Während
Siemens bei der Vorlage seiner Quartalszahlen einen zähen
Geschäftsverlauf
beklagte, sieht es beim französischen Mitbewerber Alstom
offenbar wesentlich
besser aus. Zwar hat Alstom im letzten Jahr extrem unter dem
harten Wettbewerb
gelitten, vor allem in den Schwellenländern sieht Alstom-Chef
Patrick Kron aber
nun bessere Zeiten anbrechen. So kann der Mischkonzern mit einer
Reihe von
zusätzlichen Aufträgen rechnen. Kron gab auf diese Weise
zugleich den
Startschuss für die lange darbende Alstom-Aktie.
Prognose bekräftigt
Die am 19.
Januar vorgelegten Zahlen für das dritte Geschäftsquartal
zeigten
Verbesserungen beim Umsatz und den Auftragseingängen. Während
aber die Aufträge
im letzten Quartal um 20 Prozent auf 15 Milliarden Euro
anstiegen, liegt der
Umsatz trotz Verbesserung immer noch hinter dem Vorjahreswert
zurück. Die
Umsätze sollen laut Patrick Kron ihr
Wachstum auch im vierten Quartal fortsetzen. Das klingt
realistisch, denn die
Aufträge werden naturgemäß irgendwann zu Umsätzen. Eine
längerfristige Prognose
ist jedoch mit einigen Unsicherheitsfaktoren behaftet. Alstom
hat ein sehr
breites Produktportfolio. Das Unternehmen baut nicht nur den
Hochgeschwindigkeitszug TGV, sondern ist auch im Energiebereich
stark engagiert.
So stellt das Unternehmen unter anderem Turbinen für Wind-,
Wasser- und
zahlreiche andere Kraftwerkstypen her. Transformatoren und
Umspannwerke sowie
die Netzinfrastruktur sind ebenfalls zu nennen. Damit wird
deutlich: Alstom
baut viele Produkte und Investitionsgüter, die man in einer
modernen
Industriegesellschaft benötigt, die aber auch stark von
staatlichen Aufträgen
abhängen. Auch in Frankreich herrscht bekanntlich Ebbe in der
Staatskasse, so
dass man mit Verzögerungen oder Sparmaßnahmen bei öffentlichen
Aufträgen
rechnen muss. Auf der anderen Seite könnte es sogar zusätzliche
Aufträge geben,
denn auch in Frankreich ist eine Art Energiewende festzustellen.
Frankreich investiert in Windkraft
Während man
in Paris noch bis vor kurzem fast ausschließlich auf Atomenergie
setzte, werden
nun Milliardenbeträge in Windenergieanlagen vor den Küsten
investiert. Bis 2020
werden vor der Küste der Normandie und der Bretagne Anlagen mit
einer Leistung
von sechs Gigawatt errichtet. Alstom zählt zu den Profiteuren
dieser
Investitionen. Zwar ist dies nur eine langfristige Perspektive
für Alstom und
das nicht einmal im größten Unternehmensbereich – das ist der
Kraftwerksbau –
dennoch werden die Entwicklungen am Aktienmarkt aufmerksam
registriert. Die
Alstom-Aktie zählte lange zu den Unterperformern in ihrem
Sektor. Nicht nur
Siemens, auch der Schweizer Mitbewerber ABB hat die Franzosen
zuletzt mehr als
abgehängt. Da es bei Alstom nun wieder besser läuft und die
Aktie zudem auch
von den Bewertungen her Potenzial verspricht, rechne ich mit
einer Aufholjagd
bei Alstom. Auch die Verschuldungssituation spricht nicht gegen
diese These.
Erst kürzlich konnte Alstom eine Milliarde Euro mit einem neuen
fünfjährigen
Bond problemlos refinanzieren.
Ausbruch über Widerstand bei 30 Euro
Die
verbesserten Aussichten zeigen sich auch im Aktienkurs. Die
Alstom-Aktie
beendete in der letzten Woche mit dem Sprung über den Widerstand
bei 30 Euro
ihre mehrmonatige Seitwärtsphase. Aus charttechnischer Sicht
besteht nun
weiteres Aufwärtspotenzial bis auf 38 Euro. Selbst eine Rückkehr
an die Marke
von 40 Euro scheint langfristig nicht mehr utopisch.
Fazit
Die
Saure-Gurken-Zeit bei Alstom-Aktie ist vorüber. Sowohl die
Nachrichtenlage als
auch die Charttechnik signalisieren bessere Zeiten.
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Ihr
Stefan Böhm
Chefredakteur
DaxVestor