Wunder dauern bei der EZB etwas länger



14:40 23.05.19

Nein, die Geldpolitik hat nichts von ihrer Durchschlagskraft verloren. Aufgrund der gestiegenen Bedeutung des Dienstleistungssektors benötigt es aber mehr Zeit, bis sich geldpolitische Schritte auf die Inflation auswirken. Dies betonte diese Woche EZB-Direktor Benoit Coeure auf einer Konferenz in Genf. Oder zugespitzt gesagt: Es dauert eben nur etwas länger, bis die EZB Wunder vollbringen kann.


Ist die Notenbank an ihre Grenzen angelangt?

Bei allem Respekt vor Coeures Expertise seien hiermit aber ein paar Zweifel an dieser Analyse erlaubt. Nicht nur aufgrund des Umfangs des fast 2,6 Bill. € schweren Anleihekaufprogramms der EZB könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Notenbank an ihre Grenzen gelangt ist, zumindest an eine Glaubwürdigkeitsgrenze. Aber auch die jahrelange Dauer der Nullzinsphase lässt die Fachleute über die Wirkung der expansiven Geldpolitik rätseln. Denn noch immer verharrt die Teuerungsrate im Euroraum deutlich unter dem 2%-Ziel der EZB. Diesbezüglich äußerte sich auch das niederländische Ratsmitglied Klaas Knot, der in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" auf die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Höhe der Inflation und dem angestrebten Ziel hinwies. Zwar lag im April die Inflation in der Eurozone bei 1,7% nach 1,4% im März, aber dies hängt sicherlich mit dem Preissprung für Pauschalreisen infolge der späten Osterferien zusammen.


Was versteht Coeure unter mittelfristig?

Als eine mögliche Ursache hat Coeure die starren Preise im Dienstleistungssektor ausgemacht, die sich aus dem geringen internationalen Wettbewerb und dem relativ hohen Lohnanteil an den Produktionskosten ergäben. Daher brauche es eben seine Zeit, bis sich geldpolitische Maßnahmen auf die Teuerungsrate niederschlagen. Mittelfristig jedoch, wenn immer mehr Firmen ihre Preise im Zuge der verbesserten wirtschaftlichen Bedingungen anpassen, würde die Inflation „mit mehr Kraft antworten“, ist er überzeugt. Da fragt sich nur, was Coeure unter mittelfristig versteht. Schließlich datiert die letzte Leitzinserhöhung der EZB aus dem Jahr 2011 und mit dem Ankauf von Anleihen wurde bereits im März 2015 begonnen.


Theresas letzte Karte

Ein kühnes Angebot sollte es sein, das Theresa May den Abgeordneten des britischen Unterhauses in Sachen Brexit vorlegen wollte. Ob es das sein wird, muss sich aber noch zeigen. Ein Wagnis ist es allemal. Denn nach ihren Vorstellungen soll das Parlament zuerst ihren Brexit-Gesetzentwurf verabschieden, um anschließend über ein zweites Brexit-Referendum abstimmen zu dürfen. Es ist allerdings nicht verwunderlich, dass sich binnen Kürze in den unterschiedlichen Gruppierungen heftiger Widerstand formierte.


Nachbesserungen zeigen nicht gewünschte Wirkung

Um zumindest einige Labour-Abgeordnete für ihren Plan zu gewinnen, wird May laut „Guardian“ Garantien für Arbeitnehmerrechte und den Umweltschutz mit in ihr Konstrukt einbauen. Außerdem will sie mit „alternativen Arrangements zum Backstopp“ die Blockierer in der eigenen Tory-Partei befriedigen. Doch diese Nachbesserungen zeigen nach ersten Reaktionen immer noch nicht die gewünschte Wirkung. Insbesondere die nordirischen Unionisten kündigten an, abermals gegen Mays Plan stimmen zu wollen. Inzwischen läuft Theresa May sogar Gefahr, die Abstimmung im Parlament absagen zu müssen. Die logische Konsequenz wäre dann allerdings auch das Verkünden ihres Rücktritts, der nach Informationen der „Times“ bereits morgen als letzte Karte ausgespielt werden könnte.



