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Meldung
Hüfner erörtert den Einfluss der Marktkräfte auf den Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar und weshalb sich die USA langfristig nicht sorgen müssen.

Der US-Dollar hat in den letzten Wochen kräftig aufgewertet.
Das ist für die Europäer ein Geschenk Gottes. Es stärkt die Exporte und hilft damit der Kon­junktur. Es bringt über höhere Einfuhrpreise die Infla­tionsrate aus dem Gefahrenbereich der Deflation. Aus europäischer Sicht könnte das so weitergehen. Tat­säch­lich gibt es auch Prognosen, die den US-Dollar in Rich­tung 1,20, später auch in Richtung auf Parität gehen se­hen (zum Beispiel von Goldman Sachs).

Aber was sagt die US-amerikanische Regierung dazu? An den Devisenmärkten hört man immer wieder Stimmen, sie könnte gegen diese Wechselkursbewegung Ein­spruch erheben, weil dadurch Arbeitsplätze in den USA in Gefahr gerieten. Wenn es dazu kommen sollte, dann könnte die Rallye des Dollars bald zu Ende sein. Müs­sen wir uns darauf einstellen?

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Ich glaube nicht, dass die Vereinigten Staaten sich gegen die Höher­bewertung ihrer Währung wehren werden. Jedenfalls nicht, solange sich die Entwicklung in der gegen­wärtigen Größenordnung bewegt.

Hier ein paar Gründe:

Erstens ist der Euro auch bei den gegenwärtigen Kursen noch relativ hoch bewertet. In den vergangenen vier Jahren war der US-Dollar schon zwei Mal bis auf 1,22 zurückge­fallen, ohne dass die US-Amerikaner protestiert hätten. Die Grafik zeigt, dass sich der Wechselkurs des Euros nach wie vor in dem Band bewegt, in dem er sich seit der Fi­nanzkrise 2008 befindet. Die Kaufkraftparität des Euros gegenüber dem US-Dollar liegt derzeit nach den Schät­zungen der OECD mit 1,11 US-Dollar je Euro immer noch deutlich unter dem aktuellen Wechselkurs.

Noch hohe Bewertung des Euros Euro/US-Dollar-Kurs (bis 1998 aus DM abgeleitet)
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Quelle: Bundesbank, eigene Berechnung

Zweitens: Die Abwertung des Euros ist Ergebnis der Marktkräfte, nicht Folge einer bewussten Wechselkurs­politik. Es gibt zwar ein paar Stimmen, die für einen schwächeren Euro plädieren (zum Beispiel der franzö­sische Notenbankpräsident Noyer). Es gibt aber genau­so viele, die dagegen sind (zum Beispiel die früheren EZB-Chefvolkswirte Issing und Stark).

Die Marktkräfte sind so stark und eindeutig wie selten. In den USA ist das Wirtschaftswachstum wesentlich größer als in Europa. Die dortigen Zinsen sind höher. Sie werden im kommenden Jahr steigen, in Europa eher sinken. Gegen solche Kräfte kann sich selbst eine US-ame­rikanische Regierung nicht wehren. Eigentlich ist es ver­wunderlich, dass der US-Dollar nicht schon vorher gestiegen ist. Es lag daran, dass amerikanische Investoren lange Zeit auf die Erholung der südeuropäischen Peripherie­länder setzten und dort viel Geld anlegten. Jetzt realisie­ren sie die Gewinne dort und holen ihr Geld zurück.

Drittens: Die US-Amerikaner sind schon aus Eigeninteresse darauf bedacht, dass die Konjunkturankurbelungsmaß­nahmen in Europa Erfolg haben. Der alte Kontinent ist ein wichtiger Handelspartner der USA. Viele amerikani­sche Firmen haben Direktinvestitionen in Europa, die hier Geld verdienen sollen. Zudem brauchen die USA einen starken Partner Europa, um ihre weltpolitischen Ziele durchzusetzen.

Viertens: Der Einfluss eines starken US-Dollars auf die Arbeitsplätze ist eher beschränkt. Die Ex­porte machen in den USA nur 15 Prozent des Bruttosozialprodukts aus.

Umgekehrt ist die Aufwertung der Währung auch ein Zeichen der Stärke der Vereinigten Staaten. Viele US-Ame­rikaner sind stolz, wenn ihre Währung in der Welt geach­tet wird. Das spielt gerade in Zeiten des Wahlkampfes eine Rolle, der jetzt gerade wieder im Gang ist.

Fünftens: Die USA hat auch nicht interveniert, als der japanische Yen in den letzten eineinhalb Jahren abwertete. Das hat mich damals gewundert. Japan ist auch ein wichtiger Handelspartner der USA. Die Abwertung machte beträchtliche 20 Prozent aus. Zudem waren es im Falle Japans nicht die Marktkräfte, die die Währung schwächten, sondern eine bewusste Politik der Regierung. Offenbar überwog bei den US-Amerikanern das Interesse, dass Japan aus seinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten wieder herauskam.

Sechstens schließlich: Viel spricht dafür, dass es sich bei der Abwertung des Euros nicht um einen langfristi­gen Trend handelt, sondern um eine temporäre Korrek­tur zur Behebung der aktuellen Schwierigkeiten. Wenn man sich den ganz langfristigen Trend des Euros (und vorher der D-Mark) anschaut, dann zeigt sich, dass sich der Euro seit sechzig Jahren nach oben bewegt hat. Es wäre merkwürdig, wenn damit jetzt endgültig Schluss sein sollte. Eher ist zu erwarten, dass die Europäer nach ein, zwei Jahren, wenn ihre Konjunkturschwäche über­wunden ist, wieder an Kraft gewinnen und dass dann auch der Wechselkurs wieder nach oben geht. Dafür spricht, dass die USA ein nachhaltiges Defizit in der Leistungsbilanz haben, die Europäer dagegen einen Überschuss.

Für Anleger

Investitionen in den USA sind nicht nur interessant, weil sich die US-amerikanischen Aktien besser entwickeln und die Anleiherenditen höher sind. Sie bringen jetzt auch ei­nen Wechselkursgewinn. Das sollte man nutzen. Aber Vorsicht: In den USA mehren sich Stimmen, dass die Auswirkungen der für das im nächsten Jahr erwarteten Zins­erhöhung von den Märkten unterschätzt werden. Es könnte also bei Aktien und Renten schlechter kommen als derzeit erwartet (nicht bei den Devisen). Als die Fe­deral Reserve im vorigen Mai zum ersten Mal von einer Wende in der Geldpolitik sprach, brachen nicht nur die Bonds- sondern auch die Aktienmärkte ein. Als sie an­fing, die Ankündigung Anfang dieses Jahres umzuset­zen, ging der Dow erneut um 1.000 Punkte in die Knie.





 

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