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(Wiederholung aus technischen Gründen)

NÜRTINGEN/BERGISCH GLADBACH (dpa-AFX) - Autoexperten sind sich uneins über die Folgen des britischen Brexit-Votums für die Fahrzeughersteller und Zulieferer. Während Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach eine schleichende Abwanderung der Autoproduktion aus Großbritannien erwartet, sieht Ferdinand Dudenhöffer sogar positive Impulse.

"Mittel- und langfristig profitiert der Autostandort England durch eine längerfristige Abwertung des Pfunds", sagt Dudenhöffer. Dieser Währungseffekt wäre positiv für Hersteller wie BMW und dessen Marke Mini sowie für Nissan und Jaguar Land Rover, weil deren dortige Produktion für den Weltmarkt billiger würde.

Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen, rechnet zwar ebenfalls mit negativen Folgen, weil es Verwerfungen im Finanzsektor und dadurch allgemeine Kaufzurückhaltung geben werde - diese seien aber nur kurzfristig. Die Briten hatten diese Woche für einen Ausstieg aus der Europäischen Union gestimmt.

2016 und 2017 würden in Großbritannien deutlich weniger Autos verkauft werden, so Dudenhöffer. Waren es 2015 noch 2,63 Millionen verkaufte Neuwagen in Großbritannien, so sinkt diese Zahl seiner Prognose zufolge 2016 auf 2,45 Millionen und 2017 auf 1,9 Millionen. "Ab 2018 hat sich die Lage nach unserer Einschätzung wieder gefangen, der englische Automarkt erholt sich und wird um das Jahr 2020 sein früheres Niveau erreichen."

Für den globalen Automarkt ist das Vereinigte Königreich aus Sicht von Dudenhöffer ohnehin unbedeutend. "Der Welt-Pkw-Markt läuft weiter und wird auch in den Brexit-Erschütterungsjahren 2016 und 2017 nicht wesentlich tangiert", sagt Dudenhöffer.

Bratzel ist hingegen deutlich skeptischer, er erwartet "merkliche negative Auswirkungen" des Brexits auf die Automobilindustrie. Am stärksten treffe es Hersteller wie Nissan oder BMW, die auf der Insel Werke mit hohen Kapazitäten haben. Der Standort England werde im EU-Ausland weniger attraktiv - Bratzel erwartet "einen schleichenden Exit der Automobilindustrie von der Insel".

Schon jetzt überdenke jeder Hersteller oder Zulieferer anstehende Investitionen wegen der Unsicherheit und möglicher höherer Komplexitätskosten. "Mittel- und langfristig ist auch mit Standortverlagerungen von der Insel in die EU zu rechnen", sagte Bratzel. Die Verhandlungen der EU mit den Briten dürften lang und schwierig werden, weil die EU Nachahmer abschrecken wolle.

BMW hat im vergangenen Jahr mehr als 200 000 Minis in England gebaut und die Hälfte davon in die EU exportiert. Nissan und die zum indischen Tata-Konzern gehörenden Hersteller Jaguar Land Rover produzierten jeweils rund 500 000 Autos in Großbritannien, Toyota 190 000 und die GM-Tochter Opel-Vauxhall 140 000, sagte Bratzel.

Noch eine andere Meinung hat Willi Diez vom Nürtinger Institut für Automobilwirtschaft. Zwar sagt auch er, dass Autoexporte aus Deutschland in Großbritannien wegen des zunächst schwächeren Pfunds teurer werden und Daimler , Audi und die anderen einen schweren Stand haben. Doch auf lange Sicht werde das Pfund wieder stärker, so Diez. Der Grund: Der Finanzplatz Großbritannien könnte zu einer Art zweiter Schweiz in Europa werden, wo Kapitalanlagen nicht dem Zugriff der EU-Finanzpolitik ausgesetzt seien. Das würde den Finanzplatz London stärken, was dem Pfund-Kurs Auftrieb geben würde. Das wiederum wäre gut für den Absatz auch deutscher Autos.

Peter Fuß vom Beratungsunternehmen Ernst & Young hält es für viel zu früh für präzise Prognosen. Erst müsse klar sein, ob es beispielsweise mit einer Handelspartschaft zwischen der EU und Großbritannien am Modell von Norwegen oder der Schweiz weitergehe. Erst danach sei absehbar, in welchem Umfang der Handel zwischen der EU und UK beeinträchtigt sei oder nicht - mit seinen positiven oder negativen Auswirkungen auf Deutschlands Automobilindustrie./wdw/DP/fbr



 

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