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Meldung

Jeanne W. Ross, leitende Wissenschaftlerin im Forschungszentrum für Informationssysteme an der MIT Sloan School of Management, publiziert regelmäßig in den bedeutendsten englischsprachigen Management-Journalen. Vor einigen Tagen hat sie in einem aufschlussreichen Artikel den entscheidenden Unterschied zwischen digitalisierten und digitalen Unternehmen herausgearbeitet. Sie nennt darin auch vier besonders zukunftsfeste Konzerne, deren Aktien Investoren meiner Meinung nach nicht ignorieren sollten.

Warum digitalisiert noch nicht digital ist

Es erscheint auf den ersten Blick nicht intuitiv. Ein Unternehmen wird digitalisiert, um es digitaler und damit irgendwie besser zu machen. Wo soll da der große Unterschied sein zwischen den beiden Begriffen?

Jeanne Ross argumentiert, dass die Ära der Digitalisierung mit Software-Unternehmen wie SAP (WKN:716460) und Oracle (WKN:871460) verbunden sei, die seit den 1990er-Jahren mit ihrer Standard-Unternehmenssoftware weltweit dafür gesorgt haben, dass Geschäftsprozesse digital abgebildet wurden. Das war vielfach sehr mühsam, aber letztlich haben viele Anwender die Früchte ihrer Anstrengungen über Effizienzsteigerungen zumindest teilweise ernten können.

Die heutige Herausforderung sei hingegen, wirklich digital zu werden. Damit sind Technologien verbunden, welche die Spielregeln in etablierten Märkten verändern, wie soziale Netzwerke, mobile und cloudbasierte Anwendungen, automatische Analyse, Internet der Dinge, maschinelle Bilderkennung und Sprachverständnis. Um von diesen völlig neuen Möglichkeiten richtig profitieren zu können, müssen sich Unternehmen selbst grundlegend ändern.

Das Problem ist laut der Autorin, dass viele Entscheider noch immer denken, dass es nur darum gehe, den Digitalisierungsprozess auf die nächste Stufe zu heben, also noch mehr Effizienzvorteile zu schöpfen, etwa durch die noch stärkere Integration der Informationsströme und die selektive Anwendung der neuen Technologien. Aber das sei zu kurz gedacht, weil es unberücksichtigt lässt, dass heutzutage völlig neue skalierbare Geschäftsmodelle möglich sind — und die seien mit herkömmlichen Organisationsstrukturen kaum umsetzbar.

Von daher stelle eine umfassende Digitalisierung von Daten und Prozessen zwar eine gute Grundlage dar, um ein digitales Unternehmen werden zu können, aber es sei noch längst nicht ausreichend.

Welche Konzerne schon einen Schritt weiter sind

Wo die Digitalisierung gut umgesetzt wurde, laufen die Prozesse wie geschmiert und das Management kann sich eher auf strategische Fragestellungen konzentrieren. Das heißt auch, die Rolle und Mission des Unternehmens neu zu definieren, um es für die Zukunft zu positionieren und gegen möglicherweise schnelleren Wettbewerb zu schützen. Einige etablierte Unternehmen seien bereits auf einem guten Weg, meint Jeanne Ross — und an diesem Punkt wird es für uns Anleger interessant!

Digitales Unternehmen Nr. 1
Der ABB (WKN:919730)-Konkurrent Schneider Electric (WKN:860180) bietet heute beispielsweise digitale Energiemanagementsysteme, welche den Betrieb von Stromnetzen erheblich vereinfachen. Das frühere Geschäft mit Elektrotechnik steht heute nicht mehr so im Vordergrund. Vielmehr beeindruckt mich Schneider seit Jahren mit zielgerichteten Investitionen in softwarebasierte Lösungen, verbunden mit einem tiefgreifenden Konzernumbau.

Digitales Unternehmen Nr. 2
Kaiser Permanente aus Kalifornien war zunächst ein typisches Unternehmen der Gesundheitsfürsorge, mit eigenen Krankenhäusern und Ärztezentren, sowie Krankenkassen-ähnlichen Vorsorgekonzepten. Heute verstehe sich der Konzern als eine Plattform, die für die reibungslose Kollaboration von Patienten und Leistungserbringern sorgt. Als vergleichbares Unternehmen fällt mir hierzu Fresenius Medical Care (WKN:578580) ein, die stark in das schnell wachsende Standbein Versorgungsmanagement investiert und somit zusätzlichen Mehrwert für alle Beteiligten schafft.

Digitales Unternehmen Nr. 3
Auch BMW (WKN:519000) findet besondere Erwähnung: Das sei kein reiner Automobilhersteller mehr, sondern vielmehr ein Lieferant von individueller Mobilität. Die Münchener haben in dieser Richtung schon einiges erreicht. Insbesondere die Tochter Alphabet leistet mit ihren innovativen Business Mobility Lösungen Wegweisendes. Hinzu kommen unter Anderem Carsharingsysteme und die Submarke für Elektrofahrzeuge. Trotzdem glaube ich, dass man im gleichen Atemzug auch Daimler (WKN:710000) oder Renault (WKN:893113) nennen könnte — Geschmacksache.

Digitales Unternehmen Nr. 4
Das vierte Beispiel ist Philips (WKN:940602). Der frühere Siemens (WKN:723610)-Herausforderer konkurriert heute fast nur noch mit Healthineers. Das Management hat Philips praktisch komplett neu erfunden, denn streng getrennte Sparten gibt es nicht mehr. Alles dreht sich nun um das sogenannte Healthcare Continuum, wobei es um Produkte und Dienstleistungen geht, die das Wohlbefinden und die Gesundheit fördern. Selbst ein schnöder Küchenmixer ist heute ein Wellness-Gerät für gesunde Ernährung. Innovative digitale Lösungen erhöhen die Kundenbindung und erweitern das Leistungsspektrum.

Digital ist wichtig

Wenn du also zukünftig darüber liest, dass ein Unternehmen eine Digitalisierungs-Offensive startet, dann solltest du hinterfragen, was wohl damit gemeint ist. Will man den Digitalisierungsgrad erhöhen, um eine neue Strategie zu ermöglichen oder geht es nur um eine gewisse Effizienzsteigerung? Letzteres ist zwar nicht schlecht, aber wenn die Vision des Managements nicht weiter reicht, dann könnte im schlimmsten Fall die Zukunft auf dem Spiel stehen.

Jeanne Ross hat einige Beispiele gegeben, von denen wir lernen können, was digitale Konzerne ausmacht. Mich hat der Artikel überzeugt und ich bin sicher, dass wir damit ein weiteres Werkzeug in den Händen halten, um die besten Unternehmen der Welt zu identifizieren.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt Aktien von Oracle. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler.

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