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Meldung

Immer neue Zölle sowie Turbulenzen in einigen Schwellenländern lassen die meisten Rohstoffpreise fallen. Selbst Gold ist trotz der Unsicherheiten nicht gefragt. Lediglich der Ölpreis zeigt sich fester.

 

Die schwache Entwicklung der meisten Rohstoffe hat sich auch in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Die große Ausnahme ist Öl. "Währungsturbulenzen und eingetrübte Wachstumsaussichten wichtiger Schwellenländer bergen Ansteckungsgefahren, so dass viele Investoren vorerst wohl gegenüber einem breiten Engagement in Rohstoffen zurückhaltend bleiben", kommentiert Heinrich Peters von der Helaba. Der Bloomberg Commodity Index, der Anfang Juni noch bei über 90 Punkten stand, liegt am Mittwochmorgen bei 83 Punkten.

 

Nur der Ölpreis ist zuletzt wieder kräftig gestiegen, vergangene Woche kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent kurzzeitig wieder mehr als 80 US-Dollar, aktuell sind es 79,04 US-Dollar. Auslöser für den Preisanstieg sind unter anderem die neuen Iran-Sanktionen der USA und Ausfälle durch die Krise in Venezuela. Noch im Sommer 2017 lag der Preis bei 45 US-Dollar.

 

"Die Marktteilnehmer fürchten weiter, dass die US-Sanktionen ab November den Iran vom Markt abschneiden und die Versorgungslage merklich verschlechtern werden", bemerkt Daniel Briesemann von der Commerzbank. Auftrieb erhalte der Preis zusätzlich vom hohen spekulativen Kaufinteresse.

 

ETC-Anleger sind allerdings skeptischer: Öl-ETCs (WKN A0KRMN, A1N49P) wurden Wisdom Tree zufolge in den vergangenen vier Wochen verkauft, auch seit Jahresanfang dominieren ganz klar die Abflüsse.

 

Kein "sicherer Hafen" Gold

 

Kaum bewegt hat sich unterdessen der Goldpreis. Die Feinunze kostet aktuell 1.202 US-Dollar und damit in etwa so viel wie vor vier Wochen. Am Markt ist die große Frage, warum Gold nicht auf die Währungskrise in einigen Schwellenländern reagiert hat.

 

Die DekaBank rechnet auch weiterhin nicht mit anziehenden Notierungen: "Mit leicht steigenden Zinsen werden die Opportunitätskosten der Goldhaltung höher, Gold wird also in Relation zu anderen Anlageklassen unattraktiver", stellt Dora Borbe╠üly fest. Zugleich sei aber die politische Unsicherheit weiterhin recht hoch. "Am Ende wird man am Goldmarkt all diese Faktoren gegeneinander abwägen. Aus unserer Sicht erscheint es am wahrscheinlichsten, dass der Goldpreis moderat fallen wird." Auf lange Sicht traut die Bank Gold nicht viel mehr als einen Inflationsausgleich zu.

 

Hinwendung zu Gold nach hohen Abflüssen

 

"Gold dürfte den Boden weitgehend ausgelotet haben", meint hingegen Peters von der Helaba. Nicht nur die Marktpsychologie, sondern auch die fundamentalen Bedingungen sprächen für eine baldige Erholung des Goldpreises. Vor allem dürften sich die Währungen der Länder, die in den letzten Jahren viel Gold gekauft haben, allmählich stabilisieren und die Nachfrage wieder steigen lassen. Für das erste Quartal 2019 prognostiziert die Bank 1.420 US-Dollar. Wisdom Tree meldet für die vergangenen Wochen für Gold-ETCs (WKN A0S9GB, A0N62G, A1MECS) Zuflüsse, seit Jahresanfang sind allerdings deutliche Abflüsse zu verzeichnen. Der Goldbestand von Xetra-Gold (WKN A0S9GB) liegt derweil aktuell bei 179 Tonnen und damit nur knapp unter dem Rekordhoch.

 

Silber hat seinen Abwärtstrend fortgesetzt, der Preis liegt aktuell bei 14,22 nach 14,74 US-Dollar vor vier Wochen. Das ist der tiefste Stand seit Anfang 2016. Auch Platin, wie Silber wichtig für die Industrie, schwächelt. Mit aktuell 818 US-Dollar bewegt sich der Preis weiter auf dem Niveau des Zehnjahrestiefs. Palladium hat sich hingegen von seinem Tief Mitte August bei 846 US-Dollar deutlich erholt und kostet wieder 1.016 US-Dollar die Feinunze. Anleger trennten sich laut Wisdom Tree von Platin-ETCs (WKN A0N62D), setzten aber wieder auf Silber-Produkte (WKN A0N62F).

 

Handelsstreit belastet

 

Die Industriemetallpreise bleiben wegen des Handelsstreits unter Druck. Anfang dieser Woche kündigte US-Präsident Trump an, ab dem 24. September chinesische Einfuhren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar mit einem Zollsatz von 10 Prozent zu belegen. Sollte es keine Lösung in den kommenden Monaten geben, können die Zölle ab Januar sogar auf 25 Prozent steigen.

 

"Die chinesische Wirtschaft, Währungsturbulenzen, der Handelskonflikt und die Russland- Sanktionen lassen neben dem US-Dollar und der weiteren Entwicklung diverser anderer Schwellenländer die Aussichten von Industrierohstoffen wenig berechenbar erscheinen", meint Peters. So würden von einigen Marktteilnehmern erneute Preissprünge bei Aluminium erwartet, da die US-Sanktionen gegen russische Unternehmen und Personen beim weltweit größten Aluminiumproduzenten Rusal zu erheblichen Lieferausfällen führen könnten. "Andererseits gibt es größere Fragezeichen bei einem wichtigen Treiber der Nachfrage von Primärmetallen, der Pkw-Nachfrage in China." Mit Ausnahme von Zink wiesen überdies zur Jahresmitte alle Industriemetalle erstmals wieder sichtbare Produktionsüberschüsse auf.

 

Bei Industriemetallkorb-ETCs kam es zu den höchsten Abflüssen seit Februar dieses Jahres, wie Wisdom Tree meldet. "Die Anleger scheinen nach wie vor einen Nachfrageeinbruch infolge des schwelenden Handelskrieges zu befürchten", bemerkt Nitesh Shah.

 

von: Anna-Maria Borse

20. September 2018, © Deutsche Börse AG



 

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