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WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Preise für Sprit und Heizöl sind weiter im Sinkflug und halten die Inflation in Deutschland niedrig: Im August verharrte die jährliche Teuerungsrate bei 0,8 Prozent, auf dem tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit und bestätigte damit eine erste Schätzung. Eine niedrigere Inflationsrate gab es zuletzt im Februar 2010 mit 0,5 Prozent. Im Vergleich zum Juli blieben die Verbraucherpreise unverändert.

Gebremst wurde der Preisauftrieb auch im August von sinkenden Preisen für Kraftstoffe und Heizöl: Im Jahresvergleich verbilligten sich leichtes Heizöl um 5,0 Prozent, Kraftstoffe um 4,4 Prozent. Hingegen kostete Strom 1,7 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Ohne Berücksichtigung der Energiepreise lag die jährliche Teuerungsrate im August bei 1,2 Prozent. Selbst dieses Niveau ist weit unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank, die eine jährliche Teuerungsrate von knapp unter 2 Prozent anstrebt.

Das liegt auch daran, dass die Preise für Nahrungsmittel kaum noch steigen. Im August kosteten Lebensmittel im Schnitt nur 0,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Günstiger wurden besonders Gemüse (minus 7,2 Prozent) und Obst (minus 2,0). Kartoffeln waren 30 Prozent billiger als im August 2013, Paprika 18 Prozent und Tomaten 7 Prozent.

Deutlich teurer als vor einem Jahr waren hingegen Molkereiprodukte (+ 8,4 Prozent) wie Quark (+ 13,9), Schnittkäse (+ 13,8) oder Joghurt (+ 6,9). Auch Süßwaren (+ 1,9) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+ 1,5) kosteten mehr als im Sommer des Vorjahres. Zudem mussten Verbraucher für Bier 4,5 Prozent mehr bezahlen, für Bohnenkaffee sogar 9,1 Prozent mehr.

Günstiger wurden hingegen erneut Geräte der Unterhaltungselektronik wie Fernsehgeräte (minus 7,5 Prozent) und Telefone (minus 9,7). Spürbar gestiegen sind die Wohnungsmieten: Verbraucher mussten im Schnitt 1,5 Prozent mehr Kaltmiete überweisen als vor einem Jahr.

Während sich Konsumenten über den insgesamt sehr geringen Preisauftrieb freuen können, sorgen sich Europas Währungshüter vor einer Deflation. Um den Preisauftrieb zu stärken, hat die Notenbank Anfang September den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt und weitere Maßnahmen eingeleitet. So will sie ab Oktober in den Kauf von Wertpapieren einsteigen, die mit Krediten besichert sind (Asset Backed Securities/ABS). Zum selben Zeitpunkt will sie auch ein drittes Programm zum Erwerb von Pfandbriefen (Covered Bonds) starten. Zusätzliche Schritte wie breitangelegte Käufe von Staatsanleihen (Quantitative Easing/QE) schließt die Notenbank nicht aus.

Mit den Maßnahmen will die EZB die stockende Kreditvergabe ankurbeln und so die Konjunktur beleben. Das würde tendenziell auch den Preisauftrieb stärken. Bis die Zinsen wieder steigen, dürfte es aber noch lange dauern. Bis dahin profitieren Kreditnehmer etwa beim Hauskauf, während Sparer unter dem mickrigen Zinsniveau leiden.

Ob die EZB mit ihrer Strategie erfolgreich sein wird, ist aber umstritten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) sieht die Gefahr des Abrutschens in eine Deflation - also eine Spirale immer weiter sinkender Preise - im Euroraum jedenfalls nicht gebannt. "Die EZB hat die geldpolitischen Zügel zwar stark gelockert", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Doch das allein reiche nicht aus, um Europa aus der Krise zu führen. "Die Regierungen müssen endlich ihre Hausaufgaben machen und über die Wirtschaftspolitik die Weichen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum stellen", forderte er./hqs/DP/jsl



 

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