Briten wüssten bei neuem Referendum, für was sie stimmen

Während Labour-Abgeordnete, die Liberaldemokraten, die Mitglieder von Change UK und die schottische Nationalpartei SNP das konkrete Austrittsabkommen der Bevölkerung zur Abstimmung vorlegen wollen, stilisieren dies die Brexiteers unter den Torys zum „Verrat“ an denen hoch, die bereits 2016 für den Austritt gestimmt hatten – ohne im Detail zu wissen, was dies bedeuten würde. Dies wäre bei Mays jetzigem Plan anders. Immerhin wüssten die Briten dann konkret, für oder gegen was sie stimmen.



Wende im Handelsstreit?

Was hat D. T., der Unberechenbare, mit dieser Entscheidung wieder im Sinn? Nachdem die USA Strafzölle gegen die Nachbarstaaten Mexiko und Kanada mit sofortiger Wirkung aufgehoben haben, spekulieren so manche Beobachter schon über eine Wende im Handelsstreit. Auch Mexiko und Kanada hatten ihre Gegenmaßnahmen kassiert. Hinzu kommt, dass Donald Trump die Strafzölle für Stahleinfuhren aus der Türkei inzwischen halbiert und zugleich Privilegien gestrichen hat.



Erneut Vorwürfe gegen deutsche Autoindustrie

Einzig die deutsche und die japanische Autoindustrie befürchten noch, vom Bann der US-Strafzölle getroffen zu werden. Dabei wissen sie auch republikanische Abgeordnete auf ihrer Seite, die wiederholt auf die Investitionen der deutschen und japanischen Hersteller in den USA hingewiesen haben. Man könne entweder Zölle oder Investitionen haben, aber nicht beides, sagte dazu die amerikanische Auto Alliance, eine Handelsgruppe aus internationalen Fahrzeugherstellern. Immerhin hat Trump die Entscheidung über die für die EU und Japan angedrohten Autozölle um sechs Monate verschoben. Es besteht aber trotzdem kein Grund, dies als Indiz für ein Einlenken zu deuten, denn schließlich erhob der Präsident erneut schwere Vorwürfe, insbesondere gegen die deutsche Autoindustrie.



China als „größte Bedrohung“?

Wie die „Financial Times“ berichtete, könnte inzwischen Donald Trump zur späten Einsicht gelangt sein, dass die „größte Bedrohung“ für die USA von China ausgeht. Demnach haben US-Sicherheitsbehörden Unternehmen unter anderem aus dem Hightech-Bereich vor Geschäften mit China gewarnt und insbesondere auf die Gefahren durch Cyber-Attacken und den Diebstahl geistigen Eigentums hingewiesen, die aus den Geschäften mit China entstehen könnten. Laut dem republikanischen Senator Marco Rubio stellen die chinesische Regierung und die kommunistische Partei die „größte langfristige Bedrohung für Wirtschaft und Sicherheit“ der Vereinigten Staaten dar. Sollte sich Trump also aufgrund dieser Einschätzung wieder - analog zu Kanada und Mexiko - an ehemalige, verlässliche Handelspartner aus der EU erinnern oder ist er möglicherweise nur noch nicht bereit für Gespräche mit der EU? Spätestens wenn in einem halben Jahr die aufgeschobene Entscheidung über Autozölle ansteht, weiß man mehr. Aber bereits Ende Juni könnte es beim G20 Treffen zu einem Gespräch zwischen dem US-Präsidenten und Chinas Staatschef Xi Jinping kommen. Man kann nur hoffen, dass beide Seiten an einer Kompromisslösung in diesem Handelsstreit interessiert sind.



Fed sieht sich für alle Fälle gerüstet

Die US-amerikanische Notenbank, die Vollbeschäftigung und stabile Preise fördern soll, hat gemäß den gestern Abend veröffentlichten Protokollen der jüngsten Sitzung nicht vor, an der bisherigen, ruhigen Gangart in naher Zukunft etwas zu ändern. Auch wenn verschiedene Notenbanker der Meinung waren, dass die Inflation sich weiter abschwächen könnte, so gibt es auch eine Gruppe, welche den Rückgang der Teuerungsrate als ein vorübergehendes Phänomen ansieht. Geduld ist also angesagt.


