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Ich habe gestern auszugsweise die Generaldebatte im Deutschen Bundestag
verfolgt. Und verzeihen Sie, wenn ich mal mehr als deutlich werde. Mich
kotzt diese Verlogenheit, in die wir uns inzwischen alle flüchten, so
etwas von an, dass mir beinahe die Worte fehlen.
Bei uns ist ein Krieg selbstverständlich kein Krieg. Wo andere Bomben
schmeißen sind unsere Soldaten die Guten, die mit der Harke in der
Hand, den Vorgarten von Krankenhäusern und Kindergärten pflegen. Und
jeder Taliban ist offenbar mehr wert als einer unserer Soldaten. Denn
unsere Soldaten werden hier vor den deutschen Kadi gezogen. Statt das
man Ihnen zugesteht, dass sie sich in einem gefährlichen Einsatz
befinden und sie vor Ort unter größter Gefahr für Leib und Leben
Entscheidungen treffen müssen. Wobei die Ausrüstung nicht immer optimal
ist. Während wir hier darüber lamentieren und diskutieren, ob das nun
Sozialarbeit ist, was unsere Jungs und Mädels da machen, kriegsähnlich
oder gar richtiger Krieg. Und uns genüsslich im Fernsehsessel ein paar
Erdnüsse reinwerfen. Ist das nicht absurd? Wir bauen auch keine Atomkraftwerke. Weil bei uns der Strom nämlich aus der Steckdose kommt. Und Kohlekraftwerke bauen wir auch nicht mehr. Das stinkt nämlich. Für uns gibt es nur erneuerbare Energien. Weil wir die Guten sind. Dass derzeit aufgrund des enormen Nachholbedarfs in den Schwellenländern weltweit 56 (!!!) Atomkraftwerke gebaut werden und wir da vollkommen außen vor sind, weil auch Siemens langsam von dem Rumgeeiere der Regierung die Schnauze voll hat und seine Technologie nach Russland verkauft hat, kümmert eh keinen. Auch dass damit Arbeitsplätze abwandern. Wir ham’s ja. Deutschland die Insel der Glückseligen. Aber einen auf Arbeitslose und Hartz IV machen. Und rumjammern, dass die Unternehmen keine Arbeitsplätze schaffen. Dass immer wieder die Behörden versagen, im konkreten Fall die Agentur für Arbeit, konnte man gestern schön an einem Beispiel eines Berliner Unternehmers in den Tagesthemen nachvollziehen. Der suchte 100 Mitarbeiter für die Gebäudereinigung und konnte trotz der hohen Arbeitslosigkeit in und um Berlin die Stellen nicht besetzen. Da fragt man sich doch, oder? Konsequenterweise hat er dann den Vertrag mit der Agentur gekündigt. Und dann diese große Unehrlichkeit was die Gesundheit und unser Gesundheitssystem betrifft. Da wird so getan als ob es Fortschritt zum Nulltarif gibt oder er gar nicht vorhanden ist. So habe ich gestern in den Nachrichten einen Institutsleiter rumeiern hören, wo es um die technische Erkennung von Metastasen im menschlichen Körper geht und wo jeder Einsatz 2.000 Euro kostet. Statt einfach zuzugeben, dass diese Technik einfach genial ist, stammelt er etwas von „nicht bewiesen“ und ob es wirklich besser ist, dass der Kranke weiß, dass es ihm so schlecht geht und bla bla bla. Was ist das denn für ein Quatsch. Er soll doch einfach sagen, dass er diese Maßnahme deshalb ablehnt, weil sie von den Krankenkassen mit unserem derzeitigen Gesundheitssystem nicht bezahlbar ist. Das ist die Wahrheit. Wann schenkt uns die Regierung endlich reinen Wein ein? Gesundheit gibt es nicht zum Nulltarif. „There is no free lunch“! Wir werden uns wohl langsam daran gewöhnen müssen, dass im Gesundheitswesen - im übertragenen Sinne – nicht jeder einen Anspruch auf einen Porsche hat. Da muss man halt etwas draufzahlen. Das ist die bittere Wahrheit. Und jeder der die Qualität für alle möglichst hoch halten will, der muss ein Kaskosystem einführen und endlich die Anreize richtig setzen. Stattdessen legt sich jetzt selbst die FDP mit der Pharmaindustrie an. Wie blöd und populistisch ist das eigentlich? Wissen die denn, welches Risiko hinter einem neuentwickelten Medikament steckt und was das kostet? Dabei verteidige ich sicherlich nicht die wenig seriösen Praktiken, die in manchen Hinterzimmern laufen. Wir sprechen doch immer von Gerechtigkeit. Ist es denn gerecht, frage ich Sie, dass derjenige, der sich gesund ernährt, Sport treibt und auf seine Gesundheit achtet, denjenigen subventioniert, der säuft, raucht und in seinem Sessel vergammelt. Und der unser Gesundheitswesen über die dann folgenden Krankheiten belastet? Bin ich denn wirklich unsozial, wenn ich fordere, dass solche Leute mehr beizutragen haben? Ist es wirklich unsozial, wenn man für eine bessere Gesundheit fordert etwas zu tun oder zuzuzahlen? Ist also Eigenvorsorge und Achtsamkeit unsozial? Ich frage mich manchmal, wo diese ach so sozialen Menschen alle leben. Ich habe mich vor Jahren selbständig gemacht. Und hatte schwere Jahre. Nicht nur einmal stand ich vor dem Abgrund. Da konnte ich meine Probleme auch nicht dauernd auf andere abwälzen. Und fragen, wer mir was bezahlt und hilft. Da musste ich schon selbst ran. Aber in diesem Land hat mittlerweile jeder Hartz IV Bezieher eine größere Lobby hinter sich, als ein Selbständiger. Und da spiele ich nicht die Gruppen gegeneinander aus. Und so frage ich Sie? Ist es unsozial, wenn man seine Probleme selbst zu lösen versucht? Ich plädiere einfach nur dafür, dass wir der Eigenverantwortlichkeit wieder einen höheren Stellenwert geben und nicht bei allem und jedem nach dem Staat rufen. Weil wir das aber tun und weil wir so verlogen sind, steht unser Gemeinwesen auch da, wo es heute steht. Ich bin gespannt, wer in diesem Land endlich den Mumm hat die momentane Situation schonungslos zu analysieren, die Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre mutig anzusprechen und dann die notwendigen Maßnahmen auch gegen große Widerstände konsequent durchsetzt. Wer bereit ist Koalitionsdisziplinen zu durchbrechen und seine weitere Politkarriere im Zweifel zum Wohle des Volkes zu opfern? Wer die ins Abseits geratene Verantwortung und Gemeinwohlorientierung wieder aus der Mottenkiste holt? Bis dahin lügen wir uns Tag für Tag weiter voran. Bis uns eines Tages die Realität unausweichlich einholt. Und dann war’s wieder keiner. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen. Ihr Norbert Lohrke |