Weitere Meldungen
28.03.15 Hüfners Wochenkommentar: "The "New Normal.
28.03.15 Investmentideen – Öl-Spezial Part II
28.03.15 Baader Bond Markets: "Die EZB droht Athen d.
28.03.15 Auch der EuroStoxx 50 kämpft mit einem wic.
28.03.15 Warum hat man das nicht vorhergesehen?
28.03.15 Roths Standortbestimmung: "Eine Korrektur ist .
28.03.15 Halvers Woche: ''Die große Sehnsucht der apo.
28.03.15 Die Welt der Biotechs
28.03.15 EANS-Stimmrechte: Andritz AG
28.03.15 BWIN-Aktie dümpelt vor sich hin
28.03.15 EZB-Geldschwemme gerät in den Hintergrund
28.03.15 Anleihen: Warten auf die Entscheidung
27.03.15 Presse: Panasonic Healtcare an Bayers Blutzuc.
27.03.15 INDEX-MONITOR: CTS Eventim gewinnt MDax-.
27.03.15 ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Kleine K.
27.03.15 US Verbraucherstimmung Uni Michigan März
27.03.15 US BIP 4. Quartal
27.03.15 'WSJ': Intel in Gesprächen über Altera-Übernah.
27.03.15 DAX DOW vor dem Kursausbruch
27.03.15 DGAP-Stimmrechte: CANCOM SE (deutsch)


nächste Seite >>
 
Meldung
Warum die geplante Zinsanhebung der US-Notenbank den Kapitalmarkt wieder gerade rückt und ein gutes Zeichen für alle Anleger ist, beantwortet Martin Hüfner.

Seit der großen Finanzkrise 2008 gehen die meisten davon aus, dass sich die Welt grundlegend verändert hat.
Inflationsgefahren gehören der Vergangenheit an. Wir können froh sein, wenn es keine Deflation gibt. Die Zinsen sind niedrig, vielleicht sogar negativ. Die Aktien­märkte boomen über alles Vorstellbare hinaus. Auch anderes, was wir auf den Kapitalmärkten sehen, ist "verrückt". Der Altmeister des Anleihegeschäfts, Bill Gross, prägte das Wort vom "New Normal", der neuen Normalität. Das macht die Runde. Viele glauben es und versuchen sich, nolens volens darauf einzustellen.

Jetzt passiert aber etwas ganz Ungewöhnliches. Ausge­rechnet die US_amerikanische Notenbank Federal Reserve, der man das am wenigsten zugetraut hätte, stellt die These von der neuen Normalität in Frage. Sie will sich nicht mit den gegenwärtigen Verhältnissen auf den Märkten abfinden. Sie will zurechtrücken, was schief gelaufen ist. So jedenfalls interpretiere ich ihre Ent­schlossenheit, die Leitzinsen auch gegen mancherlei Widerstände und frühzeitiger als von den Märkten er­wartet zu erhöhen.

Wie ich auf die Idee komme? An den Finanzmärkten wird derzeit heftig über das Für und Wider des "Lift off" diskutiert, also der Anhebung der U-amerikanischen Leit­zinsen. Alle rätseln darüber, wann er kommt, wie stark er ausfällt und was er für die Finanzmärkte bedeutet. Wird er etwa zu einer Wiederholung des großen Crash von 1937 führen, als der Dow Jones in zwei Monaten um fast 50 Prozent herunterrauschte? Das hat der Gründer des Hedge-Fonds Bridgewater, Ray Dalio, kürzlich in einem Brief an seine Kunden an die Wand gemalt. Oder kom­men wir insgesamt mit einem blauen Auge davon?

Eine Frage aber wird gar nicht gestellt. Warum tut sich die Federal Reserve das Ganze überhaupt an? Warum will sie die Zinsen erhöhen und damit neue Risiken ein­gehen? Es zwingt sie doch niemand. Die Wirtschaft der USA läuft. Es gibt – auch am Arbeitsmarkt – keine grö­ßere Überhitzung. Die Inflation liegt unter Null. Da könn­te man einfach weitermachen wie bisher.