Im Zusammenhang mit dem eskalierenden Zollstreit zwischen China und den USA wurden immer wieder Überlegungen angestellt, einer zu tiefen Inflation mit einer Zinssenkung auf die Sprünge zu helfen. Einer der prominentesten Verfechter dieser Vorgehensweise war der Chef des Fed- Bezirks New York John Williams, der allerdings bei seiner gestrigen Rede etwas moderatere Töne anschlug. Seiner Meinung nach besteht vorerst keinen Bedarf, an der aktuellen Zinspolitik zu rütteln. Sollte sich allerdings die Inflation nicht auf den Zielwert zubewegen, so muss über eine Anpassung der Zinspolitik nachgedacht werden. Jedoch erteilte er den Verfechtern einer baldigen Zinssenkung einen verbalen Dämpfer indem er betonte, dass man weder jetzt noch in naher Zukunft an diesem Punkt angelangt sei.



Europa auf dem Prüfstand

Ab heute wird es spannend, denn die EU-Bevölkerung stimmt in den kommenden vier Tagen über die Zusammensetzung des EU-Parlaments ab. Auch wenn es in Europa nach dem 2. Weltkrieg nicht nur friedlich zuging, so kann man allerdings mit Fug und Recht behaupten, dass 1957 mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und bereits 1951 mit der Montanunion der Grundstein für die längste Friedensphase in Europa gelegt wurde. Noch sind 28 EU-Staaten in dieser Gemeinschaft miteinander verbunden und nach Schließung der Wahllokale am kommenden Sonntag werden wir wissen, ob zukünftig die EU-kritischen Kräfte in Europa das Sagen haben. Denn sicherlich sind nicht alle EU-Bürger begeistert, was das Bürokratie-Monster EU an Richtlinien erlässt, aber um etwas Gewicht auf die Waage gegenüber den USA, Russland und auch China zu bringen, ist ein „Staatenbund“ unabdingbar.


Leider ist es nicht in allen Belangen möglich mit einer Stimme zu sprechen, aber das sollte die Ausnahme bleiben. Unterschiedliche Sichtweisen können jedoch auch förderlich sein, wenn daraus Kompromisslösungen entstehen und diese von allen Staaten anschließend umgesetzt werden. Doch daran muss noch gearbeitet werden, denn u.a. bei der Steuer-, Finanz-, Migrations- und Umweltpolitik sind es oftmals die nationalen Interessen, die den Ton angeben und ein Bild der Uneinigkeit vermitteln. Das ist auch sicherlich der Grund dafür, dass die EU von den USA inzwischen nicht mehr als verlässlicher Partner auf Augenhöhe akzeptiert wird. Und nicht zuletzt die Brexit-Tragödie hat in den USA und auch in Russland die EU als eine schwache, mit internen Problemen beschäftigte Gemeinschaft erscheinen lassen. Obwohl die Briten nicht von Anfang an dabei sein wollten, hat sich nach deren Beitritt schnell die Achse Deutschland-Frankreich-Großbritannien herausgebildet, was als Stabilitätsfaktor nicht zu unterschätzen war. Doch inzwischen hat Großbritannien die Scheidungspapiere eingereicht und trotz der unrühmlichen Verhandlungen sowie diverser parlamentarischen Entscheidungen werden sich sowohl Deutschland als auch Frankreich schon bald mit Wehmut an die gute alte Zeit erinnern.


Aber es gibt durchaus nachvollziehbare Gründe für den Austritt Großbritanniens. So wurde der Verwaltungsapparat in Brüssel und Straßburg immer mehr aufgebläht und verschlingt Unmengen an Geldern. Neben der Überregulierung seitens der EU sind es auch oftmals die fehlende Volksnähe der Abgeordneten des EU-Parlaments sowie der Kommissionsmitglieder, die einen Keil zwischen die Bevölkerung und ihre Vertreter treibt. Man darf also durchaus auf die Höhe der Wahlbeteiligung und die zukünftige politische Ausrichtung gespannt sein, denn diese Abstimmung wird sicherlich viele Protestwähler an die Wahlurnen treiben. Verheerend wäre natürlich, wenn anschließend die EU-Gegner für das Friedenskonzept in Europa verantwortlich zeichnen müssten. Wie Populisten ticken und zu welchen Machenschaften sie bereit sind, davon können inzwischen unsere Nachbarn in Österreich ein Lied singen.


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen Wahlausgang, den sowohl wir als auch die nachfolgenden Generationen verdient haben.



