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Meldung

Wer braucht schon Kino oder Freizeitparks, wenn es den Aktienmarkt gibt? Die Anleger erlebten im Jahr 2020 durch die Pandemie eine Achterbahnfahrt. Nachdem der Referenzindex S&P 500 in etwa einem Monat 34 % seines Wertes verloren hatte, ging es in den folgenden neun Monaten steil nach oben. Der Gewinn von 16 %, den der S&P 500 im Jahr 2020 verzeichnete, war fast doppelt so viel wie die durchschnittliche jährliche Rendite der letzten 40 Jahre. Gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, was alles los war.

Aber es gab eine Gruppe von Aktien, die den breiteren Markt im Jahr 2020 auf unfassbare Weise übertroffen hat, und das war in den letzten zehn Jahren auch die Norm: die FAANG-Aktien.

Unter FAANG-Aktien versteht man:

  • Facebook (WKN: A1JWVX)
  • Apple (WKN: 865985)
  • Amazon (WKN: 906866)
  • Netflix (WKN: 552484)
  • Google, eine Tochtergesellschaft von Alphabet (WKN: A14Y6F)

Im vergangenen Jahr, inmitten der stärksten Rezession seit Jahrzehnten, erzielten diese Aktien Renditen zwischen 31 % (Alphabet) und 81 % (Apple). Über den Zeitraum der letzten zehn Jahre sind die Gewinne der FAANGs sogar noch beeindruckender: Netflix, Amazon und Apple sind alle zwischen 1.000 % und 2.000 % gestiegen.

Dahinter stecken ein überwältigender Marktanteil in schnell wachsenden Branchen und ständige Bereitschaft zur Innovation.

Beispiel: Alphabets Google hat über den Zeitraum der letzten 12 Monate einen Anteil von 91 bis 93 % bei der Internetsuche kontrolliert. Währenddessen stand Amazon laut eMarketer im Jahr 2020 hinter 38,7 % des gesamten US-E-Commerce. Das sind rund 33 Prozentpunkte mehr als der nächstbeste Konkurrent. Und dann ist da noch Facebook, dem vier der sechs meistbesuchten sozialen Plattformen der Welt gehören.

Da die FAANGs so viel operativen Cashflow erwirtschaften, können sie auch aggressiv in die Produktentwicklung und neue Projekte reinvestieren. Apple zum Beispiel schwimmt in so viel Bargeld, dass das Unternehmen Berichten zufolge an einem Elektroauto arbeitet, das 2024 auf den Markt kommen soll.

Eine FAANG-Aktie, die du jetzt kaufen solltest

Aber wenn ich mir die FAANGs ansehe, sticht ein Unternehmen als außergewöhnlich preiswert hervor, während ein anderes vergleichsweise hoch bewertet erscheint.

Die FAANG-Aktie, die ich als den stärksten Kauf betrachten würde, ist Amazon.

Wie bereits erwähnt, schätzte eMarketer den Anteil von Amazon an den US-Online-Verkäufen im Jahr 2020 auf 38,7 %. Das Verrückte daran ist, dass eMarketer auch prognostiziert, dass das Unternehmen seinen Anteil im Jahr 2021 um weitere 100 Basispunkte erhöhen wird. Ziemlich genau 0,40 US-Dollar von jedem Dollar, der in den USA online ausgegeben wird, werden an Amazon gehen.

Zugegeben, die Margen im Einzelhandel sind in der Regel gering. In den ersten neun Monaten des Jahres 2020 erwirtschaftete Amazon in Nordamerika 160,9 Mrd. US-Dollar Umsatz (ohne Amazon Web Services – AWS), aber nur 5,7 Mrd. US-Dollar Betriebsgewinn. International erzielte Amazon bei einem Umsatz von 66,9 Mrd. US-Dollar einen operativen Gewinn von 355 Mio. US-Dollar.

Allerdings konnte Amazon mehr als 150 Millionen Menschen weltweit für eine Prime-Mitgliedschaft gewinnen. Mit einem Jahrespreis von 119 US-Dollar sind das mindestens 18 Mrd. US-Dollar pro Jahr an zusätzlichen Einnahmen. Die helfen dem Unternehmen, seine Konkurrenten bei den Preisen zu unterbieten. So stellt man auch sicher, dass die Verbraucher dem wachsenden Angebot an Produkten und Dienstleistungen treu bleiben.

