Die Idioten des März



10:34 16.03.19

Ich finde, die rot-rot-grüne Regierung des Senats von Berlin hat ganz Recht. Wozu arbeiten, wenn man auch feiern kann? Das Geld kommt doch sowieso. Aus Bayern, aus Baden-Württemberg und vom Bund. Egal, ob man die Autoindustrie verteufelt oder nicht. Und wenn wir keinen richtigen Flughafen haben, ist das doch nur ein weiterer Grund, lieber zu feiern als zu arbeiten.

Ich war jedenfalls selten in meinem Leben so konsterniert wie am letzten Freitag, als ich extra früh mit meiner Arbeit aufgehört habe, um in einer Regenpause mit dem Rad zum Supermarkt zu fahren.

Ich wunderte mich schon, dass der Parkplatz so leer war. Und erst recht, als ich dann mit dem Einkaufswagen vor dem Laden stand, und die Tür nicht aufgeht. Nanu, pleite?, war mein erster Gedanke. Als ich jedoch sah, dass der Schreibwarenladen gegenüber ebenfalls geschlossen war, dämmerte es mir.

Da fiel mir das mit dem Frauentag wieder ein. Die Nachricht, dass der bei uns in Berlin dieses Mal ein gesetzlicher Feiertag ist, hatte ich jedoch für einen Scherz gehalten. Doch das sollte man bei dieser Regierung nie tun. Schließlich klingt es oft wie ein Scherz, was SPD, Linke und Grüne sagen, und trotzdem ist es meistens keiner.

Auf die Idee, diese Kolumne hier zu schreiben, bin ich jedoch erst gekommen, als ich den wundervollen Kommentar eines Lesers in meiner Online-Zeitung gelesen habe, der zu einem anderen Thema etwas sehr Treffendes geschrieben hat, wie ich finde, was man so wundervoll übertragen kann. Es lautet: Ich dachte immer, dass es „die Iden des März“ heißt und nicht „die Idioten des März“. Voilà, herzlichen Dank!

Womit ich sofort wieder beim Untergang des Römischen Reiches bin. Denn die Gerechtigkeit fordert jetzt natürlich, dass nach dem Herrentag an Himmelfahrt und dem Frauentag nun auch schnellstmöglich noch ein Feiertag für das dritte Geschlecht eingeführt wird. Ich werde mich daher sofort an meinen Bürgermeister Müller wenden, von dem ich allerdings hoffe, dass er nie in der Nationalmannschaft spielen wird.

Und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir den Feiertag für das dritte Geschlecht schneller haben werden als die Eröffnung des Flughafens. Eine Wette gefällig?



Und wenn ich dann schon einmal mit dem Bürgermeister rede, werde ich unbedingt auch noch eine andere Idee anbringen. Ich finde nämlich, dass das Denkmal der Luftbrücke am ehemaligen Flughafen Tempelhof nicht mehr zeitgemäß ist. Denn der Flughafen ist ja bereits lange geschlossen, und was haben wir denn heute noch mit den Amerikanern zu tun?

Nein, ich finde, wir sollten es abreißen, und dort eine große Statue unserer aller Greta aufstellen, dem Kind in uns allen. Und dann werden alle Berliner Schüler*innen das verbriefte Recht bekommen, an jedem Freitag Vormittag straffrei dorthin zu pilgern.

Denn bei der Ausstattung und der Qualität unserer Schulen das macht ja nun wahrlich keinen Unterschied mehr.


Bernd Niquet


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Über den Autor
 
Autor: Bernd Niquet Bernd Niquet,
Autor

Bernd Niquet ist promovierter Volkswirt und schreibt Börsenkolumnen und Bücher


Jenseits des Geldes. VIERTER TEIL

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Bernd Niquet, Jenseits des Geldes. VIERTER TEIL, 618 Seiten, 18,00 Euro

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Beschreibung:
Bernd Niquet erzählt darin die Geschichte vom ungewöhnlichen Leben seines Protagonisten weiter. Auch dieses Mal geht es um die grundlegende Frage, an der der Autor seit mittlerweile drei Jahrzehnten arbeitet, nämlich wie sich das Leben und die Reflexionen darüber im Zeitablauf entwickeln und verändern. Und wie bei jeder echten Entwicklungsgeschichte, so ist auch hier kein Ende absehbar.
Die ersten drei Bände von »Jenseits des Geldes« sind in den Jahren 2011 bis 2013 im Engelsdorfer Verlag erschienen, und die nächsten drei Teile existieren bereits in Rohform und werden vom Einbruch der Flüchtlingskrise in die abgeschottete Welt, von anwachsenden Auseinandersetzungen sowie einem niemals für möglich gehaltenen Zerwürfnis handeln.
berndniquet@t-online.de


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