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Nun ist es also doch passiert. Die beiden großen
amerikanischen Hypothekenfinanzierer mit einem Gesamtdarlehenvolumen
von 5,3 Billionen Dollar schlüpfen unter das Dach der Federal Housing
Finance Agency (FHFA) und erhalten damit die Garantie zum Überleben.
Der amerikanische Staat wird künftig beide Unternehmen über den Kauf
von Vorzugsaktien und Anleihen bzw. der Vergabe von staatlichen
Krediten finanzieren.
Das war auch nötig, da sich bei einer kurzfristig durchgeführten
Prüfung herausstellte, dass die vorhandenen Kapitalreserven niedriger
waren als angegeben. Aufgrund dieser Sachlage musste schnell gehandelt
werden, um den drohenden Konkurs zu vermeiden. Finanzminister Paulson
begründete die Aktion wie folgt: "Failure of either of them would cause
great turmoil in our financial markets here at home and around the
globe”. Er handelte also ohne zu zögern, entließ umgehend die Vorstände beider Unternehmen, setzte einen sog. conservator (Vormund) ein und übernahm damit die Kontrolle. Ferner hat er die Dividendenzahlungen für die Stammaktien gestrichen und für die Vorzugsaktien ausgesetzt. Er nutzt damit die Möglichkeiten, die ihm der Kongress im Sommer auf sein Drängen hin gegeben hat. Das Finanzministerium (=Treasury) wird zur notwenig gewordenen Rettung 1 Mrd. Dollar Vorzugsaktien zeichnen und 200 Mio. Dollar Geldmittel einbringen. Das ist auch dringend nötig, da die beiden Strauchelnden im letzten Jahr zusammen über 14 Mrd. Dollar Verlust gemacht haben. Außerdem wird es mortgage-backed securities im Wert von 5 Mrd. Dollar zurückkaufen. Obwohl ich grundsätzlich ein Verfechter des freien Marktes bin, halte ich diese Maßnahme der amerikanischen Regierung für angemessen und richtig. So wie im letzten Jahr Ben Bernanke die Zinsen massiv senken musste, um den Finanzmarkt aufzufangen, so musste Henry Paulson jetzt agieren, um nicht den Zusammenbruch des gesamten amerikanischen Immobilienmarktes und der daran beteiligten Banken in Kauf zu nehmen. Das wird den amerikanischen Steuerzahler einiges kosten. Das ist klar. Andererseits müssen die Kosten der Aktion nicht ins Unendliche wachsen, wie jetzt manche unken. Auch wenn die Eigenheimpreise derzeit noch sinken, so wird von Immobilienexperten spätestens im nächsten Jahr der Tiefpunkt erwartet. Und nach einer gewissen Zeit der Stabilisierung werden die Preise auch wieder steigen. Das braucht allerdings Zeit. Und diese Zeit hätten die Aktionäre Fannie Mae und Freddie Mac nicht mehr gegeben. Denn, dass das Management verheimlicht hat, dass die Kapitalreserven niedriger sind, als angegeben, hätte auch den letzten Rest des Vertrauens in die beiden Unternehmen zerstört. Ein dramatischer Kursverlust wäre die Folge gewesen und hätte wahrscheinlich die Börsen weltweit mit in den Abgrund gerissen. Gott sei Dank ist dieses Szenario durch das hemdsärmlige Eingreifen von Paulson und der amerikanischen Regierung nicht eingetreten. So konnten die japanischen Börsen in den frühen Morgenstunden jubilieren und die Rettungsaktion mit einem Kursfeuerwerk und einem Anstieg des Nikkei von +3,53 % feiern. Aller Voraussicht nach werden auch die anderen Börsen mit deutlichen Kursgewinnen eröffnen. Zu Recht. Eines ist gewiss. Es wird eine spannende Woche werden. Und vielleicht stehen wir sogar am Beginn einer langen Hausse. Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen. Ihr Norbert Lohrke |