ATX (Austrian Traded Index)


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Meldung
Wien (www.aktiencheck.de) - Die Geschichte wiederholt sich, so Peter Brezinschek, ChefAnalyst der Raiffeisen Bank International AG.


Wie schon im ersten Quartal habe sich die Dynamik der CE- und der meisten SEE-Volkswirtschaften nochmals beschleunigt. In fast allen Ländern der Region sei der private Konsum ein Kernelement der Wachstumsstory, angetrieben von signifikantem Beschäftigungswachstum und damit einhergehenden überdurchschnittlichen Lohnsteigerungen. In Rumänien und Ungarn würden die Nominallöhne 2017 sogar zweistellig steigen. Bei wenig veränderter Sparquote werde damit der private Konsum auch 2018 das Rückgrat des Konjunkturzyklus für die Region bleiben, meine Brezinschek.

Zum dritten Mal in Folge habe das Quartalswachstum sowohl in Zentraleuropa (CE) als auch in Südosteuropa (SEE) im Vergleich zum Vorquartal bei über 1 Prozent gelegen. Im Vorjahresvergleich sei die CE-Wachstumsprognose im zweiten Quartal somit auf 4,0 Prozent p.a. geklettert, in SEE sei sie auf 4,5 Prozent p.a. gestiegen. Das saisonal angepasste Quartalswachstum in Russland und Ukraine habe sich im zweiten Quartal auf 1 Prozent verdoppelt (Jahresprognose 2,5 Prozent p.a.). Das gesamte Quartalswachstum in CEE überschreite folglich die Einprozentmarke und liege damit höher als in jedem anderen Quartal der vergangenen zwei Jahre. Externe Unterstützung sei aus der Eurozone gekommen, wo in diesem Zeitraum ein robustes Wachstum von 0,5 Prozent p.q. verzeichnet worden sei. Raiffeisen Research habe daher für einige Volkswirtschaften, z.B. Polen, Tschechien, aber auch Rumänien, Bulgarien und Slowenien die BIP-Schätzungen für 2017 und 2018 nach oben revidiert.

Keine Notwendigkeit für Änderungen sehe Brezinschek bei den Prognosen der Teuerungsraten. Diese seien zwar 2017 das erste Mal seit drei Jahren wieder durchgehend im positiven Bereich, eine markante Beschleunigung werde jedoch für 2018 nicht erwartet. Der Durchschnitt von CE und SEE sollte sich nächstes Jahr zwischen 2 Prozent und 2,5 Prozent bewegen. Das genüge aber, dass die Geldpolitik selektiv darauf reagiere. Raiffeisen Research rechne in Tschechien, Rumänien und schließlich Polen mit geldpolitischen Einschränkungen und Zinserhöhungen. In Russland würden die Analysten im Wesentlichen ein Pendeln knapp um das Inflationsziel von 4 Prozent erwarten, sodass der Russischen Zentralbank noch genügend Zinssenkungsspielraum bis Sommer 2018 gegeben sei. Insgesamt bleibe aber die EZB-Geldpolitik zinsdämpfend für die EU-Länder auch außerhalb der Eurozone.

Die österreichische Konjunktur sehe Brezinschek aktuell in sehr guter Verfassung. Mit einer Zuwachsrate des realen BIP von durchschnittlich 0,8 Prozent p.q. im ersten und zweiten Quartal sei die konjunkturelle Dynamik im ersten Halbjahr so hoch gewesen wie zuletzt im Vergleichszeitraum 2011. Brezinschek: "Österreich gehört beim BIP-Wachstum derzeit zum Spitzenfeld der Eurozone, wobei die hohe Dynamik vor dem Hintergrund einer jahrelangen unterdurchschnittlichen Konjunktur auch als Nachholeffekt zu sehen ist. Die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Halbjahr war sowohl von der Binnennachfrage als auch vom Außenhandel getragen."

Zwar habe der private Konsum aufgrund des auslaufenden Effektes der Anfang 2016 in Kraft getretenen Steuerreform sowie einer höheren Inflation etwas niedrigere Zuwachsraten verzeichnet. Diese seien aber immer noch als solide zu bezeichnen. Als Wachstumsstütze hätten sich ebenso die Investitionen erwiesen. Die positive Tendenz habe sich dabei nicht nur auf die Ausrüstungsinvestitionen beschränkt, auch die Bauinvestitionen seien in den ersten sechs Monaten merklich ausgeweitet worden. Die Exporte wiederum hätten vom positiven außenwirtschaftlichen Umfeld profitiert.

