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WKN: PET111 ISIN: DE000PET1111
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Meldung
Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Die Experten vom "Geldanlage-Report" nehmen die PETROTEC-Aktie (ISIN DE000PET1111 / WKN PET111 ) unter die Lupe.


Die Aktie des Biodiesel-Produzenten PETROTEC habe in den letzten drei Monaten um unglaubliche 917 Prozent zugelegt. Seit der Besprechung in der letzten Monatsausgabe des "Geldanlage-Reports" vor einer Woche habe sich der Kurs abermals verdoppelt.

PETROTEC sammle bei über 12.000 Restaurants in Deutschland Altspeisefett ein und verarbeite dieses zu Biodiesel weiter. Damit sollte das Unternehmen eigentlich eine große politische Lobby haben, denn ohne Zweifel sei diese Herstellungsart umweltfreundlicher als die herkömmliche Biodieselherstellung aus Mais oder Raps. Statt Nutzpflanzen, die für die Lebensmittelversorgung eingesetzt werden könnten, sei der Rohstoff bei PETROTEC Abfall. Eine bessere Ökobilanz gehe kaum.

Doch in der Vergangenheit sei in Punkto staatlicher Unterstützung Fehlanzeige gewesen. Trotzdem müssten PETROTEC und seine kleineren Mitstreiter in Deutschland 18 Cent Steuern pro verkauften Liter Biodiesel abdrücken. Das sei ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber der ausländischen Konkurrenz.

Unter anderem deshalb habe PETROTEC neben Biodiesel in den letzten beiden Jahren vor allem Eines produziert: Exorbitante Verluste (41,8 Mio. Euro in 2008, 13 Mio. Euro in 2009), die dem Unternehmen fast die Existenz gekostet hätten. Bereits im September 2009 sei der Bargeldbestand auf unter eine Mio. Euro gesunken. Gleichzeitig hätten kurzfristige Verbindlichkeiten in zweistelliger Millionenhöhe vor der Fälligkeit gestanden.

Das Schicksal von PETROTEC habe fortan in den Händen der ebenfalls angeschlagenen deutschen Industrie- und Kreditbank IKB sowie des israelischen Großaktionärs IC Green Energy gelegen. Diese hätten sich tatsächlich auf einen Deal geeinigt, in dessen Rahmen die IKB gegen eine Ausgleichszahlung von 2,2 Mio. Euro auf eine Rückzahlung von 18,5 Mio. Euro verzichtet habe.

Damit sei das Überleben zunächst gesichert gewesen. Mehr noch: Der daraus resultierende außerordentliche Ertrag von 16,3 Mio. Euro habe PETROTEC im ersten Quartal weit in die Pluszone gehievt. Ausgewiesen worden sei am Mittwoch ein Nettogewinn von 13,7 Mio. Euro oder 1,18 Euro je Aktie. Daraufhin hätten sich kurzfristig orientierte Trader auf die Aktie gestürzt und das Papier auf neue Hochs getrieben.

Stutzig mache dabei vor allem die Tatsache, dass die Aktie erst in den letzten Tagen und Wochen so richtig abgehoben habe. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Forderungsverzichts am 23. Februar sei der Kurs nur bis 0,45 Euro gestiegen und habe dann bis zum 12. März zwischen 0,30 und 0,45 Euro gedümpelt. Zu diesem Zeitpunkt sei der entscheidende Faktor für den jetzigen Kursanstieg bereits bekannt gewesen.

Den nächsten Kursschub habe es dann Mitte April gegeben, als der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Günther Rau im Rahmen des Unternehmensbesuchs von Cem Özdemir (Bundesvorsitzender der Grünen) für 2010 eine schwarze Null angekündigt habe. Die jüngste Verdopplung sei nun wohl der Veröffentlichung der Zahlen fürs erste Quartal 2010 zuzuschreiben. Doch seien diese wirklich so gut, dass sie eine Marktkapitalisierung von 43 Mio. Euro rechtfertigen würden?

