Ethna-AKTIV A


WKN: 764930 ISIN: LU0136412771
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Meldung
Munsbach (www.fondscheck.de) - Dr. Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager bei ETHENEA, analysiert die aktuelle Lage in Großbritannien.

Brexit? Ja, da sei doch noch was gewesen.
Durch die Coronapandemie - und sicherlich auch einige Ermüdungserscheinungen ob des jahrelangen Dauerthemas - seien die Nachrichten über das Fortschreiten der Brexit-Verhandlungen in den Hintergrund getreten. Mit dem nahenden Jahresende, und damit dem Ende der Verhandlungen, sowie durch waghalsige politische Manöver des britischen Premierministers Boris Johnson sei das Thema aber zuletzt wieder verstärkt in den Fokus gerückt.

Am 15. Oktober, so möchte es Johnson, sollten die Details des Ausstiegsvertrages verhandelt sein. Doch auf politischer Ebene werde der Brexit voraussichtlich auch darüber hinaus noch weiter für viel Unruhe sorgen. Das Ergebnis der Verhandlung und die letztliche Ausgestaltung des Austrittvertrages seien völlig ungewiss, darüber lasse sich nur spekulieren. Etwas handfester hingegen könne man über den aktuellen Stand der britischen Wirtschaft reden. Angesichts der Tatsache, dass ein Brexit jedweder Form Auswirkungen haben dürfte, lohne ein genauerer Blick.

Vor der Corona-Krise habe die britische Wirtschaft gut da gestanden. Solide Zahlen, solides Wachstum, geringe Neuverschuldung - Großbritannien schien ähnlich stabil wie Deutschland, so die Experten von ETHENEA. Corona, vielmehr aber eine verfehlte Corona-Politik der Regierung, habe dies grundlegend geändert. Viel zu spät seien wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen worden und auch die Wiederöffnung sei zu schleppend erfolgt. Während in vielen Ländern der Eurozone die Wirtschaft wieder in gewissem Maße angelaufen sei, hinke England hinterher und sehe sich gleichzeitig mit der Aussicht konfrontiert, aufgrund massiv steigender Neuinfektionen die Wirtschaft erneut drosseln zu müssen, bevor sie richtig Fahrt habe aufnehmen können.

Die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal sei um 20,4 Prozent zum Vorquartal gesunken. Dies sei bemerkenswert schlecht und es habe damit deutlich unter dem Wert der Eurozone gelegen. Im gleichen Zeitraum sehen wir für die Eurozone einen Einbruch von 12,1 Prozent, so die Experten von ETHENEA. Die Experten würden diese Diskrepanz klar auf eine verfehlte Politik zur Eindämmung des Coronavirus zurückführen und nicht auf den Schwebezustand der Brexit-Verhandlungen.

Die Bank of England habe zudem bereits zweimal im März 2020 ihre Base Rate von 0,75 Prozent auf 0,1 Prozent gesenkt. Für diese Schritte gebe es valide Gründe, sie würden jedoch auch bedeuten, dass die Zentralbank bereits einen Teil ihres Pulvers verschossen habe, sollte sie weitere Zinsschritte zur Eindämmung eventueller negativer Auswirkungen des Brexits beschließen wollen. Als Folge dieser Zinsschritte und der Brexit-Unwägbarkeiten habe das Vereinigte Königreich erstmalig sechsmonatige Schuldverschreibungen mit negativer Rendite emittierte. Wir, aber auch viele andere Marktbeobachter, erwarten eine weitere Senkung der Base Rate in den negativen Bereich, so die Experten von ETHENEA. Diese könnte insbesondere im Fall eines harten Brexits sogar schnell bis auf -0,5 Prozent gesenkt werden.

Ein Anstieg der Arbeitslosenquote, ein weiterer Stellenabbau insbesondere im Einzelhandel und dem Unterhaltungssektor, sowie strengere Standards bei der Kreditvergabe an Hauskäufer seien darüber hinaus deutliche Anzeichen, dass die Wirtschaft im Vereinigten Königreich bereits jetzt mit signifikanten Problemen zu kämpfen habe. Die Coronapandemie habe den Spielraum der Zentralbank sowie die Handlungsfähigkeit der Regierung deutlich eingeschränkt. Auf der einen Seite seien Zentralbank und Regierung bereits jetzt in Alarmbereitschaft und die Verabschiedung von Unterstützungsmaßnahmen dürfte auf wenig Widerstand treffen. Auf der anderen Seite stelle sich aber die Frage, ob diese Maßnahmen im Umfeld einer nicht verschwindenden Pandemie nur eine zu geringe Wirkung entfalten würden.

Ändere der Corona-bedingte Lockdown und der dadurch hervorgerufene Wirtschaftseinbruch in der EU und in Großbritannien etwas an den Aussichten für die Brexit-Verhandlungen? Eher nicht. Es ließe sich zwar argumentieren, dass die schwierige wirtschaftliche Lage die Verhandlungsteilnehmer zu einer gütlichen Einigung treiben sollte, andererseits aber biete sich den britischen Politikern eine günstige Gelegenheit, die Folgen verfehlter Brexit-Verhandlungen einfach auf die Auswirkungen der Corona-Krise zu schieben. Wer könnte ihnen schon das Gegenteil beweisen?

Festzuhalten bleibe: Großbritannien habe sich in einer überdurchschnittlichen guten Ausgangsposition befunden, die Coronapandemie zu bewältigen. Diese Vorteile seien fahrlässig verspielt worden. Zunächst habe sich die Regierung geweigert, den nötigen Lockdown zu erlassen, um schließlich später als viele Nachbarstaaten einen noch weiterreichenden und länger andauernden Lockdown anzuordnen. Viele Indikatoren würden darauf hindeuten, dass die wirtschaftliche Situation mehr als ernst sei. Die Zentralbank habe ihre Mittel bereits teilweise aufgebraucht.

Sollte nun zu dieser Gemengelage noch ein harter oder härterer Brexit hinzukommen, könnte sich eine explosive Mischung ergeben. Die wirtschaftlichen und politischen Folgen seien kaum absehbar. Klar aber sei, dass Großbritannien an Boden verlieren werde, insbesondere gegenüber der EU. Viele hätten den Entschluss, aus der Europäischen Union auszutreten, von Beginn an als historischen Fehler gesehen. Die Coronapandemie, die völlig verfehlte Politik der Regierung Johnson und der Brexit könnten Großbritannien nun uneinholbar zurückwerfen.

Die von ETHENEA Independent Investors S.A. verwalteten Ethna Funds seien konservative, auf kontinuierliche Wertentwicklung und Risikominimierung ausgerichtete Vermögensverwaltungsfonds. Das aktiv verwaltete Vermögen der Ethna Funds betrage derzeit 3,45 Milliarden Euro, verteilt auf die drei Funds Ethna-DEFENSIV (ISIN LU0279509904 / WKN A0LF5Y ), Ethna-AKTIV (ISIN LU0136412771 / WKN 764930 ) und Ethna-DYNAMISCH (ISIN LU0455734433 / WKN A0YBKY ) (Stand: 30.06.2020). (30.09.2020/fc/a/f)


 

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