„Kleine Zankerei“



16:05 16.05.19



Normale Börsen- und überraschende Medienreaktionen
 
„Kleine Zankerei“


Als letzte Woche der schon sicher geglaubte Handelsdeal zwischen den USA und China praktisch auf den letzten Metern der Zielgerade platzte, war die Aufregung an den Börsen groß. Die Highflyer der letzten Monate, insbesondere auch die US-Techwerte mussten empfindliche Einbußen hinnehmen. Angesichts der erreichten Kurshöhen ist ein(!) reinigendes Gewitter allerdings noch kein Beinbruch. Die Reaktion der Märkte auf die neuen Unsicherheiten ist zudem ebenso normal wie nachvollziehbar. US-Präsident Trump bemühte sich trotz neuer drakonischer Zölle zudem die Tür weiter offenzuhalten, indem er die Eskalation als „Kleine Zankerei“ bewertete. Wirklich überraschend war in diesem Fall die Reaktion von Trumps politischen Gegnern und die Reaktion der Massenmedien. Obwohl diese ansonsten kaum eine Gelegenheit auslassen, den US-Präsidenten in ein schlechtes Licht zu rücken, gaben sie sich diesmal erstaunlich zahm. Überwiegend blieben die Trump-feindlichen Tiraden aus, und das kann eigentlich nur eines bedeuten: Trump hat in der Sache recht und zwar so sehr, dass man sich mit Gegenreden nur blamieren kann.

Rational, aber gefährlich


Auch Warren Buffett ist nicht gerade als großer Anhänger von Donald Trump bekannt. Vielmehr unterstützte er im Wahlkampf 2016 dessen Konkurrentin Hillary Clinton. Sein Kommentar zur Verschärfung des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits lässt daher aufhorchen: Das Verhalten von Trump sei rational, allerdings auch ein gefährliches Spiel. Dies bedeute aber nicht, dass man dieses Spiel nicht spielen solle. In Verhandlungen sei es manchmal nötig, halb verrückt zu agieren. Wie lässt sich diese Einschätzung erklären? Klar ist, dass die Verhandlungen mit China bereits weit fortgeschritten waren. Angeblich wurden sogar schon Vorbereitungen für eine Vertragsunterzeichnung getroffen. In letzter Minute hätten die chinesischen Verhandlungsführer jedoch angefangen, bereits gemachte Zusagen zu revidieren. Dies konnte die amerikanische Seite eigentlich nicht ohne Reaktion lassen. Die strittigen Punkte seien Teilnehmern zufolge vor allem der Schutz des geistigen Eigentums und die Währungsmanipulation durch China gewesen.

Was nun folgt ist ein Pokerspiel mit höchsten Einsätzen: Seit letztem Freitag verhängten die USA Zölle auf chinesische Produkte im Wert von 200 Mrd. USD, seit dieser Woche reagierten die Chinesen mit Zöllen auf US-Produkte im Wert von 60 Mrd. USD. Alleine diese Summen zeigen das Kräfteverhältnis: Während die USA 2018 chinesische Waren im Wert von 540 Mrd. USD importierten, wurden in China lediglich US-Waren für 120 Mrd. USD eingeführt. Mehr zu verlieren haben also definitiv die Chinesen. Zwar prahlt der US-Präsident damit, dass es sich bereits auf die Einnahme der vielen Milliarden an Zöllen freue. Dies darf jedoch als Rhetorik abgetan werden. Denn de facto wird das Wirtschaftswachstum auch in den USA Schaden nehmen, die Frage ist lediglich wie viel. Laut der Hedgfonds-Legende Leon Cooperman könnten die nun in Kraft gesetzten Zölle bis zu einem halben Prozent an Wirtschaftswachstum kosten und die Erträge des S&P-500 um 5 USD reduzieren – Grund genug für eine kurze Korrektur, aber alles andere als ein Drama. Das allerschönste an Zöllen als Verhandlungstaktik sei übrigens die Tatsache, dass man diese bereits morgen wieder aufheben könne.

