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Meldung
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die anhaltende Diskussion über ethische Aspekte des Handels mit Agrarrohstoffen erreicht nun auch Anleger, so die Deutsche Börse AG.


"Erste Käufer interessieren sich gezielt für marktbreite ETCs, die landwirtschaftliche Rohstoffe ausschließen", berichte Florian Perini. Zuletzt habe die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch das Thema in den Vordergrund gerückt und in einer PR-Aktion mit dem Credo "Hände weg vom Acker, Mann" Josef Ackermann aufgefordert, die Beteiligung der Deutschen Bank an der Spekulation mit Nahrungsmitteln zu stoppen. Medien zufolge habe Ackermann mit der Ankündigung einer gründlichen Überprüfung des Themas und gegebenenfalls entsprechenden Konsequenzen reagiert.

"Auch auf Druck des französischen Präsidenten Sarkozy ist die EU in dieser Angelegenheit im vergangenen Jahr bereits aktiv geworden", wisse Perini. Mit dem nun vorliegenden Richtlinienentwurf soll die Spekulation von Lebensmitteln eingedämmt und teilweise ganz unterbunden werden", bemerke der Händler von Flow Traders. Eingebunden würden die Regeln nach Verabschiedung in die bestehende europäische Finanzmarktregulierung MiFID, kurz für "Markets in Financial Instruments Directive".

Das Hauptaugenmerk hätten Rohstoffanleger derzeit indes auf das politische Parkett rund um den EU-Gipfel und die Rettung des Euros gerichtet. "Die Risikoneigung der Rohstoffinvestoren verändert sich beinahe täglich, abhängig von der politischen Nachrichtenlage", beobachte ETF Securities. Auch sei die Reaktion auf den Rückgang des Wirtschaftswachstums Chinas auf 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr überzogen ausgefallen. Das strukturelle Wachstum in den Schwellenländern werde vermutlich mittelfristig die Rohstoffnachfrage treiben. "Auf kurze Sicht kann die sich anbahnende Abkühlung der europäischen Konjunktur die Risikobereitschaft beim Anleger reduzieren", beschreibe der größte europäische Anbieter von verbrieften Rohstoffen, so genannten ETCs.

Den Höhenflug beim Ölpreis zum vierten Tag in Folge begründe Eugen Weinberg mit der Erwartungshaltung an die Ergebnisse des am heutigen Mittwoch anstehenden EU-Gipfels. Der Ölpreis für ein Barrel der Nordseesorte Brent habe am Morgen 111,25 US-Dollar gekostet, ein Fass der US-Rohölsorte WTI sei mit 93,42 US-Dollar auf den höchsten Wert seit Anfang August gestiegen. Diese Vorschusslorbeeren für einen schlüssigen Fahrplan aus der Eurokrise halte der Rohstoffspezialist der Commerzbank für überzogen. "Auch deshalb bestehen für den Preis des schwarzen Goldes Abwärtsrisiken", gebe Weinberg zu bedenken.

Preisstützend wirke die Verringerung der Lagerbestände in den USA um 25 Prozent seit dem Rekordniveau aus dem Frühjahr. Zudem könnte der Wirbelsturm Rina, der nach aktuellen Berechnungen zum Ende der Woche den Golf von Mexiko erreichen werde, zu vorübergehenden Produktionsausfällen führen. Der Preis der Sorte Brent werde dagegen von der Abschwächung der Nachfragedynamik in Asien zurückgehalten. Auch in Japan, dem weltweit drittgrößten Ölverbrauchsland, seien die Ölimporte im September um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr habe China ebenfalls im dritten Quartal 1,6 Prozent weniger Öl eingeführt und importiere zudem weniger Ölprodukte.

Im Handel würden Anleger in der dritten Woche in Folge bearishe Erwartungen an den Ölpreis signalisieren. ETF Securities berichte von Rückflüssen auf Wochensicht im Wert von insgesamt 15,8 Millionen US-Dollar beim ETFS Crude Oil (ISIN DE000A0KRJX4 / WKN A0KRJX ) und beim ETFS Leveraged Oil (ISIN DE000A0V9YX2 / WKN A0V9YX ). Acht Millionen US-Dollar stärker präsentiere sich zudem der ETFS Short Crude Oil (ISIN DE000A0V9XY2 / WKN A0V9XY ), mit dem Investoren an fallenden Kursen partizipieren würden.

Mit Preissteigerungen würden Anleger aber scheinbar bei Erdgas rechnen. Von einem Kaufüberhang berichte Florian Perini etwa bei den Erdgas-ETCs ETFS Natural Gas (ISIN DE000A0KRJ36 / WKN A0KRJ3 ) und ETFS Leveraged Natural Gas (ISIN DE000A0V9Y32 / WKN A0V9Y3 ). Seit drei Wochen gebe es Zuflüsse in die verbrieften Erdgas-Engagements im Wert von insgesamt 21,7 Millionen US-Dollar, wie ETF Securities berichte. Die Erdgaspreise wären zuletzt gefallen, nun stehe aber der Winter vor der Tür. "Anleger positionieren sich für die zu erwartenden wetterbedingten Preisschübe", würden die Analysten vermuten.

Der Rutsch des Silberpreises von über 21 Prozent im vergangenen Monat löse bei Anlegern gegenwärtig Kauflust aus. ETF Securities berichte von erhöhter Nachfrage etwa beim ETFS Silver (ISIN DE000A0KRJ51 / WKN A0KRJ5 ) und beim ETFS Physical Silver (ISIN DE000A0N62F2 / WKN A0N62F ). Unterm Strich seien Silber-ETCs um 50 Millionen US-Dollar in den vergangenen drei Wochen auf insgesamt 1,6 Milliarden US-Dollar gewachsen. "Der Preis des Edelmetalls scheint sich um die 31 US-Dollar pro Feinunze einzupendeln", erkenne ETF Securities.

Wenig Interesse hätten Anleger in der vergangenen Handelswoche an Gold gezeigt, für das ETF Securities Abflüsse von 15,8 Millionen US-Dollar registriere. Investoren hätten sich tendenziell etwa vom ETFS Physical Gold (ISIN DE000A0N62G0 / WKN A0N62G ), vom ETFS Physical Swiss Gold Securities (ISIN DE000A1DCTL3 / WKN A1DCTL ) und vom ETFS Gold (ISIN DE000A0KRJZ9 / WKN A0KRJZ ) getrennt.

Unmittelbar vor dem EU-Gipfel habe der Goldpreis dennoch deutlich zugelegt und sei zwischenzeitlich über die Marke von 1.700 US-Dollar auf den höchsten Stand seit etwa fünf Wochen geklettert. "Das Edelmetall gewann mehr als 3 Prozent, nachdem das für heute geplante Treffen der EU-Finanzminister kurzfristig abgesagt wurde", erkläre Weinberg den schnellen Anstieg. Fälschlicherweise sei dies von einigen Marktteilnehmern in einer ersten Reaktion auch als Absage des gesamten EU-Gipfels gewertet worden. "Erst im späteren Handelsverlauf legte sich die Aufregung wieder." (26.10.2011/fc/a/e)


 

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