Athen weicht seinen Sparkurs auf

Droht Griechenland ein Rückfall in die Zeiten ausufernder Schulden und einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung? Nachdem Premierminister Alexis Tsipras ein Paket aus Steuersenkungen und Rentenerhöhungen durchs Parlament brachte, hat zumindest die Ratingagentur Fitch die Regierung in Athen vor dieser Gefahr gewarnt.



Tsipras verteilt Wahlgeschenke

Mit derartigen, 4 Mrd. € teuren Wahlgeschenken will Tsipras die Chancen seines Linksbündnisses Syriza bei der anstehenden Europawahl aufbessern, nachdem sie in Umfragen deutlich hinter die konservative Oppositionspartei Nea Dimokratia zurückgefallen ist. An den Finanzmärkten kommt dies gar nicht gut an. Nachdem die Ratingagentur im Februar die Bonität von Griechenland bei BB- und einem stabilen Ausblick belassen hatte, beklagen deren Analysten nun, dass die Regierung für das Haushaltsjahr 2019 bereits einige Reformen zurückgedreht hat. Darüber hinaus sorgten die nun beschlossenen Wahlgeschenke für eine Verunsicherung über die Umsetzung der finanzpolitischen Ziele.



Gläubiger äußern Bedenken

Ähnlich sieht dies auch Klaus Regling, Chef des Euro-Stabilitätsfonds ESM, der größter Gläubiger des Landes ist. So befürchtet er, dass Griechenland das mit den Gläubigern vereinbarte Ziel eines Primärüberschusses von 3,5% schon in diesem Jahr reißen wird. Unisono äußerten sich auch die OECD, der IWF sowie die EZB, die Bedenken über das Aufweichen des Sparkurses durch den griechischen Premier anmeldeten.





Auf dem Highway ist die Hölle los

Der Titel einer beliebten Actionkomödie aus den 80er Jahren mit Burt Reynolds „Auf dem Highway ist die Hölle los“ kann in dieser Woche mit den Aktivitäten der Unternehmen am Primärmarkt verglichen werden. Ein wahrer Emissionsregen beschert den Investoren somit die Qual der Wahl, obwohl die Mindeststückelung bei allen Anleihen von 100.000 € zumeist institutionelle Investoren ansprechen dürfte. So emittierten Vodafone Group und Becton Dickinson jeweils 3 neue Bonds, Tennet Holding konnte mit einem Doppelpack glänzen und Thales, Volkswagen Leasing, TLG Immobilien sowie Volvo Treasury begaben jeweils einen Bond.


Dabei sammelte das britische Mobilfunkunternehmen Vodafone Group insgesamt 2,5 Mrd. € mittels drei neuer Bonds ein. Die erste 750 Mio. € schwere Tranche (A2R2UG) ist am 24.11.2026 fällig und hat einen jährlichen Kupon in Höhe von 0,9%. Begeben wurde das Papier zu 99,526%, was einem Emissionsspread von +75 BP über Mid Swap gleichkam. Die zweite Anleihe (A2R2UH) hat ein Emissionsvolumen von 1 Mrd. € und zahlt den Investoren bis zur Fälligkeit am 24.11.2030 einen jährlichen Zins von 1,625%. Der Reoffer lag bei 99,298% (+112 BP über Mid Swap). Des Weiteren begab Vodafone einen 20-jährigen Titel (A2R2UJ) mit einem Kupon von 2,5%. Die 750 Mio. € konnte das Unternehmen bei 98,978% erfolgreich platzieren, was einem Spread von +160 BP über Mid Swap entsprach.


Das US-amerikanische Medizintechnik Unternehmen Becton Dickinson legte ebenfalls 3 neue Wertpapiere auf und konnte so spielend 2 Mrd. € am Kapitalmarkt einsammeln. Darunter auch ein 2-jähriger Bond (A2R2UN), der am 04.06.2021 bereits fällig wird. Der Zinssatz ist bei dem 600 Mio. € schweren Titel mit 0,174% p.a. festgeschrieben. Der Reoffer lag bei pari, was einen Spread von +42 BP bedeutete. Die zweite, 4-jährige Anleihe (A2R2UP) zahlt seinen Investoren bis zur Fälligkeit am 04.06.2023 einen jährlichen Zins in Höhe von 0,632%. Emittiert wurde der 800 Mio. € schwere Bond ebenfalls zu 100%, was einem Emissionsspread von +75 BP über Mid Swap gleichkam. Das Papier ist ab dem 04.05.2023 seitens des Emittenten jederzeit zu 100% kündbar. Weitere 600 Mio. € finanzierte Becton Dickinson über 7 Jahre mit einem Zinssatz von 1,208%. Die Rückzahlung des Bonds (A2R2UQ) erfolgt am 04.06.2026. Ausgegeben wurde der Bond bei pari (+105 BP über Mid Swap). Auch hier entschied sich der Emittent zu einer Kündigungsoption ab dem 04.03.2026 zu 100%. Ebenfalls wurden für alle Bonds eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufgenommen.