Krypto-Roulette


Eine der wirklich überzeugenden Assetklassen der vergangenen Wochen waren die Kryptoassets und unter ihnen ihr bekanntester Vertreter, der Bitcoin, der zuletzt sogar wieder die Marke von 8.000 USD zurückerobern konnte. Mit dem Adjektiv „überzeugend“ beziehen wir uns dabei einzig auf die Preisentwicklung. Vor der alten Weisheit der Markttechniker „Ein Trend ist ein Trend ist ein Trend“ verblassen regelmäßig alle fundamentalen Erklärungsversuche oder Einwände – bis eben dieser Trend endet. Die Kryptos sind in gewisser Hinsicht Janus-köpfig: Während die einen in ihnen, ähnlich den Edelmetallen, vor allem einen Fluchtpunkt aus den Fiat-Geld-Systemen sehen, sind sie für die Technikaffinen, schlicht die Zukunft des Geldes, des Vertragswesens, etc. Eine dritte Gruppe sieht schließlich in den Kryptos vor allem heiße Luft. Wer letztlich Recht behalten wird, vermögen wir heute nicht zu entscheiden. Das müssen wir allerdings auch nicht, denn, wie gesagt, „ein Trend ist ein Trend ist ein Trend“. Der Umstand aber, dass der Bitcoin zu einem neuen Höhenflug startete, während die Edelmetalle weiter am Boden liegen, spricht nicht dafür, dass Angst bzw. ein sogenannter „Risk off“-Trade für den Run verantwortlich ist. Im Chart ist übrigens deutlich der 2. April als jener Tag zu erkennen, an dem die Initialzündung der laufenden Hausse stattfand (vgl. Abb., grüne Markierung). Seinerzeit wurden bekanntlich innerhalb weniger Minuten für mehr als 100 Mio. USD Bitcoins gekauft und offenbar erfolgte die Konzentration der Mittel um genau diesen Effekt auf den Kurs zu erreichen. Schon damals war allerdings klar, dass die Ursache dieses Kurssprungs im Zeitablauf in Vergessenheit geraten wird, während der Kursausbruch selbst im Chart sozusagen in Stein gemeißelt ist. Im Hinterkopf sollte man es allerdings schon behalten, dass es wenige Märkte gibt, an denen die Nachfrage künstlicher ist und in denen ohne ernsthafte Aufsicht der (Kurs-)Manipulation Tür und Tor so weit geöffnet sind. In unserem Musterdepot haben wir übrigens einen Weg aufgezeigt, wie man an Kursbewegungen des Bitcoin – vorzugsweise mit kleinem Geld(!) – partizipieren kann, ohne dabei den Weg über einen der Kryptohandelsplätze gehen zu müssen.

Zu den Märkten


Im DAX nähern wir uns nach den Abverkäufen der letzten Tage einem entscheidenden Punkt: Schon mehrfach wurde an dieser Stelle auf die wichtige Unterstützungszone im Bereich von 11.800 bis 12.000 Punkten hingewiesen (vgl. Abb., gelber Bereich). In der letzten Abwärtsbewegung, wurde dieser Bereich tief eingeschnitten, dem Markt gelang es jedoch, kurz vor Erreichen der unteren Begrenzung die Abwärtsbewegung vorläufig zu stoppen. Dabei wurde auch die untere Begrenzung des Aufwärtskanals (blau) zunächst erfolgreich getestet. Das Zusammenspiel beider technischer Formationen erzeugte eine sogenannte Kreuzunterstützung, wobei das Kursverhalten an solchen Weggabelungen stets besondere Beachtung verdient. Obwohl die Aufwärtsreaktion bislang positiv zu werten war, fehlte es ihr jedoch an Kraft. Einem erneuten Angriff auf den Trend bzw. die Unterstützungszone wird der DAX daher möglicherweise nicht standhalten können. Positiver wäre unsere Einschätzung erst wieder, falls es dem DAX gelingt, die Marke von 12.000 Punkten überzeugend zu überwinden.

ePetition gegen Substanzbesteuerung


An dieser Stelle geben wir gerne einen Leserhinweis auf eine ePetition des deutschen Bundestages wieder: Es ist ein bekanntes Ärgernis für Anleger und Sparer, dass eine Besteuerung von Kapitalerträgen auch dann erfolgt, wenn real gar keine Erträge entstanden sind. Das ist immer dann der Fall, wenn der nominale „Ertrag“ hinter dem realen Wertverzehr der Anlage durch Geldentwertung zurückbleibt. Im Ergebnis wird hier also ein bloßer Scheinertrag besteuert, obwohl sich der reale Wert der Anlage verzehrt hat. Vor dem Hintergrund, dass die Inflation selbst als eine Art versteckte Besteuerung zu bewerten ist und maßgeblich durch den Staat selbst ausgelöst wird, ist die Besteuerung von Scheingewinnen in diesem Bereich sogar besonders perfide. Durch anhaltend niedrige Zinssätze bei einer wieder angezogenen Geldentwertung ist das Problem für Sparer zudem derzeit besonders akut. Die Petition fordert daher eine Freistellung der Kapitalerträge in Höhe der jeweiligen Inflationsrate, so dass im Ergebnis lediglich reale Wertzuwächse besteuert werden. Es ist also eine gute Sache, hier einmal ein Zeichen zu setzen, auch wenn wir uns des Umstandes bewusst sind, dass dieses wichtige Thema sich kaum für große öffentliche Debatten eignet. Hier geht es zur ePetition.

Musterdepot Aktien & Fonds


Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ berichten wir heute über eine sehr erfreuliche Entwicklung. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Veranstaltungshinweis


Nun geht der Reigen der Börsentage 2019 unwiderruflich zu Ende. Lediglich morgen, am 16. Mai gibt es noch einmal die Gelegenheit, in Zürich an einem Börsentag teilzunehmen. Der Eintritt ist kostenlos.

Smart Investor 5/2019: 

Titelstory: Familienunternehmen: Sind sie wirklich besser? 

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Mauritius:Mehr als nur ein Ferienparadies 

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Fazit

Für die Märkte war das erneute Aufflackern des Handelskonflikts zwischen den USA und China ein willkommener Anlass für eine ohnehin fällige Korrektur. In der Sache sind die USA auf dem richtigen Weg, auch wenn dieser voller Gefahren ist.

Christoph Karl, Ralph Malisch

       

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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