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Meldung

Nach den jüngsten Rekorden von S&P 500 und Dow Jones Industrial warnt so mancher Analyst vor Absturzgefahren. Die guten Geschäfte von US-Konzernen wie Cisco Systems, Applied Materials und Johnson & Johnson sowie eine weitere Vertagung der Zinsanhebung könnten dagegenhalten.

 

Wie in jedem Jahr gegen Ende August treffen sich ab heute wieder Notenbanker und Experten aus allen Teilen der Welt im beschaulichen Bergdorf Jackson Hole am Rande der Rocky Mountains. Während sich die Teilnehmer darüber austauschen, wie allerorts stabile geldpolitische Rahmenbedingungen für die Zukunft geschaffen werden können, interessieren sich Anleger wohl mehr für die Rede von US-Notenbankchefin Janet Yellen am Freitag, die einmal mehr mögliche Hinweise zum Zeitpunkt des nächsten Zinsschrittes in den USA enthalten könnte. Martin Hüfner rät Anlegern in seinem aktuellen Wochenkommentar, die Erwartungen einer Zinserhöhung in den USA zunächst einmal herunterzuschrauben und generell weniger auf die Worte von Notenbankern zu geben. Denn die änderten sich zu oft. "Gefühlt, das heißt in den Prognosen der Märkte, gab es in den letzten zwei Jahren mindestens zehn Zinserhöhungen", beschreibt der Chefvolkswirt von Assenagon. Alle hätten Wirtschaft und Märkte belastet. "In der Realität ist der amerikanische Leitzins aber nur einmal um lächerliche 25 Basispunkte angehoben worden."

 

Zinsschritt rückt in weitere Ferne

 

Auch von Jackson Hole erwartet Hüfner keine neuen Erkenntnisse. Zwar sehe es in den Vereinigten Staaten hinsichtlich derPreisstabilität und niedriger Arbeitslosigkeit derzeit gut aus. Bei einer Inflation von 1,2 Prozent gäbe es keine Deflationsangst mehr, ein monatlicher Aufbau von im Schnitt rund 140.000 Stellen könne sich ebenfalls sehen lassen. Allerdings hinke mit einem Plus von unter 1 Prozent in den vergangenen drei Quartalen das Wachstum hinterher. Eine zu geringe Expansion des Bruttoinlandsproduktes wirkt sich nach Auffassung von Hüfner längerfristig negativ auf Arbeitsmarkt und Preise aus. Setze sich diese Entwicklung fort, werde die Federal Reserve auch die Zinsen nicht anheben.

 

Gegen eine Zinserhöhung im September spreche zudem der dann noch laufende Präsidentschaftswahlkampf, anschließend würden alle erst einmal darauf schielen, was der neue Präsident plant. "Eine Zinserhöhung wird es aus meiner Sicht also frühestens im nächsten Jahr geben, vorausgesetzt das Wachstum wird besser." Eine Wachstumsverschlechterung würde US-Aktien zwar belasten, im Gegenzug profitierten sie jedoch wie bisher von den niedrigen Zinsen.

 

Neuaufstellung von Cisco Systems trägt Früchte

 

Walter Vorhauser sieht die Luft nach oben für amerikanische Aktien langsam dünner werden, nachdem diese in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen sind. "In den kommenden Monaten steht vermutlich eine Korrektur an", prognostiziert der Händler der Oddo Seydler Bank, der auf eine schwächere Marktphase nach den Präsidentschaftswahlen tippt. "Der genaue Zeitpunkt ist aber wie gewohnt offen."

 

Für Unternehmen wie Cisco Systems (WKN 878841) gibt sich Vorhauser dennoch optimistisch. Der führende Hersteller von Routern und Switches treibe erfolgreich die Transformation vom Hardware-Anbieter zur Software-Schmiede voran. "Cisco bietet unter anderem für die NSA Sicherheitslösungen und weltweite Web-basierte Kommunikation für Unternehmen." Mit IBM (WKN 851399) als Partner entwickle der IT-Riese das Internet der Dinge, das zusammen mit dem Bereich Anwendungen neben Netzwerken, Cloud-Services und Sicherheit mittlerweile eines der vier Standbeine von Cisco sei.

 

Das Geschäftsergebnis für das vierte Quartal beschreibt Vorhauser als solide. Der Umsatzrückgang sei mit minus 1,6 Prozent auf 12,6 Milliarden US-Dollar niedriger ausgefallen als erwartet. "Beim Gewinn schaffte der Konzern eine Steigerung von 2,3 auf 2,8 Milliarden US-Dollar." Das Ergebnis spiegelt sich im Kursverlauf der Aktie wider. Seit dem Tief im Februar legte der Wert von knapp 20 auf 27,54 Euro zu. Mitte 2011 notierte die Cisco-Aktie noch unter 10 Euro.

 

Applied Materials profitiert von Tech-Boom

 

Ebenso gelinge es dem weltgrößten Hersteller von Fertigungsanlagen für die Halbleiterindustrie, seine Aktionäre mit einem um 13 Prozent höheren Umsatz für das zweite Quartal positiv zu beeindrucken. Die Aktie von Applied Materials (WKN 865177) hat sich seit Februar fast verdoppelt und notiert aktuell bei 26,46 Euro. "Die Auftragsbücher sind voll, im ersten Quartal steht bei den Bestellungen ein Plus von 42 Prozent zu Buche", weiß Vorhauser. Applied Materials profitiere von der starken Nachfrage nach Produkten für die Herstellung von Chips für Flachbildschirme und Smartphones etwa durch Intel (WKN 855681). Das Management des Unternehmens rechne auch im laufenden Quartal mit um 15 Prozent steigenden Verkäufen.

 

Pharmabereich von Johnson & Johnson überzeugt

 

Der Anstieg der Johnson & Johnson-Aktie (WKN 853260) von 89 auf 105 Euro seit Mitte Februar mutet dagegen etwas bescheidener an. Mit rund 4 Prozent mehr Umsatz im Pharmageschäft und knapp 9 Prozent höhere Verkäufe von Medikamenten im zweiten Quartal sieht Vorhauser den Pharmariesen dennoch auf einem guten Weg. "Johnson & Johnson hat mit dem Rheumamittel Remicade und dem Blutgerinner Xarelto zwei Blockbuster im Programm", erinnert Vorhauser. Auch das Krebsmittel Imbruvica trage zum soliden Ergebnis bei. "Bei Pflegeprodukten wie Penaten und Bebe ist es nicht so gut gelaufen." Wie in den Jahren zuvor wirkten sich Währungseinflüsse auf Umsatz und Gewinn aus. Auf etwaige Folgeklagen, nachdem einer Frau 72 Millionen US-Dollar zugesprochen wurden, sei das Unternehmen vorbereitet. Die Kundin habe vor Gericht erfolgreich eine Krebserkrankung auf Babypuder von Johnson & Johnson zurückgeführt.

 

von: Iris Merker

25. August 2016, © Deutsche Börse AG



 

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