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| 06.08.08 | First Solar - Wie teuer darf eine Aktie sein!. |
| 05.08.08 | First Solar - Wie teuer darf eine Aktie sein!? |
| Meldung |
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*Was die Statistik sagt
Kann man mit einer solchen Aktie
wirklich Geld verdienen. Schauen wir uns die Statistik an. Die Referenz heißt
hier James P. O`Shaughnessy, der über einen Zeitraum von 50 Jahren und mehr
untersucht hat, wie sich fundamentale Bewertungskennzahlen auf die künftige
Performance von Aktien auswirken. Er hat hierzu alle börsennotierten
Aktien im betreffenden Jahr - abgestuft nach der Bewertung - in Dezilen
aufgeteilt. Das heißt: Die 10 Prozent aller Aktien mit der niedrigsten
Bewertungskennzahl kamen in Dezile 1, die mit der nächsthöheren Bewertung in
Dezile 2 etc. Der irisch-stämmige Wissenschaftler und erfolgreiche Fondsmanager
hat sich dabei nicht auf Prognosen verlassen, sondern nur tatsächlich im letzten
Jahr erzielte Gewinne und Umsätze verwendet. Die Ergebnisse sind frappierend: Wer
immer die Aktien mit niedrigen Bewertungskennzahlen kauft, fährt um ein
Vielfaches besser als der, der auf Aktien mit hoher Bewertung setzt. Oder anders
ausgedrückt: Fakten sind wichtiger als Wachstumsfantasie. Dabei gilt diese Grundregel quer
durch die verschiedenen fundamentalen Bewertungskennzahlen, also für die
besprochenen KGV und KUV aber auch für das Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV) und
das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Die Ergebnisse von O`Shaughnessy
sind dabei äußerst signifikant. Beispiel KGV: Nicht nur ist die durchschnittlich
erzielbare Rendite bei den 10 Prozent aller Aktien mit dem niedrigsten KGV
deutlich höher als bei den teuersten 10 Prozent aller Aktien (15,36 Prozent
kumulierter Ertrag per anno gegenüber 8,93 Prozent per anno). Die Rendite nimmt
vom günstigsten bis zum teuersten Dezil konstant ab. Das erste Dezil ist besser
als das Zweite besser als das Dritte besser als das Vierte etc.
Beim KUV sind die
Renditeunterschiede sogar noch größer (17,46 Prozent kumulierter Ertrag per anno
in der ersten Dezile gegenüber 3,12 Prozent per anno in der niedrigsten). Auch
hier nimmt die erzielbare Rendite von Dezile zu Dezile konstant ab. Auch hier
sind die Ergebnisse statistisch hoch signifikant. Platisch wird das, wenn man das
Ganze mal für den ganzen Studienzeitraum durchrechnet. Beispiel KUV: Wer am
1.1.1951 50 Aktien aus der Dezile mit dem damals niedrigsten KUV gekauft, ein
Jahr gehalten und dann zu Beginn des Folgejahres das Ganze wiederholt hat, der
hat aus einer Anfangsinvestition von 10.000 US-Dollar bis zum Jahr 2003 43
Millionen US-Dollar gemacht. Wären dagegen jeweils am
Jahresbeginn 50 Aktien aus der Dezile mit den höchsten KUVs erworben worden,
wären 53 Jahre später aus 10.000 US-Dollar nur enttäuschende 49.482 US-Dollar
geworden. Bei der riesigen Differenz in
absoluten Zahlen spielt natürlich der Zinseszins-Effekt eine wichtige Rolle.
Trotzdem wird schön deutlich wie extrem die Performance-Unterschiede auf Dauer
sind. Das heißt im Ergebnis: Mittel- und
langfristig ausgerichtete Anleger sollten Aktien wie First Solar eigentlich
immer meiden! *Warum teure Aktien sich auf Dauer
schlecht entwickeln Woran aber liegt es, dass sehr teure
Aktien mittel- und langfristig so schlecht performen? Hier gibt es einen ganzen Strauß von
Gründen. Mit der wichtigste: Anleger machen den Fehler, das aktuelle Wachstum
quasi unbeschränkt in die Zukunft fortzuschreiben und lassen sich von einer
guten "Story" blenden. Zurück zu First Solar. Auch wenn die
Aussichten vordergründig glänzend sind, lauern hier verschiedene Risiken -
branchenspezifisch und unternehmensspezifisch. Die Gewinnmargen in der Branche
selbst werden künftig unter Druck kommen, weil die Herstellungskosten immer
weiter sinken und damit der mögliche Ertrag je produzierter Zelle oder
produziertem Modul sinken. Auch die Preismacht von First Solar schrumpft damit.
