwischen 550 bis 570 Millionen Euro. Das ist etwas mehr, als bislang angenommen. Von Wirecard heißt es, dass man „in Anbetracht einer starken Geschäftsentwicklung“ die Ziele nach oben revidieren konnte. Der Ausblick ist ebenfalls durchaus optimistisch. Vorstandschef Markus Braun: “Wir erwarten sowohl für das vierte Quartal 2018 als auch für das kommende Geschäftsjahr 2019 eine starke Beschleunigung des Geschäfts”. Und trotzdem wird die Aktie heute massiv abgestraft und ist mit einem Minus von rund vier Prozent aktuell der größte Verlierer im deutschen Leitindex. Das könnte daran liegen, dass viele Analysten mehr oder weniger ein solches Ergebnis erwartet hatten, und Wirecard mit dem heutigen Zahlenwerk nur die Markterwartungen bestätigt hat. Manch ein Analyst bemüht heute zur Erklärung eine alte Börsenweisheit, die da lautet „sell on good news“. Und gut, waren die Nachrichten heute allemal.

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Autor: Cornelia Frey Cornelia Frey,
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Cornelia Frey und Holger Scholze informieren abwechselnd um das Geschehen im Derivatebereich der Stuttgarter Börse. Neben Fernsehinterviews beim Nachrichtensender n-tv, berichten sie in Radiointerviews und den Marktberichten EUWAX Trends über das Geschehen bei Optionsscheinen & Co. Die Beiträge stellen keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten da. Unter dem Link https://www.boerse-stuttgart.de/rd/de/register können Sie Ihre E-Mail Adresse für den Versand der Marktberichte registrieren lassen. Die Berichte werden dann automatisch per E-Mail an Sie versandt.

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