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Meldung

Die Aktie von Volkswagen (WKN: 766403) hat in den letzten Tagen und Wochen eine starke Performance aufs Parkett gelegt. Nun fragen sich viele Anleger, wie lange es dauern wird, bis Volkswagen die Auswirkungen des Dieselgate-Skandals, den Handelskrieg und die Abkehr vom Verbrennungsmotor in den Griff bekommt und ein neues Allzeithoch in Angriff nehmen wird.

Für Börsennostalgiker ist sehr schnell erkennbar, dass es sich hierbei um eine Fangfrage handelt. Denn für die Volkswagen-Aktie wird ein neues Allzeithoch wohl noch einige Jahrzehnte auf sich warten lassen. Es war im Herbst 2008, als ein Short Squeeze bei Volkswagen vonstattenging, der bis heute seinesgleichen sucht.

Unter einem Short Squeeze versteht man einen rasanten Preisanstieg einer Aktie, der Leerverkäufer dazu zwingt, ihre Positionen zu schließen und die Aktie zu erwerben. Dies löst in weiterer Folge einen Dominoeffekt aus, da der Kurs immer weiter steigt und auch andere Leerverkäufer zum Kauf zwingt. Innerhalb weniger Stunden schnellte die Aktie auf über 1.000 Euro – ein Wert, der für die Wolfsburger Autobauer derzeit wohl kaum erreichbar ist. Dieser Short Squeeze ging in die Börsengeschichte ein, sodass heutzutage noch viele Aktionäre von Wirecard (WKN: 747206) von einem ähnlichen Szenario träumen dürften.

Probleme der Vergangenheit

Die Aktie von Volkswagen hatte in den vergangenen Jahren massiven Gegenwind erfahren. Die milliardenschweren Strafzahlungen, Rückrufaktionen und Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Abgasskandal führten vermutlich bei dem einen oder anderen Aktionär zu schlaflosen Nächten.

Dazu kamen Hiobsbotschaften wie ein abklingendes Wirtschaftswachstum in einem strategisch wichtigen Absatzmarkt wie China. Folglich stellte auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China ein markantes Risiko für die Volkswagen-Aktie dar.

Als hätten die Autobauer aus Wolfsburg mit diesen bedrohlichen Entwicklungen nicht genug Arbeit auf der Agenda, kam es auch zu demografischen Veränderungen. Denn eine zunehmende Anzahl an Verbrauchern setzten auf den umweltfreundlichen Elektromotor, eine Geschäftssparte, die bei Volkswagen in den vergangenen Jahren teils stiefmütterlich behandelt wurde. Der Branchenprimus in diesem Bereich war in den letzten Jahren ganz klar Tesla (WKN: A1CX3T). Zudem wächst eine Generation heran, die ein Auto nicht dauerhaft besitzen, sondern dieses lieber bei Bedarf leihen möchte.

Fundamentale Bewertung

Die angesprochenen Probleme der Vergangenheit haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Volkswagen AG im historischen Vergleich unterbewertet erscheint. Dies haben auch bereits einige bullische Investoren erkannt, sodass der Kursgewinn von Volkswagen im Jahr 2019 bereits +25 % (Stand: 29.10.2019, gilt für alle Kennzahlen) beträgt.

Doch auch nach diesem Anstieg beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das Jahr 2019 lediglich 6,3, sodass dieser Wert klar unter dem langjährigen Durchschnitts-KGV der Volkswagen-Aktie von 7,71 liegt. Und auch die Dividendenrendite ist für viele Anleger ein Grund, die Aktie ins Depot zu legen. Denn die Dividende für das Geschäftsjahr 2019 wird mit 5,91 Euro pro Anteilsschein erwartet, sodass sich hier eine Dividendenrendite von 3,4 % ergibt.

Ohne Zweifel kann diese Dividendenrendite nicht mit Spitzenwerten wie der Altria-Aktie mithalten, die bei annähernd 7,5 % liegt. Jedoch ist die Ausschüttungsquote von Volkswagen vergleichsweise gering und das Unternehmen prognostiziert, auch in Zukunft zu wachsen. Daher erscheint diese Dividende nach dem derzeitigen Informationsstand als gesichert.

Chancen in der Zukunft

Um auch in der Zukunft konkurrenzfähig zu sein, die Dividende zu sichern und den Unternehmenswert zu steigern, wird Volkswagen zunehmend auf Elektromobilität setzen müssen. Mit dem ID.3-Modell gibt es bereits nennenswerte Erfolge in diese Richtung. Denn dieses Modell könnte aufgrund seiner hohen Reichweite den einen oder anderen Tesla-Käufer abwerben.

Wenngleich Tesla derzeit noch Elektroautos produziert, die technologisch fortgeschrittener sind als jene von Volkswagen, muss erwähnt werden, dass Volkswagen alles hat, um Tesla von dieser Position zu verdrängen: Know-how und vor allem eine gesicherte finanzielle Stabilität. Während Tesla in der Vergangenheit viele Probleme mit der eigenen Kapitalstruktur hatte und somit oftmals Kapitalerhöhungen durchzuführen waren, kann sich Volkswagen auf die eigenen Kernkompetenzen konzentrieren, sodass der technologische Fortschritt nicht lange auf sich warten lassen wird.

Mögliche Chancen liegen jedoch auch in der Shared Economy. Auf den ersten Blick erscheint dieser Punkt bedrohlich für alle Autobauer. Aus der Tatsache, dass viele Menschen kein eigenes Auto mehr haben wollen, ergeben sich jedoch neue Geschäftsmodelle für Volkswagen. Ich bin überzeugt, dass Volkswagen hier den Schritt vom Autohersteller zum Dienstleister schaffen wird. Möglich sind in diesem Fall Pay-per-Use-Geschäftsmodelle, womit auch derzeitige Kooperationspartner wie Sixt (WKN: 723132) nicht vor einer zukünftigen Disruption sicher sind.

Ob Volkswagen diesen Schritt in den nächsten Jahren wagt, ist jedoch zweifelhaft. Dieses Feld wird derzeit noch heimischen Unternehmen wie Sixt und den innovativen Mobilitätsdienstleistern wie Uber und Lyft überlassen. Anhand dieser beiden Unternehmen ist auch ersichtlich, dass diese Geschäftsmodelle derzeit nicht profitabel sind. Ändern könnte sich das jedoch mit technologischen Entwicklungen wie dem autonomen Fahren.

Daher gehe ich davon aus, dass Anleger von Volkswagen weder demografische noch technologische Veränderungen fürchten müssen, da das Unternehmen hochprofitabel ist und Anpassungen des derzeitigen Geschäftsmodells durch diese finanzielle Stabilität leicht möglich sind.

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Michael besitzt Aktien von Wirecard. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Tesla. 

Motley Fool Deutschland 2019

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