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BERLIN (dpa-AFX) - In der deutschen Nordsee sind im ersten Halbjahr 43 neue Windkraftwerke ans Netz gegangen. Damit liefern mittlerweile 835 Anlagen mit einer Leistung von mehr als 3,5 Gigawatt Strom von der deutschen Nord- und Ostsee ins Netz, teilten mehrere Branchenverbände am Dienstag in Berlin mit. Die installierte Leistung legte in den ersten sechs Monaten um 258 Megawatt zu. Für das gesamte Jahr 2016 sei mit einem Zubau von 700 Megawatt auf rund vier Gigawatt Leistung zu rechnen. Das entspricht dann etwa drei großen Kernkraftwerken.

Alle neuen Anlagen stehen in der Nordsee, auf die 90 Prozent der Offshore-Windenergie in Deutschland entfallen. In der Ostsee wurden im ersten Halbjahr keine Windkraftwerke oder Fundamente gebaut. 54 weitere Anlagen in der Nordsee mit 324 Megawatt sind bereits fertig und warten auf ihren Netzanschluss, für weitere 142 Windkraftwerke sind bereits die Fundamente errichtet. Die Daten werden im Auftrag der Branche erhoben von der Deutschen Windguard in Varel.

Die Verbände werteten den Ausbau 2016 als maßvollen Beitrag für eine stetige Entwicklung. "Die durchschnittlich ans Netz angeschlossene Leistung je Anlage ist von gut vier auf sechs Megawatt gestiegen", heißt es in der Mitteilung. "Effizientere Anlagen mit längeren Rotorblättern setzen sich durch." Mittlerweile sind auch Anlagen mit acht Megawatt auf dem Markt und werden in absehbarer Zeit eingesetzt.

Vor diesem Hintergrund beklagen die Verbände erneut die vor kurzem verabschiedete Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Darin ist vorgesehen, den Ausbau der Windenergie auf See in den Jahren 2021 und 2022 auf 500 Megawatt jährlich zu drosseln.

"Das ist weniger als in den vergleichsweise kleinen Niederlanden und bleibt weit hinter den Möglichkeiten zurück", erklärten die Verbände. Die Potenziale zur Kostensenkung würden nicht ausgeschöpft, wenn die Stetigkeit des Ausbaus unterbrochen würde. "Die gekappte Ausbaumenge ist auch angesichts stetig wachsender Turbinen- und Windparkgrößen schlichtweg unsinnig und teuer."

Es liege auf der Hand, dass die 20 000 Arbeitsplätze bei Herstellern, Zulieferern und Dienstleistern für die Offshore-Windenergie nicht erhalten werden könnten, wenn der Markt um ein Drittel schrumpfe. "Wenn zudem der schleppende Netzausbau den Ausbau der Windenergie auf See und anderer erneuerbaren Energien weiterhin bremst, wird die Energiewende scheitern", heißt es in der Mitteilung.

Zuvor hatte bereits der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) darauf hingewiesen, dass der Ausbau in den Bereichen Wärme und Verkehr stagniere: Rund ein Drittel des Stroms stamme aus Erneuerbaren Energien, bei der Wärme jedoch nur 13 und bei der Mobilität 5 Prozent. Gemessen am Verbrauch von Endenergie trugen die Erneuerbaren rund 15 Prozent bei. "Bis zur Dekarbonisierung liegen noch 85 Prozent vor uns", teilte BEE-Geschäftsführer Hermann Falk mit. Besserung sei nicht in Sicht und Deutschland drohe seine Klimaziele zu verfehlen./egi/DP/jha



 

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