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Meldung
Salar de Uyuni Sonnenuntergang

Die weltgrößte Lithium-Lagerstätte wird in Kooperation von einem deutschen Konsortium entwickelt werden und die gemeinsamen Pläne gehen weit über den reinen Abbau hinaus. Noch sind keine Details bekannt, aber es spricht einiges dafür, dass thyssenkrupp (WKN:750000) die treibende Kraft dahinter ist und auch die deutsche Gigafactory-Initiative TerraE eine wichtige Rolle bei der Industrialisierung des Leichtmetalls in Bolivien spielen wird.

Die Entscheidung ist gefallen

Es war ein langer Prozess, bis die Entscheidung fiel, welcher der zahlreichen Bewerber den Zuschlag für die Ausschreibung zur Errichtung der Lithium-Fabrik am Salzsee von Uyuni erhalten würde. Zuletzt waren noch die chinesische Firma Beijing Maison Engineering und das mysteriöse deutsche Konsortium AFK im Rennen. Das für die Industrialisierung von Lithium zuständige Staatsunternehmen YLB gab am Wochenende bekannt, dass es mit den Deutschen eine strategische Partnerschaft eingehen wird.

Nun soll ein Joint Venture gebildet werden, an dem YLB mit 51 % die Kontrolle behält. Bereits die erste Phase, bestehend aus der Planung der Lithium-Produktionsanlage und der technischen Beratung, wurde mit der thüringischen K-UTEC in deutsche Hände gegeben, sodass nun die Kontinuität gesichert erscheint.

Ausschlaggebendes Argument war offenbar auch, dass das Konsortium die Industrialisierungswünsche der bolivianischen Regierung umfassend aufgegriffen hat. In einer dritten Phase soll eine lokale Batteriezellfertigung errichtet sowie eine gesicherte Nachfrage dafür organisiert werden. Laut Informationen der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) wurde dabei auch an die Verwertung weiterer Rohstoffe aus der Sole gedacht. Aber wer steht eigentlich hinter AFK?

Das Konsortium

In ersten Pressemeldungen hieß es, dass eine zur „ACI Group“ gehörende ACI systems GmbH als Konsortialführer den Auftrag gewonnen habe. ACI was? Hat ein Leser schon mal davon gehört? Und Reuters schreibt, dass die 1,3 Mrd. US-Dollar investieren wollen. Die weitere Recherche ergab, dass sie 2012 das letzte Mal einen Geschäftsbericht im Bundesanzeiger hinterlegt haben. Damals hatten sie bescheidene 62 Tausend Euro Eigenkapital.

ACI systems GmbH aus Zimmern ob Rottweil gehört zur am selben Ort angesiedelten ACI-Group. Die Schwarzwälder bieten im Verbund ein breites Lösungsspektrum rund um Produktionsmaschinen und Prozessausrüstung für diverse Branchen und Hightec-Anwendungen, darunter Batterien. Auch die Schwestergesellschaften sind klein, sodass ACI unmöglich die angekündigten Investitionen auch nur annähernd stemmen kann. Lass uns also noch etwas tiefer bohren.

Die ACI-Group wurde laut der Eigenpräsentation von Akademikern und Fraunhofer-Forschern gebildet – und hier wird es interessant: Leute von Fraunhofer-Instituten sind typischerweise gut international vernetzt und bestens geübt darin, Bewerbungsunterlagen für öffentliche Aufträge zu erstellen. Ich schätze, dass dies die Hauptrolle von ACI ist.

Die anderen Mitglieder des Konsortiums haben also ACI vorgeschickt, um selbst erst einmal im Hintergrund bleiben zu können. Von der KAS war nur zu erfahren, dass es sich dabei um einen „internationalen Prozessanlagenhersteller aus Peru sowie ein international tätiges Bauunternehmen aus Santa Cruz / Bolivien“ handele. Die kryptische Formulierung bedeutet wohl, dass es sich um zwei multinationale Konzerne handelt, die in Peru bzw. Bolivien Tochtergesellschaften haben.

Das Bauunternehmen erscheint mir nicht sonderlich interessant, weil es vermutlich primär für die Bereitstellung von Manpower zuständig sein wird. Aber beim Prozessanlagenhersteller aus Peru bin ich neugierig geworden.

Hier kommt thyssenkrupp ins Spiel

Schon im Januar, als mir die Informationen zum Konsortium noch nicht vorlagen, tippte ich auf thyssenkrupp als favorisiertes Unternehmen für den Bau der Lithium-Fabrik. Aber hat der Technologiekonzern eine relevante Präsenz in Peru jenseits von Aufzügen? Ja, er hat: thyssenkrupp Industrial Solutions (Peru) lieferte in dem Land 2015 umfangreiche Anlagen für eine Kupfermine, eröffnete im gleichen Jahr einen weiteren Servicestandort im Bereich der Zement- und Rohstoffindustrie und 2016 einen neuen Hauptsitz in Lima. Auch an der Errichtung einer Zementfabrik im bolivianischen Potosí unweit von Uyuni, deren Grundstein 2017 gelegt wurde, ist man beteiligt.

Aber es kommt noch besser: Im April 2017 wurde Juan Carlos Becerra neuer Chef der peruanischen Landesgesellschaft, bleibt aber gleichzeitig auch der Boss der chilenischen. Nun ist ja bekannt, dass Bolivien und Chile aus historischen Gründen sich überhaupt nicht grün sind. Da macht es sich politisch nicht gut, ein Prestigeprojekt an die ungeliebten Nachbarn westlich der Anden zu vergeben.

Es könnte daher ein schlauer Schachzug gewesen sein, als freundliche Peruaner aufzutreten anstatt als Chilenen. Ein weiteres Detail ist mir aufgefallen: Juan Carlos Becerra war zuvor eine der entscheidenden Figuren beim Aufbau der Sociedad Quimica y Minera de Chile SA (WKN:895007), heute einer der weltweit führenden Lithium-Konzerne, bekannt als SQM.

Ein anderer Aspekt ist, dass thyssenkrupp auch ein Hauptakteur hinter der deutschen Gigafactory-Initiative TerraE ist. Dort soll ein beliebig skalierbares Produktionsmodul geschaffen werden, mit dem überall auf der Welt effizient Lithium-Batteriezellen gefertigt werden können. Da läge es doch nahe, die jetzt erforschte und entwickelte Technologie in einigen Jahren nach Bolivien zu transferieren, um von dort aus die Region von Kolumbien bis Brasilien zu beliefern.

An dieser Stelle gehen meine Spekulationen aber schon ganz schön weit, sodass ich das Weiterspinnen erst mal abbreche. Sicher ist, dass hier nach dem Zwei-Ozean-Zug quer durch Südamerika ein weiteres deutsch-bolivianisches Megaprojekt zum beiderseitigen Nutzen entsteht. Ich für meinen Teil bin sehr gespannt, wie sich das alles entwickeln wird.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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