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Während der Internethausse von 1998-2000 erfaßte die Euphorie nahezu
alle Marktteilnehmer. Analysten, deren Zielsetzung eigentlich die
objektive Auswertung und Präsentation von Studien und Ratings ist, gingen
dazu über, in die heißlaufenden Kurse immer neue Stong Buy Empfehlungen
und teilweise utopische Kurszielanhebungen zu lancieren. Bzgl. des IPO
Marktes hatte man manchmal das Gefühl eher in einem Casino zu sein als in
einem Markt, in dem eigentlich die Fundamentaldaten eines Unternehmens
wenigstens tendenziell die Preisfindung und das Kursgeschehen bestimmen
sollten. Während des Börenhypes 1998-2000 etablierten wir übrigens den
GodmodeTrader als ein festes Projekt. Und in der Tat proklamieren wir für
uns, sehr früh während der heißlaufenden Kurse auf das unseriöse Geschehen
am IPO Markt und insbesondere im Bereich der Technologieaktien hingewiesen
zu haben. Die Entstehung und Etablierung des GodmodeTraders basiert sogar
ganz wesentlich auf diesem Sachverhalt. Die mittelfristige Börsenregel
"Shorting the analysts" schwappte während des Platzens der Internetblase
von einigen Undergroundseiten aus den USA auch nach Europa über. Auch
während der Baisse bekleckerte sich die Analystengilde nicht sonderlich
mit Ruhm. Wir haben hier auf dem GodmodeTrader mehrfach ausführlich
darüber berichtet. Die Aktie von Lucent Technologies wurde bei Kursen von
60 und 70 $ mit Strong Buy Ratings versehen. Die Aktie brach über mehrere
Monate massiv ein. Die Strong Buy Ratings wurden jedoch von mehreren
renommierten Investmentbanken aufrecht erhalten. Pikanterweise gab es eine
ganze Welle von Downgrades als die Aktie unter 5 $ notierte. Das beste
Beispiel stellt noch die AOL Aktie dar. Sie wurde exakt zu ihren
Bärenmarkt-Tiefstkursen von mehreren Investmenthäusern abgestuft. Dies ist
übrigens ein Muster, das man sich merken sollte. Im Hoch einer Hausse
laufen Analysten Gefahr, in heißlaufende Kurse Strong Buy Empfehlungen zu
vergeben, im Tief einer Baisse laufen sie Gefahr, Downgrades in fallende
Notierungen zu vergeben. Das hängt damit zusammen, daß Analysten den
übergeordneten Trends wie ein träger Indikator hinterherlaufen. Bzgl.
dieses Musters kann abschließend noch angemerkt werden, daß die Ratings
die Trendphase des Marktes gut erkennen lassen. Vorsichtige
Kaufempfehlungen am Beginn eines Bullenmarktes, forcierte Kaufempfehlungen
während der Etablierung des Bullenmarktes und aggressive, oft reißerisch
formulierte Strong Buy Empfehlungen in der Hochphase des Bullenmarktes.
Während eines Bärenmarktes zeigt sich genau das entgegengesetzte Bild.
Dieses Muster konnte in den vergangenen Jahren in der Form beobachtet
werden. Seit 2003 haussieren die Märkte wieder. Und man darf konstatieren,
daß die Investmenthäuser zumindest bisher außerordentlich vorsichtig und
verantwortungsvoll mit ihren Ratings vorgegangen sind. Natürlich kann man
auf diese Feststellung mit dem beschriebenen Muster argumentieren. Am
Beginn eines Bullenmarktes werden positive Ratings mit Vorbehalt vergeben.
Man könnte also entsprechend dem Muster davon ausgehen, daß wir erst am
Beginn eines neuen großen Bullenmarktes sind. Ob wir in einem Bullenmarkt
sind oder nicht, das sei dahingestellt, - wir gehen tatsächlich davon aus,
daß wir uns in einen neuen großen Bullenmarkt hineinbewegen -, aber die
Studien, Analysen, Research-Exzerpte und Ratings sind näher an den
Fundamentals dran. Sie sind vorsichtiger gehalten. Sie sind objektiver.
Der enorme Ansehensverlust der vergangenen Jahre hat Spuren hinterlassen.
Spuren, die im Sinne des Kleinanlegers zu sehen sind. Das "Smart Money",
die "Big Boys" sind um Wiedererlangung ihrer Reputation bemüht.
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