So neu ist die Welt nicht: Reales BIP gegen Vorjahr
1
in %, gleitende Durchschnitt, Quelle: Fred, eig. Berechnungen

So sieht das die Federal Reserve aber offenbar nicht. Sie ist der Meinung, dass sich die Welt gar nicht so sehr verändert hat. Die Wirtschaft folgt nach wie vor den alten Gesetzen. Schauen Sie sich die Konjunktur an (siehe Grafik). Sie bewegt sich gar nicht viel anders als früher. Durch die Flutung der Märkte mit Geld in den letzten Jahren sind aber neue Ungleichgewichte entstanden. Sie sind so groß, dass man sie nicht als "neue Normali­tät" verharmlosen kann. Sie müssen beseitigt werden, und zwar so schnell wie möglich.

Was die Federal Reserve will, ist dreierlei. Erstens müs­sen die Zinsen wieder steigen. Anhaltend niedrige Zin­sen führen zu Blasen an den Kapitalmärkten. Sie verzer­ren den Blick auf die Risiken und führen zu Fehlentwick­lungen in der Wirtschaft. Es gibt nicht den berühmten "Savings Glut" (Überschuss an Ersparnis über die Inves­tition), der die Zinsen zwangsläufig so niedrig hält. Als ersten Schritt fasst die Notenbank daher jetzt eine Er­höhung der Leitzinsen ins Auge.

Zweitens soll die Liquidität wieder auf ein vernünftiges Maß zurückgeführt werden. Geld muss knapp sein, sonst kommt es zu Preissteigerungen. Das alte Gesetz, dass eine zu große Geldmenge auf Dauer zu einer gro­ßen Inflation führt, gilt nach wie vor. Es war nur vorüber­gehend wegen der schlechten Konjunktur außer Kraft gesetzt. Im Augenblick drücken die niedrigen Ölpreise die Geldentwertung. Das darf aber nicht verschleiern, dass die Inflation nicht tot ist. Sie wird wiederkommen. Unsere Gesellschaft tendiert nach wie vor dazu, mehr zu fordern und zu konsumieren, als sie selbst erarbeitet und an Produkten herstellt. Früher oder später muss das zu höheren Löhnen und höheren Preisen führen.

Drittens soll die Geldpolitik insgesamt wieder auf Normal gestellt werden. Zinsen und andere Daten sollen sich am Markt bilden und nicht durch die Zentralbank mani­puliert werden. Die Wirtschaft ist nicht so schwach, dass sie die permanent geldpolitische Stimulantien benötigt. Es gibt keine säkulare Stagnation. Die geplante Zinser­höhung ist keine Restriktionspolitik, sondern nur eine Normalisierung. Die Anleger sollen sich wieder an den Gegebenheiten der Wirtschaft orientieren, nicht an den Überlegungen der Zentralbank.

Die alten Tugenden gelten also noch, vor allem die Ver­pflichtung der Zentralbank nicht nur für einen stabilen Finanzmarkt zu sorgen, sondern ganz traditionell auch für einen stabilen Geldwert.

Für Anleger ..

.. sind das gute Nachrichten. Die Zeit des extremen Anlagenotstands, wie wir ihn derzeit ha­ben, dauert nicht ewig. Ein erster Lichtschein am Ende des Tunnels ist erkennbar. Auch die "verrückten" Ver­hältnisse auf den Kapitalmärkten mit negativen Zinsen werden auf Dauer nicht so bleiben. Die alten Grundsätze des Anlegens mit vernünftigen Zinsen sind nicht Vergan­genheit. Der Rentenmarkt wird daher auch für "Otto Nor­malverbraucher" wieder interessant werden.

Umgekehrt werden die Aktien auch nicht immer so boo­men. Freilich wird es Jahre dauern, bis das "Old Normal" wieder er­reicht ist. Die USA fangen mit dieser Umstel­lung jetzt an. Die Europäer werden nach dem Auslaufen des Wertpa­pierkaufprogramms im nächsten Jahr folgen. Kurzfristig muss sich jeder Investor bei steigenden Zin­sen freilich zunächst einmal auf unruhigere Zeiten ein­stellen.

von Martin Hüfner, Assenagon





 

•

Kurssuche
Status: nicht eingeloggt

Registrieren | Passwort vergessen?