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WKN: 723610 ISIN: DE0007236101
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Mit ihrer Attacke gegen Siemens (WKN: 723610) hat die deutsche Fridays-for-Future-Führung ein riesiges Medienecho ausgelöst. Neubauer versus Kaeser, es kommt rüber wie ein Duell David gegen Goliath – und die Steinschleuder hat auch diesmal getroffen, wenn auch nicht letal.

Der Erfolg dürfte Motivation genug sein, sich schon bald den nächsten Konzern vorzuknöpfen. Kandidaten gibt es schließlich genug im DAX, wie die nachfolgende Zusammenstellung aufzeigt. Es stellt sich die Frage, ob Aktionäre diese Herausforderung ignorieren können.

Das Kohle-Gate

In Australien brennt ein ganzer Kontinent und eine engstirnige Regierung setzt unbeirrt auf die Entwicklung gigantischer Kohleminen. Es ist ein großes Ärgernis – und dann kommt heraus, dass Siemens daran Geld verdient. Da lag es nahe, den Münchener Industriekonzern an den Pranger zu stellen, selbst wenn er eigentlich nur die Signaltechnik für die zugehörige Eisenbahnlinie liefert.

In den Überschriften der Medien hieß es nur, dass Siemens „an eine umstrittene Kohlemine in Australien“ liefere, was natürlich umgehend empörte Reaktionen bei den Lesern auslöste, gerade im Zusammenhang mit den verheerenden Bildern aus „Down Under“. Joe Kaeser reagierte vielleicht medial etwas ungeschickt, aber in der Sache richtig: Er bat Luisa Neubauer, in einem der Aufsichtsgremien mitzuwirken, um ihm dabei zu helfen, Umweltaspekte und die Interessen von Aktionären, Mitarbeitern, Partnern und Kunden in Einklang zu bringen.

Das wollte sie dann aber auch nicht, denn es geht ihr nicht um den Einzelfall, sondern darum, mit dem Vorschlaghammer eine Debatte zu forcieren. Das ist ihr gelungen, und damit das mediale Feuer nicht erlischt, wird neues Brennmaterial gebraucht, sobald sie aus Davos zurückkommt.

Wer als Nächstes ins Visier geraten könnte

Der Effekt bei Siemens war auch deshalb so stark, weil der Konzern ja eigentlich immer betont, dass er Teil der Lösung sein will mit all seinen Effizienztechnologien. Volkswagen (WKN: 766403) als Autohersteller ist ein naheliegenderes Ziel. Die Wolfsburger haben ja auch bereits ihr Diesel-Gate hinter sich und arbeiten seit einiger Zeit intensiv am neuen Image als eifrigster Verfechter der emissionsfreien Mobilität.

Das heißt aber nicht, dass sie bereits aus dem Schneider wären. Schließlich liefert MAN Energy Solutions allerlei Ausrüstung für die Öl- und Gasindustrie und die weitere Tochter TRATON (WKN: TRAT0N) noch immer Offroad-Trucks, die auch in Kohleminen zum Einsatz kommen. Das Gleiche gilt natürlich für die Lkw-Sparte von Daimler (WKN: 710000), wobei dort nicht nur die US-Marke Western Star groß im Kohlegeschäft ist, sondern auch beispielsweise BharatBenz in Indien.

Weiter zu RWE (WKN: 703712): Die hat noch immer jede Menge Ärger wegen des Kohletagebaus beim Hambacher Forst. Mit dem geplanten Kohleausstieg und dem Versprechen, in CO2-Abtrennung und -Speicherung zu investieren, versucht der strategisch eigentlich auf Windkraft ausgerichtete Konzern mit viel Aufwand, die Gemüter zu beruhigen.

BASF (WKN: BASF11) wiederum hat sogar – neben passenden Chemikalien – eine eigene Öl- und Gastochter. Die Wintershall DEA – mit der Deutschen Bank (WKN: 514000) in der Rolle des globalen Koordinators – soll an die Börse gebracht werden, und dafür muss das Management eine attraktive Story präsentieren. Ob das unter den aktuellen Bedingungen möglich ist? Schließlich besteht deren Kerngeschäft darin, neue fossile Rohstoffquelle zu erschließen und auszubeuten. Dass BASF im Gegenzug fortschrittliche Dämmplatten produziert und stark in neue Konzepte für die Kreislaufwirtschaft investiert, dürfte Kritiker kaum besänftigen.

Andere Chemiekonzerne mischen ebenfalls mit. Linde (WKN: A2DSYC) sieht sich als nahezu unverzichtbaren Technologiepartner der fossilen Industrie, mit Aktivitäten bei der Mehrzahl der globalen Öl- und Gasfelder sowie der zugehörigen Pipelines. Außerdem beschäftigt sich der Konzern weiterhin mit der Synthesegaserzeugung aus Kohle. Covestro (WKN: 606214) und die Gummisparte von Continental (WKN: 543900) liefern unter anderem Materialien für Förderbänder, die im Bergbau zur Anwendung kommen.

Und wer meint, dass auf den ersten Blick emissionsfreie Software ganz unschuldig wäre: SAP (WKN: 716460) hat – ähnlich wie die Digitalsparte von Siemens – über die letzten Jahre sein Angebot für die fossilen Branchen stark ausgeweitet, um Bergbauprojekte besser zu managen und stärker zu automatisieren. Und die Deutsche Post (WKN: 555200)? Nun, deren Sparte DHL organisiert integrierte Logistiklösungen im Energiesektor.

Was Anleger daraus machen sollten

Wenn also Siemens für die Lieferung von Signaltechnik an den Pranger gestellt werden kann, dann gilt das wohl auch für rund die Hälfte der weiteren DAX-Mitglieder. Deutsche Effizienztechnik hilft eben auf den unterschiedlichsten Einsatzgebieten dabei, Energie zu sparen. Was normalerweise gut für die Umwelt ist, entwickelt sich bei fossilen Branchen zum Bumerang: Viele Projekte werden vielleicht erst durch deren Einsatz wirtschaftlich. Ohne sie bliebe der Rohstoff möglicherweise im Boden.

Andererseits bringt es vermutlich nicht viel, wenn deutsche Konzerne auf das Geschäft verzichten, da in den meisten Fällen eben doch Konkurrenten einspringen könnten. Letztlich würde ich mich als Anleger daher nicht darauf versteifen, welches Unternehmen als Zulieferer der Kohleindustrie angreifbar sein könnte. Viel wichtiger erscheint mir, ob das Management aufrichtig mit dem Thema umgeht und bei der Gestaltung einer CO2-neutralen Welt aktiv mitwirkt.

Wenn das Unternehmen die guten Argumente auf seiner Seite hat, dann muss es vielleicht trotzdem gelegentlich ein paar Nadelstiche einstecken, aber auf lange Sicht werden die inszenierten Proteste keinen Schaden anrichten können.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2020

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