Nach dem im Februar verzeichneten vorläufigen Höhepunkt mit 2,4 Prozent p.a. sei die Inflation auf 2,1 Prozent p.a. im August zurückgegangen, was hauptsächlich der Ölpreisentwicklung geschuldet sei (deutlich geringere Anstiege im Vorjahresvergleich). Die Preisdynamik bei Dienstleistungen sei hingegen weiterhin hoch. Auch wenn sich die Gesamtinflation zunächst noch weiter abschwächen dürfte, zeichne sich für 2017 im Vorjahresvergleich ein Anstieg der Teuerung von 1,0 Prozent auf 2,0 Prozent p.a. ab. Für 2018 und 2019 würden die Analysten von Raiffeisen Research eine ähnliche Dynamik mit jeweils 2,1 Prozent p.a. erwarten, was die gute Konjunktur und die damit einhergehende zunehmende Überauslastung der Produktionskapazitäten reflektiere.

Der Ausblick zumindest für die kommenden Monate gestalte sich weiterhin günstig. So habe beispielsweise der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe im August bei 61,1 Punkten und damit auf dem zyklischen Höchststand notiert. "Vor dem Hintergrund der sehr guten Konjunkturentwicklung in den ersten sechs Monaten und der Aussicht auf eine weiterhin hohe Dynamik im zweiten Halbjahr haben wir unsere Wachstumserwartung für 2017 von 2,2 Prozent auf 2,8 Prozent angehoben. Die gute Konjunktur sollte zumindest 2018 anhalten, obwohl wir für das kommende Jahr mit 2,2 Prozent, nach zuvor 1,7 Prozent, bereits niedrigeres Wachstum unterstellen Das BIP-Wachstum im Gesamtjahr 2017sowie in den beiden Folgejahren dürfte auf breiter Basis erfolgen. Für 2019 erwarten wir eine Steigerung von 1,4 Prozent", so Brezinschek.

Im dritten Quartal 2017 hätten die von Raiffeisen Research betrachteten CEE-Aktienmärkte nahezu geschlossen die westlichen etablierten Counterparts teils deutlich hinter sich gelassen. Während die US-Aktienmärkte ein solides Kursplus samt teilweise neuer Allzeithöchststände (S&P 500) hätten vorweisen können, hätten die europäischen etablierten Aktienmärkte mit einer zwischenzeitlichen Korrektur eine Verschnaufpause eingelegt. "In Punkto Geldpolitik und Liquidität gehen wir aktuell von einem sanfteren Zinserhöhungspfad für die USA aus, während in Europa die geldpolitische Wende weiterhin noch nicht offiziell eingeläutet wurde. In Anbetracht der sehr guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erwarten wir dementsprechend ein Anhalten des positiven Sentiments auf den internationalen Aktienmärkten bis über den Jahreswechsel 2017/2018 hinaus", meine Brezinschek.

Die deutliche Outperformance des österreichischen Aktienmarktes gegenüber europäischen und globalen Vergleichsindices habe über die Sommermonate weiter zugenommen. Mit einem Anstieg von über 26 Prozent seit Jahresbeginn zähle der österreichische Leitindex ATX (ISIN AT0000999982 / WKN 969191 ) weiterhin zu den sich am stärksten entwickelnden Aktienindices in 2017. Der Zuwachs liege beträchtlich über der Performance von anderen europäischen Leitindices wie EURO STOXX 50 (plus 9 Prozent), DAX (plus 11 Prozent) oder CAC40 (plus 9 Prozent).

In einem allgemein freundlich erwarteten Aktienmarktumfeld sehe Raiffeisen Research den ATX bis zum Jahresende um weitere knapp 5 Prozent höher bei 3.450 Punkten. Haupttreiber sei nach Ansicht der Analysten vor allem die an Dynamik gewinnende Konjunkturentwicklung in Österreich, der übrigen Eurozone und in CEE. Vor diesem Hintergrund werde in den kommenden Quartalen eine starke Entwicklung der Unternehmensgewinne erwartet. Der Wiener ATX habe im Zuge der starken Aufwärtsbewegung der letzten Monate seinen Bewertungsabschlag gegenüber dem breiten europäischen Markt etwas verringert und notiere aktuell mit einem KGV von 14,3 für 2017 und 13,3 für 2018. (02.10.2017/ac/a/m)


 

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