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Meldung

Das noch junge Unternehmen NFON (WKN:A0N4N5) hat es an die Börse geschafft und weder Analysten noch Aktionäre wissen so recht, was das Ding wert sein könnte. Was teuer wirkt, könnte in Wahrheit billig sein.

Das ist NFON

Die mit Unterstützung von Wagniskapitalgebern hochgezogene NFON gehört heute zu den größten europäischen Anbietern von cloudbasierten Telefonanlagen. Diese haben gegenüber der herkömmlichen Variante den Vorteil, dass die aufwändige Einrichtung und Wartung samt Kabelsalat vor Ort entfällt. Die Endgeräte müssen lediglich mit einem Internetrouter verbunden werden, bevorzugt über Funk.

Kunden können daher schneller und günstiger loslegen sowie auch geographisch weit verstreute Mitarbeiter einbinden. Außerdem profitieren sie von zusätzlichen Komfortfunktionen und umfangreichen Managementfunktionen, die über eine Weboberfläche unkompliziert genutzt werden können.

Ende März machten gut 15.000 Geschäftskunden mit über 250.000 Nebenstellen davon Gebrauch. Gerade für Start-ups, Büros und kleinere Unternehmen ist solch ein Angebot besonders attraktiv, aber auch Großunternehmen werden von NFON adressiert.

Was mich zurückschrecken lässt …

Was NFON macht, ist also sicherlich interessant. Allerdings sind die Münchener längst nicht die einzigen in diesem Markt. Allein in Europa gibt es schon eine Menge Anbieter, die unter dem Stichwort „Unified Communications as a Service“ (UCaaS) Ähnliches versprechen. Hinzu kommen die derzeit in Kontinentaleuropa noch zurückhaltend agierenden amerikanischen Konkurrenten sowie Netzwerkbetreiber wie Vodafone (WKN:A1XD9Z) und die etablierten Endgerätehersteller.

Letztere könnten in Zukunft verstärkt versuchen, ihre Kundenbasis in Eigenregie oder in Kooperation mit einem NFON-Rivalen in die Cloud zu führen. Darunter befinden sich auch Branchengrößen wie CISCO (WKN:878841), Alcatel-Lucent Enterprise und Unify, eine Atos (WKN:877757)-Tochter.

Das sieht also nach einem ziemlich gefährlichen Haifischbecken aus, in das der kleine NFON-Fisch gesprungen ist. Da heißt es, schnelle Flossen zu haben. Der Blick auf die Zahlen zeigt immerhin, dass der Newcomer durchaus auf dem richtigen Weg ist, was den Umsatz angeht. Der hat sich innerhalb von zwei Jahren um drei Viertel auf knapp 36 Mio. Euro gesteigert.

Weniger toll sieht es beim Gewinn aus. Nicht einmal beim EBITDA, also dem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kam 2017 ein positiver Wert heraus. Erst nach der Anpassung von Einmaleffekten erscheint eine „Schwarze Null“. Das wirkt auf den ersten Blick nicht gerade nachhaltig.

… und warum ich trotzdem Chancen sehe

Allerdings ist NFON ziemlich schlank aufgestellt und hat daher nicht viel abzuschreiben. Auch das Zinsergebnis ist vernachlässigbar und Steuern fallen ebenfalls erst mal kaum welche an. Von daher muss eigentlich nur der Umsatz noch ein bisschen hochskalieren, dann könnten schon in wenigen Jahren deutliche Nettogewinne herausspringen.

Was die Konkurrenz angeht, ist sicherlich etwas Vorsicht angebracht, aber auch Netflix (WKN:552484) hat mächtigen Wettbewerb. Bei solchen internetbasierten Lösungen setzt sich der Schnellste und Beste durch, egal ob groß oder klein. Mit dem jetzt eingesammelten Geld sollte es zumindest gelingen, die kleineren Wettbewerber nachhaltig abzuschütteln.

Der Zeitpunkt dafür ist günstig, denn Festnetzbetreiber wie die Deutsche Telekom (WKN:555750) arbeiten daran, komplett auf Internettechnik umzustellen, Stichwort „All-IP“. Unternehmen werden also irgendwann mehr oder weniger gezwungen sein, in eine moderne Lösung zu investieren.

NFON erscheint gut positioniert, um davon besonders zu profitieren. Zum einen konnte es über die letzten Jahre eine Reihe von starken Vertriebspartnerschaften etablieren. Zum anderen werden vermehrt mit Lösungspartnern Premium-Angebote für spezielle Bedarfe entwickelt, etwa für Callcenter oder Hotels. Das bringt genauso Mehrwert wie die geplanten Zusatzfeatures rund um die Kollaboration.

Eine weitere Wachstumsdimension ergibt sich über die Internationalisierung. Zwar ist man bereits in einer Reihe von Ländern präsent, aber was die Marktbearbeitung angeht, steht NFON vielerorts noch ziemlich am Anfang. Gelingt es, das Potenzial auszuschöpfen, könnten die Kundenzahlen noch wesentlich schneller als bisher hochschießen.

Alles ist möglich

Steckt in NFON ein „Tenbagger“, also eine Aktie mit dem Potenzial, sich langfristig zu verzehnfachen? Möglicherweise ja. Unter Berücksichtigung des Wachstumsprofils bedeutet die aktuelle Bewertung von 163 Mio. Euro (17.05.) für mich, dass in einigen Jahren die Marke von 10 Mio. Euro Nettogewinn überschritten werden sollte. Dank der mehrdimensionalen Entwicklungschancen und des gut skalierbaren Geschäftsmodells halte ich allerdings auch ein Mehrfaches davon für denkbar, wenn die Strategie voll aufgeht.

Die Betonung liegt auf „wenn“, denn Zweifel sind augenscheinlich angebracht. Falls Cisco, Vodafone und Co. mit mehr Aggressivität in den Markt drängen oder ein noch innovativerer Emporkömmling die Kunden abjagt, dann könnte es schwierig werden, auskömmliche Margen zu verdienen. Zunächst scheint der Weg jedoch frei, um durchzustarten.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Atos. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Netflix. The Motley Fool empfiehlt Cisco Systems.

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