Die Experten hätten hier große Zweifel, denn operativ habe PETROTEC auch in den ersten drei Monaten des neuen Jahres rote Zahlen geschrieben. Der Umsatzanstieg auf 13,6 Mio. Euro bedeute zwar eine enorme Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert von 5,7 Mio. Euro, allerdings nur von einer tiefen Basis aus.

Das Betriebsergebnis liege bei minus 847.000 Euro. Noch deutlicher werde die Verlustträchtigkeit des Geschäfts bei Cash-Flow. Aus dem operativen Geschäft sei ein Netto-Mittelabfluss von 3,2 Mio. Euro zu beklagen gewesen.

PETROTEC hänge also weiter am Tropf des Großaktionärs. Daraus werde im Quartalsbericht kein Hehl gemacht: "Zur Verbesserung der Finanzlage hatte die IC Green Energy Ltd. zu Beginn des Geschäftsjahres 2010 zusätzliche Darlehen über eine Gesamtsumme von 4 Mio. Euro an PETROTEC gewährt, von denen 2 Mio. Euro bereits ausgezahlt worden sind. Dennoch ist die Lage der PETROTEC weiter als angespannt zu bewerten."

In einschlägigen Börsenforen herumgereichte Behauptungen, wonach PETROTEC nun "komplett schuldenfrei" sei, seien leider falsch. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten hätten sich durch den Deal zwar auf eine Mio. Euro verringert. Im Gegenzug seien aber die langfristigen Verbindlichkeiten aufgrund der neuerlichen Darlehen um knapp die Hälfte auf 15,6 Mio. Euro gestiegen.

Damit würden alleine die langfristigen Verbindlichkeiten höher als das gesamte Eigenkapital von 11,4 Mio. Euro liegen. Die Eigenkapitalquote liege bei akzeptablen aber immer noch niedrigen 31 Prozent.

Mit liquiden Mitteln von 1,3 Mio. Euro und einer offenen Kreditlinie in Höhe von zwei Mio. Euro sei PETROTEC nur scheinbar sorgenfrei. Schließlich entspreche dieser Betrag gerade mal dem Mittelabfluss aus dem ersten Quartal.

Mit anderen Worten: Auch ein zusätzlicher weiterer Finanzbedarf sei nicht auszuschließen. Der ließe sich dann aber wohl nur über eine Kapitalerhöhung decken. Deren Bedingungen wiederum dürfte IC Green Energy diktieren. Die Israelis wären dann natürlich an einen möglichst tiefen Kurs interessiert.

Allerdings gebe es erste Anzeichen für eine Verbesserung im operativen Geschäft - und zwar in Form einer Richtlinie mit dem Kennzeichen 2009/28/EG. Diese sehe Doppelvergütungen für Biodiesel auf Basis von Abfallstoffen vor, sofern dieser als Beimischung zu fossilen Brennstoffen verwendet werde.

Neu sei das allerdings auch nicht. Der EU-Beschluss stamme aus dem April 2009. Immerhin, die Niederlande und Frankreich seien so zu einem "attraktiven wie potenziellen Markt" für PETROTEC geworden, heiße es im Quartalsbericht weiter.

Ob das aber angesichts des unverändert hohen Preisdrucks in der Branche bereits für einen Sprung in die Gewinnzone reiche, scheine fraglich. Eine konkrete Prognose für das Erreichen der Gewinnzone suche man im Quartalsbericht entsprechend vergebens.

Zum jetzigen Zeitpunkt scheint bei der PETROTEC-Aktie unter Berücksichtigung der verbesserten Perspektiven mit etwas Wohlwollen eine Bewertung mit dem zweifachen Buchwert angemessen, so die Experten vom "Geldanlage-Report". Das entspräche einer Marktkapitalisierung von ca. 23 Mio. Euro und damit einem Kurs von ca. 1,90 Euro. (Analysevom 20.05.2010) (20.05.2010/ac/a/nw)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten: Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.


 

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