Woran liegt es, dass sich viele Trading-Neulinge finanziell ruinieren



16:54 11.06.19

Wer an der Börse versucht, mit Aktien sein Geld zu verdienen, kann grob in zwei Kategorien eingeteilt werden.

Idealisiert gibt es auf der einen Seite den Aktienanleger, der einmalig oder mehrmalig Geld in verschiedene ausgewählte Aktien investiert und vor allem eines mitbringt, nämlich viel Zeit und viel Geduld. Diese Menschen verdienen in einem anderen Job oftmals genügend Geld für den Lebensunterhalt, möchten das Aktiensparen aber dazu benutzen, um auf lange Sicht ihren Ruhestand abzusichern oder sich mal einen zusätzlichen Urlaub leisten zu können. Regelmäßig darf sich dieser Typ Anleger dann über Dividendenzahlungen freuen. Im Vergleich zu den Zinsen, die derzeit mit Sparguthaben verdient werden können, stellen die meisten Dividenden hochprozentige Anlageformen dar, deren Dividendenrendite meist in einer Bandbreite von drei bis sieben Prozent liegt. Gegenüber den zu erhaltenden Zinsen auf einer Bank, die bekanntlich entweder bei knapp über Null notieren oder in einigen Fällen sogar negativ sind (Strafzinsen), eine finanzielle Wohltat. Die Frage, welche Rendite mit der Anlageform Aktie am Ende einer Betrachtungsperiode eingefahren werden kann, hängt in entscheidender Weise vom Zeitpunkt der Veräußerung der Aktien ab. Der Typ Anleger, der geduldig an die Aktienanlage herangeht und über genügend liquide Mittel für seinen Lebensunterhalt verfügt, kann auf den richtigen Zeitpunkt des Verkaufs seiner Aktien warten, nämlich dann, wenn diese Aktien im positiven Bereich notieren.

Ganz anders nun die zweite Kategorie von "Anlegern", nämlich der Trader. Der Trader versucht, mit seinem auf das schnelle Handeln an den Börsen ausgelegten Anlagestyl viel Geld zu verdienen. Dies ist schon mental gesehen eine komplett andere Ausgangssituation, denn dieser Typ Anleger benötigt den Erfolg an den Börsen, um sein Leben zu bestreiten und seinen Lebensunterhalt über die Börsen zu verdienen. Einige wichtige Säulen des Erfolgs, nämlich die Ruhe, die Geduld und die Zeit, die der langfristig ausgerichtete Anleger zu seinen Verbündeten zählt, fehlen dem Trader. Aus diesem Grund ist der Trader allein schon mental viel anfälliger dafür, auf negative Ereignisse an den Börsen zu reagieren. Negative Ereignisse an den Börsen können den Trader derart stark emotional ergreifen, dass er von der zuvor erdachten Anlagestrategie abweicht und Verluste realisiert. Eben die typischen Panikverkäufe, die viel Geld kosten. Aber auch das umgekehrte Szenario ist für den Trader gefährlich, nämlich steigende Aktienkurse.

Ein Trader, der deutlich steigende Aktienkurse vor seiner Nase miterlebt, selbst aber nicht investiert oder unterinvestiert ist, wird irgendwann schwach und wiederum in einer Paniksituation versuchen, doch noch einzusteigen, um die vermeintlich sicheren Aktiengewinne für sich zu nutzen. Dies ist die an den Börsen bekannte Gier, die dann oftmals wiederum zu Verlusten führt, denn dann, wenn der Trader auf Basis der Emotion "Gier" in den Aktienmarkt eingestiegen ist, geht es meist wieder in die andere Richtung und weitere Verluste sind die Folge.

Trader oder gar Trader plus Wertpapierkredit?



Ein typischer Trader ist selten noch bei seiner Hausbank Kunde, bei der der Kauf von Wertpapieren erst einen Handelstag später in seinem Wertpapierdepot eingebucht wird, und demnach auch erst einen Handelstag später entschieden werden kann, ob die Position gehalten oder verkauft werden soll. Zudem ist die Gebührenstruktur der typischen Hausbank nicht auf schnelle Gewinne ausgerichtet, da für Ankauf und Verkauf von Wertpapieren oftmals mindestens ein halbes Prozent Provision zu zahlen ist.

Der typische Trader ist auf einer Onlinebank, einem Broker, der es dem Trader ermöglicht, seine Käufe und Verkäufe von Wertpapieren per Computer oder Tablet in Sekundenschnelle abzuwickeln. Viele dieser Onlinebanken weisen inzwischen ungefragt auf die Möglichkeit hin, Wertpapiere auch mithilfe eines Kredits zu tätigen. Die Risiken, die damit verbunden sind, werden in nachfolgendem Link detaillierter beschrieben (https://www.kredite.org/news/wertpapierkredit/). Die Möglichkeit, einen Wertpapierkredit in Anspruch zu nehmen, setzt den Trader noch mehr unter mentalen Druck. Zum einen muss er nämlich durch sein Trading auch noch die Zinsen mitverdienen, die der Wertpapierkredit mit sich bringt. Zum anderen läuft er Gefahr, dass nach erfolgter Inanspruchnahme des Kreditrahmens die Wertpapiere in seinem Wertpapierdepot an Wert verlieren.

Tritt dieser Fall ein, ist der Wertpapierkredit nicht mehr ausreichend mit dem Wert des Depots abgesichert und die Bank fordert dann entweder frisches Kapital, dass auf das Konto des Kunden fließt oder drängt zum Wertpapierverkauf. Dieser kommt dann zur Unzeit und die Realisierung der Wertpapierverkäufe bringt abermals Verluste für den Trader. Verluste, für die er dann auch noch Kreditzinsen zahlen muss. Damit hat der glücklose Trader dann seine Geschwindigkeit in Richtung finanziellem Ruin noch einmal gesteigert. Hier gibt es noch mehr Informationen rund ums Thema Wertpapierkredit.

Der etablierte Trader

Neulingen an der Börse, die versuchen, durch schnelles Handeln mit Aktien oder anderen Wertpapieren, Ihr Kapital zu steigern, kann nur dringend geraten werden, Ihre Strategien beim Trading zunächst mit sehr wenig Geld auszuprobieren und keinesfalls auf Wertpapierkredite zurückzugreifen. Auch verschiedene Möglichkeiten von Musterdepots oder Social Trading Produkten ermöglichen es dem Trader, als Neuling seine ersten Schritte auf dem rutschigen Börsenparkett zu gehen.

Eine Art Trockenübung, die aber eine erfolgreiche Strategieentwicklung erlaubt. In dem Moment allerdings, wenn reales und eigenes Geld eingesetzt wird, verändern sich die Emotionen und das Verhalten des Traders dennoch. Nur der diszipliniert vorgehende Trader mit einer funktionierenden Strategie und absoluter Selbstkontrolle wird am Ende erfolgreich sein.

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Autor: Stefan Hofmann Stefan Hofmann,
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