Aber der eigentliche Anreiz könnte das schnell wachsende Cloud-Infrastruktur-Segment des Unternehmens sein, AWS. Es ist in aufeinanderfolgenden Quartalen um 29 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 46 Mrd. US-Dollar. Noch wichtiger ist, dass die mit Cloud-Services verbundenen Margen die Margen im Einzelhandel in den Schatten stellen. Obwohl AWS in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 nur ein Achtel des Gesamtumsatzes des Unternehmens ausmacht, hat das Unternehmen 10 Mrd. US-Dollar an Betriebseinnahmen erzielt. Im Vergleich dazu beträgt das Betriebsergebnis aller anderen Geschäftsbereiche zusammen etwas mehr als 6 Mrd. US-Dollar.

In den letzten zehn Jahren hat Amazon konsequent jedes Jahr mit einem Vielfachen des 23- bis 37-Fachen des operativen Cashflows abgeschlossen. Aber dank AWS hat der operative Cashflow von Amazon eine echte Chance, sich bis 2023 zu verdreifachen. Wenn sich die Prognose der Wall Street als zutreffend erweist, würde Amazon im Jahr 2023 nur zum 14-Fachen seines operativen Cashflows bewertet werden. Dies deutet darauf hin, dass sich der Aktienkurs von Amazon verdoppeln könnte. Das ist ein Schnäppchen, das sich Investoren nicht entgehen lassen sollten.

Die FAANG-Aktie, die es zu meiden gilt

Allerdings sind nicht alle FAANG-Aktien einen Kauf wert. Auch wenn Netflix in den letzten zehn Jahren der Top-Performer der Gruppe war, würde ich die Finger davon lassen.

Offensichtlich hat Netflix etwas richtig gemacht. Dank aggressiver Expansion nach Übersee und früher Einführung von Streaming sowie der Konzentration auf Eigenproduktionen konnte man weltweit mehr als 195 Millionen zahlende Abonnenten  hinzugewinnen. Darin enthalten sind 28 Millionen neue zahlende Abonnenten seit Anfang des Jahres, was im Lockdown nicht sonderlich überraschend ist.

Aber es gibt zwei Faktoren, die mich weiterhin misstrauisch machen.

Erstens sind die anderen FAANG-Aktien absolute Cash Cows. Zum Beispiel wird erwartet, dass Facebook und Amazon bis 2023 einen operativen Cashflow von etwa 23 US-Dollar pro Aktie bzw. 231 US-Dollar pro Aktie generieren werden. Netflix hingegen hat so aggressiv in internationale Expansion und Eigenproduktionen investiert, dass das Unternehmen jedes Jahr einen Netto-Cash-Verlust verzeichnet. Selbst wenn es Netflix gelingt, diese Serie zu durchbrechen, wird das Unternehmen im Verhältnis zum operativen Cashflow wesentlich teurer sein als die anderen vier FAANGs.

Abgesehen von der Bewertung gibt es klare Bedenken wegen des zunehmenden Wettbewerbs. Es ist nicht so, dass diese neuen Bewerber unbedingt Netflix’ Anteil bedrohen, vielmehr werden sie wahrscheinlich die Menge an neuen Anteilen, die Netflix sich sichern kann, dramatisch verlangsamen.

Walt Disney ist ein perfektes Beispiel. In etwas mehr als einem Jahr nach dem Start des Streaming-Dienstes Disney+ hat dieser 86,8 Millionen zahlende Abonnenten gewonnen. In 13 Monaten hat Disney das obere Ende seiner Abonnentenprognose für 2024 erreicht. Man erwartet, dass Disney+ bis Ende 2024 weltweit zwischen 230 und 260 Millionen Abonnenten haben wird.

Disney ist zwar der erfolgreichste Start der letzten Zeit. Aber auch HBO Max und andere Streaming-Dienste werden Netflix bei der Gewinnung neuer Nutzer einen Strich durch die Rechnung machen. 

Ich glaube, dass Netflix in eine reifere (d. h. langsamere) Wachstumsphase eintreten wird. Dadurch rücken traditionellere Kennzahlen in den Fokus. Das ist keine gute Sache für Netflix.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet, Amazon, Apple, Facebook, Netflix und Walt Disney. Sean Williams besitzt Aktien von Amazon und Facebook. Dieser Artikel erschien am 7.1.2020 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

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