Der niederländische Stromnetzbetreiber Tennet Holding, der im Besitz des Finanzministeriums ist, emittierte insgesamt 1,25 Mrd. € und teilte das Volumen auf zwei neue Anleihen auf. Die ersten 500 Mio. € sammelte das Unternehmen mit Sitz in Arnheim mit einem Bond (A2R2RR), der am 03.06.2030 fällig ist und mit einem jährlichen Zins von 0,875% ausgestattet wurde, ein. Ausgegeben wurde das Papier zu 99,024%, was einen Spread von +45 BP über Mid Swap bedeutete. Ein optionales Kündigungsdatum ab dem 03.03.2030 jederzeit zu 100% sowie eine Make Whole Option runden die Emissionsbedingungen ab. Der zweite Bond (A2R2RS) läuft bis zum 03.06.2039 und Tennet Holding zahlt den Anlegern dabei bis zur Fälligkeit jährlich 1,5% Zinsen. Das Emissionsvolumen beläuft sich bei diesem Wertpapier auf 750 Mio. € und der Reoffer lag bei 98,688% (+63 BP über Mid Swap). Auch diese Anleihe ist 3 Monate vor Fälligkeit jederzeit zu 100% kündbar und besitzt darüber hinaus noch eine Make Whole Option.


Aber nicht nur diese 3 Konzerne wurden am Kapitalmarkt aktiv. So emittierten Thales, Volkswagen Leasing, TLG Immobilen sowie Volvo Treasury jeweils einen Bond. Nennenswert dabei ist das Papier der TLG Immobilen. Das deutsche börsennotierte Unternehmen mit Sitz in Berlin, das sich auf Gewerbeimmobilen spezialisiert hat, begab einen Bond (A2TSCS) und spült dem Unternehmen damit 600 Mio. € in die Kassen. Die Anleger erhalten für ihr Investment einen jährlichen Kupon von 1,5%. Fällig wird das Wertpapier am 28.05.2026 und kann seitens des Emittenten ab dem 28.02.2026 jederzeit zu 100% gekündigt werden. Der Reoffer lag bei 98,379%, was einem Emissionsspread von +160 BP über Mid Swap entsprach. TLG Immobilen ließ sich zusätzlich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen schreiben. Die Details der weiteren 3 genannten Wertpapiere können Sie der Tabelle unterhalb entnehmen.



Abwarten und Teetrinken

Nachdem das Rentenbarometer zum Wochenschluss ein Verlassen des Aufwärtstrends nur knapp vermeiden konnte, hat zum Start in die neue Handelswoche die sehr steil verlaufende Unterstützungslinie nicht mehr den notwendigen Halt bieten können. Dies führte zu einer leichten Korrektur bis 166,33%, die allerdings bereits zur Wochenmitte wieder die Basis für eine Aufwärtsbewegung in Richtung 167% war. Im Vorfeld der heute zu veröffentlichenden Daten und dem Ifo-Index halten sich die Akteure am Rentenmarkt zwar grundsätzlich bedeckt, aber auf erhöhtem Niveau. Zugleich nutzen die Marktteilnehmer Ausschläge beim Euro-Bund-Future nach oben bzw. unten, um Absicherungsmaßnahmen zu tätigen oder zu schließen.


Charttechnisch ist es als positives Zeichen zu werten, dass das Niveau von 166,33% nicht unterschritten wurde. Dieser Bereich bildet weiterhin ein gewisses Unterstützungspotential und nach oben ist die psychologische Marke von 167% als erster Widerstand zu nennen, ein weiterer folgt bei ca. 167,41%.


