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Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Gab es in der Historie des britischen Pfundes schon einmal eine Situation, die für Sterling-Händler schwieriger war als diejenige, wie sie die jüngste Phase des Brexit-Prozesses darstellt? Tatsächlich mag es nicht das erste Mal gewesen sein, dass sich Devisenhändler während der vergangenen Jahrzehnte mit bevorstehenden großen - im Positiven wie im Negativen - Kursausschlägen auseinandersetzen mussten, so die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".


Ein Kommentator habe gestern als Beispiel das Jahr 1992 angeführt, als sich für die Devisenakteure an jenem 16. September des Jahres, dem besagten schwarzen Mittwoch, eigentlich nur eine vergleichsweise einfache Frage gestellt habe: Würde die Bank of England (BoE) angesichts des massiven Verkaufsdrucks (unter anderem verursacht durch eine für damalige Verhältnisse große Position des Milliardärs George Soros) in der Lage sein, das Britische Pfund nicht unter die untere Begrenzung des damals gültigen EWS-Interventionsbandes fallen zu lassen? Das Ergebnis sei hinlänglich bekannt: Die BoE habe aufgeben müssen.

Was sich seinerzeit fast schon wie eine eindimensionale Wette dargestellt habe, die für die Beteiligten aufgegangen sei oder nicht, stelle sich der Brexit-Prozess als mehrdimensionales "Entscheidungs-Monster" dar. Denn falls es die britische Premierministerin nicht schaffen sollte, den mit der EU bislang ausgehandelten Vertragsentwurf zum Brexit irgendwann durchs Unterhaus zu bringen, würde sogleich eine größere Zahl von Handlungsoptionen, alle mehr oder weniger ungünstig für das Britische Pfund, entstehen.

Bis gestern Mittag sei es nicht nur für die Politiker, sondern letztlich auch für die Finanzmarktentscheider eine ausgemachte Sache gewesen, dass heute eine Entscheidung des britischen Parlaments für oder gegen den Ausstiegsvertrag aus der EU anstehen würde. Nun habe Theresa May einen Weg gewählt, den sie selbst bis dahin ausgeschlossen habe: Eine Verschiebung besagten Votums, weil sie ansonsten eine deutliche Abstimmungsniederlage erlitten hätte. Und um noch einmal mit der EU über den für viele Gegner des Abkommens wichtigsten Abstimmungsgrund nachzuverhandeln: Den sogenannten Backstop, die Vereinbarung über die Notfallklausel, die besage, dass Großbritannien schlimmstenfalls für unbegrenzte Zeit in der Zollunion mit der EU verbleiben solle, bis eine andere Lösung der Grenzfrage gefunden werde, um eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland zu vermeiden.

Obwohl EU-Vertreter Nachverhandlungen eine Absage erteilten würden, stelle die jüngste Ankündigung der Premierministerin einen Rest an Hoffnung und den Höhepunkt einer Serie von Entscheidungen dar, die oftmals vornehmlich deswegen getroffen worden seien, weil eine vorangegangene Entscheidung nicht zum Erfolg geführt habe. Verhaltensökonomen würden in diesem Fall von "versunkenen Kosten" (sunk cost) sprechen, die am Ende zu Entscheidungen mit manchmal extrem hohen Einsätzen führen würden. Und meist ein Festhalten an einer Strategie bedeuten würden, die im schlimmsten Fall mit einem Totalverlust ende. Und so sei es kein Wunder, dass Sterling-Händler gestern dem Pfund vielleicht gerade deswegen nicht nur gegenüber dem Euro (ISIN EU0009653088 / WKN 965308 ) eine Absage erteilt und dabei die Gemeinschaftswährung in einen neuen kurzfristigen Aufwärtstrend zwischen derzeit 0,8875 und 0,9145 überführt hätten. (11.12.2018/ac/a/m)


 

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