Nach wie vor ist die Branche von
Subventionen abhängig. Nach Deutschland hat nun auch Spanien eine deutliche
Kürzung der staatlichen Unterstützung beschlossen. In den USA scheiterte im
Parlament jüngst auch der siebte Versuch größere Steuergutschriften für Solar-
und Windaktien durchzusetzen. Dies könnte das Wachstum im Sektor deutlich
verlangsamen. Hinzu kommt: Die technologische
Weiterentwicklung im Solarsektor geht rasend schnell vonstatten. Noch gilt die
Cadmium-Tellurid-Herstellungsmethode von First Solar als das Maß der Dinge. Aber
am Horizont zeigen sich bereits interessante Weiterentwicklungen. First Solar
dampft seine Dünnschicht immer noch auf herkömmliches dickes Glas auf, das zu
schwer für Hausdächer ist. Start-Up CSG Solar entwickelt eine
Technologie bei der eine dünne Schicht amorphes Silizium direkt auf Glas
aufgebracht wird. Wafer könnte so überflüssig werden. Das wäre revolutionär.
Ascent Solar und Miasole
experimentieren mit einer Kupfer-Indium-Gallium-Dieslenid (CIGS)-Mischung bei
der Herstellung von Solarzellen. Ist diese am Ende besser als das von First
Solar verwendete Cadmium-Telluride? Noch interessanter: Nano-Solar, das
bereits zweistellige Millionensummen an Venture-Capital-Geldern erhalten hat,
entwickelt eine Technologie mit der die CIGS-Mischung mit Hilfe von Nano-Tinte
auf extrem stark leitende Folien aufgedruckt wird. Die Gründer von Google haben
hier über ihre Firma beispielsweise in dieses Unternehmen investiert.
Last but not least wird momentan mit
sogenannten Konzentratoren experimentiert. Dabei handelt es sich um Linsen, die
die Strahlung der Sonne um das 100-fache vergrößern können und damit nie zuvor
erreichte Wirkungsgrade aufweisen. Auch wenn es momentan gar nicht
danach aussieht: Vielleicht wird eine der beschriebenen Weiterentwicklungen die
Technologie von First Solar irgendwann komplett obsolet machen. Vielleicht
arbeitet auch irgendwo im Verborgenen ein Konkurrent an einer revolutionären
Technologie, die heute noch gar nicht im Gespräch ist. Derartige Möglichkeiten werden von
den glühenden Verfechtern von Aktien wie First Solar meist gar nicht in Betracht
gezogen. Aus Begeisterung über die tolle Entwicklung des "eigenen" Unternehmens
werden externe Bedrohungen schlicht ignoriert. Das ist gefährlich.
*First Solar verkaufen?
Sollten Aktionäre die Aktie aber
deswegen umgehend verkaufen? Nein, das sollten Sie nicht, und hier kommen wir
wieder auf die eingangs gestellte Problemstellung zurück: Auch wenn die Aktie
bewertungstechnisch enorm teuer ist, die Statistik gegen das Papier spricht und
in der Zukunft Gefahren durch neue Konkurrenz drohen dann kann die Aktie
trotzdem kurzfristig weiter steigen. Noch ist von einer Verlangsamung des
Wachstums nichts zu erkennen. Noch werden die Prognosen der Analysten
übererfüllt, noch wird die Umsatz- und Gewinnprognose regelmäßig erhöht. Noch
notiert die Aktie in der Nähe ihrer Allzeit-Hochs. Wenn weitere gute News
kommen, dürfte das Allzeit-Hoch bei 317 US-Dollar bald geknackt werden, was
wiederum ein neues charttechnisches Kaufsignal nach sich zöge und damit weiteres
Kaufinteresse von Tradern und Spekulanten. Es ist auch nicht auszuschließen,
dass die Aktie tatsächlich die neuen Kursziele der Analysten von bis zu 450
US-Dollar erreichen wird - und das womöglich in relativ kurzer Zeit.
Wichtig ist nur, dass Anleger
wissen, was Sie tun! Das heißt, wenn Sie eine solche Rakete im Depot haben,
sollten Sie auch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen beachten: Sie sollten
wissen, dass Sie eine schlechte Langfrist-Prognose mit einer Aktie haben, die so
teuer ist wie First Solar und entsprechend mit relativ engen Stopps operieren.
Reiten Sie den Bullen solange wie Sie sich im Sattel halten können. Aber ziehen
Sie die Konsequenzen wenn Sie abgeworfen werden. Ich erinnere mich mit Schaudern an
Forumsbeiträge von CMGI-Aktionären, die im Freudentaumel über die damaligen
Kursgewinne schrieben, Sie wollen die Aktie zehn Jahre und länger halten.
Inzwischen hat der einstige
Internet-Darling von seinen Hochs 99 Prozent an Wert verloren. Legendär ist auch
der Ausruf eines Fondsmanagers mit Kursziel 1.000 Euro für die Morphosys-Aktie
mitten im Biotech-Hype nach der Jahrtausendwende. Der aktuelle Kurs des Papiers:
47,40 Euro.
- Die Bäume wachsen nicht in den
Himmel - auch wenn es bei manchen Aktien kurzfristig so aussehen mag.
- Sehr hoch bewertete Aktien
entwickeln sich mittel- und langfristig meist sehr schlecht.
- Kurzfristig können Sie jedoch hohe
Gewinne mit solchen Papieren einfahren. - Voraussetzung ist, dass Sie wissen,
was Sie tun, die richtigen Einstiegssignale beachten, ein sinnvolles
Positionsmanagement betreiben und konsequent verkaufen, wenn der Stopp-Loss
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