Obwohl die gestrigen Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi bisher keine Auswirkungen auf die Kursentwicklung an den Rentenmärkten hatten und auch die Fed-Minutes nicht Neues ergaben, startete das Sorgenbarometer der Eurozone mit Risk-off-Rückenwind bei ca. 167% in den heutigen Handelstag, was einer Rendite bei der 10-jährigen Bundesanleihe von ca. -0,10% entspricht.



Niederlande mit erstem AAA-Green-Bond

In den USA werden heute noch 11 Mrd. USD als 10-jährige inflationsindexierte T-Notes refinanziert, nachdem zuvor lediglich T-Bills für insgesamt 178 Mrd. USD mit Laufzeiten von vier, acht und 52 Wochen sowie drei und sechs Monaten zum Kauf angeboten wurden.


Nachdem in dieser Woche in den Niederlanden der erste AAA-Green-Bond aufgelegt wurde, stellt sich die Frage, ob das auch irgendwann in den USA ins Repertoire aufgenommen wird. Noch ist es aber nicht soweit. Jedoch wird auch bei dieser Auktion deutlich, wie groß inzwischen der Investorenappetit nach solchen Produkten geworden ist. Angedacht war seitens des niederländischen Finanzministeriums ein Volumen zwischen 4 und 6 Mrd. €. Eingereicht wurden Zeichnungsaufträge für mehr als 21 Mrd. € und so wurden letztendlich 5,985 Mrd. € mit einer Endfälligkeit 15.01.2040 (A2R2S4) bei einer Rendite von 0,557% platziert. Zum Wochenstart hatte bereits die Slowakei zwei Altemissionen (A18W5D / 2031 ; A19QRP / 2047) um insgesamt 200 Mio. € aufgestockt.


Doch auch Deutschland hatte zur Wochenmitte die Erhöhung des Emissionsvolumens der aktuellen 10-jährigen Benchmark-Anleihe (110246) auf der Agenda. Hierbei wurden für die anvisierten 3 Mrd. € sogar Kaufaufträge von nominal 4,285 Mrd. € aufgegeben und davon wurden ca. 2,436 Mrd. € bei einer gewogenen Durchschnittsrendite von -0,07% zugeteilt. Der Differenzbetrag wurde zur Marktpflege in den Eigenbestand des Bundes übernommen.


Den Schlusspunkt am Euro-Primärmarkt setzt in dieser Woche Spanien mit dem heutigen Verkauf von Staatsanleihen, die in fünf, zehn bzw. 15 Jahren endfällig sein werden.



Mays Gedankenspiele sorgen für Bewegung


Die europäische Gemeinschaftswährung macht nach wie vor keine großen Sprünge, musste in dieser Woche allerdings etwas Federn lassen. Wurde die Einheitswährung noch vor Wochenfrist zeitweise bei Kursen von 1,1263 USD gehandelt, so ist der Euro inzwischen unter die Marke von 1,12 USD gefallen und notiert nach der gestrigen Veröffentlichung des FOMC-Protokolls heute Morgen bei ca. 1,1140 USD.


So langsam kommt wieder Bewegung in die ewige Brexit-Frage. Am Dienstagnachmittag hatte Premierministerin Theresa May ein zweites Referendum ins Spiel gebracht, um ihren Brexit-Deal doch noch durchzubekommen. In einer ersten Reaktion konnte das Pfund-Sterling gegenüber dem Euro bis auf 0,8725 GBP zulegen, um allerdings im weiteren Handelsverlauf wieder alle Gewinne abzugeben. Zur Stunde notiert der Wechselkurs infolge neuer Rücktrittsgerüchte bei ca. 0,8830 GBP und damit fast auf dem Niveau von Mitte Februar.


Obwohl sich die Privatanleger aktuell mit ihren Engagements oftmals zurückhalten, waren dennoch Aktivitäten bei einigen Währungsanleihen zu beobachten. Insbesondere gilt dies für Anleihen auf norwegische Kronen, russische Rubel, türkische Lira, südafrikanische Rand und US-Dollar.


Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

 


Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.


Herausgeber:

Baader Bank AG

Weihenstephaner Str. 4

85716 Unterschleißheim

Deutschland

www.baaderbank.de


Redaktion:

Robert Halver,

Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG

Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG


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Über den Autor
 
Autor: Klaus Stopp Klaus Stopp,
Baader Bank AG

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.

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