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Während viele von einer Kreditklemme sprechen und
dies zumindest im Mittelstand wohl auch so ist, ist davon in der Welt
der Großkonzerne offensichtlich wenig zu spüren. Das Old Boys Network
funktioniert auch in Krisen wohl ganz gut, so dass für große Deals
genug Liquidität vorhanden ist. Dabei muss man wohl nicht einmal die
Ecken auskehren.
Dabei stört es auch nicht, dass ein Unternehmen ausgesprochen schlecht
gewirtschaftet hat und nicht besonders gut dasteht. So hat die Nummer
drei auf dem US-Mobilfunkmarkt, die Sprint-Nextel, soeben einen
Quartalsverlust von -478 Mio. Dollar vorgelegt. Nicht zuletzt weil der
Mobilfunker immer mehr und mehr Kunden an die Konkurrenz verliert.
Allein im abgelaufenen Quartal ist den Nextel-Jungs eine halbe Million
Kunden abgesprungen. Derzeit hat das Unternehmen noch einen Bestand von
48,3 Mio. Kunden. Weil es dem Unternehmen also so gut nicht geht, wird
es 2.500 der 42.000 Stellen streichen und will künftig bis zu 350 Mio.
Dollar pro Jahr einsparen. Nun denkt man sich als normaler Mensch, dass dieses Unternehmen erst einmal seine Hausaufgaben machen sollte und erst dann, wenn dies getan ist – was sich in wieder steigenden Kundenzahlen ausdrücken sollte – den Blick nach vorne richtet um sich im Markt entsprechend zu positionieren. Weit gefehlt. Wie schon die Deutsche Telekom zu ihren „besten“ Voicestream Zeiten, denkt sich wohl auch Sprint Nextel, dass Angriff besser als Verteidigung ist. Auch, wenn die Reihen recht löchrig sind. Und so wurde nun ein Deal angegangen und finanziert, der sicherlich nicht ganz so einfach zu verdauen sein wird. Das US-Unternehmen Clearwire Corp. wird sein High-Speed Wireless Netz der vierten Generation erweitern und hat dafür ein Agreement von einer Anzahl von US-Unternehmen erhalten, das besagt, dass es 1,56 Mrd. Dollar erhält. Unternehmen wie die soeben erwähnte Sprint Nextel Corp, Comcast Corp, Time Warner Cable Inc., Intel Corp, Eagle River Holdings LLC und Bright House Networks LLC werden junge Aktien von Clearwire Corp zeichnen. Wobei man darauf hinweisen muss, dass vor 18 Monaten schon einmal 3,2 Mrd. Dollar geflossen sind. Nun ist die Kapital- bzw. Risikoverteilung recht einseitig. So wird der 51 %-ige Hauptaktionär von Clearwire Corp. mit Namen Sprint Nextel 1,18 Mrd. Dollar übernehmen. Comcast ist als Zweiter dabei mit 196 Mio. Dollar schon kaum mehr erwähnenswert. Die restlichen Krümel entfallen auf die anderen Firmen. Dass Clearwire 1,45 Mrd. Dollar neue Schulden aufnehmen möchte, um die bestehende Kreditfazilität von 1,4 Mrd. Dollar abzulösen sei nur am Rande erwähnt. Auch das Clearwire bei 63 Mio. Dollar Quartalsumsatz einen Verlust von -241 Mio. Dollar schreibt, (nur) 511.000 Kunden hat und einen APRU von 39,47 Dollar erwirtschaftet. So what. Weil die Kunden derzeit mit 3G wohl ganz zufrieden sind und der Wettbewerb härter nicht sein könnte, hängt der Erfolg des ganzen Deals nach meiner Einschätzung wohl in den Sternen. Aber schließlich ist Geld ja zum Ausgeben da. Wer wird denn da bei so großen Summen kleinlich sein. Insbesondere, wenn der Preis heiß ist? Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen Ihr Norbert Lohrke |