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BERLIN (dpa-AFX) - Trotz schwacher Resonanz aus der Industrie hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sein schon vor Monaten angekündigtes Bündnis gegen die Ausbeutung von Textilarbeitern im Ausland gegründet. Ziel der Initiative, der sich bisher 29 Firmen und Verbände angeschlossen haben, ist es, soziale und ökologische Mindeststandards in der Lieferkette durchzusetzen - vom Baumwollfeld bis zum fertigen Kleidungsstück.

"Geiz ist geil, das kann nicht der Weg sein, nicht für Verbraucher und auch nicht für den Handel", sagte Müller am Donnerstag in Berlin. Wer nicht bereit sei, einen Euro mehr für seine Jeans zu bezahlen, trage eine Mitschuld am elenden Schicksal von Textilarbeitern in Staaten wie Bangladesch und Kambodscha. "Es gibt eine soziale Verantwortung sowohl bei den Unternehmen, aber auch eine soziale Verantwortung bei den Konsumenten", erklärte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann. "Geiz ist nicht geil, Geiz ist dumm", fügte er hinzu.

Mehr als die Hälfte der Firmen und Verbände, die Müller für seinen Pakt hatte gewinnen wollen, traten dem Bündnis nicht bei. Sie erklärten, sie könnten nicht jeden Produktionsschritt bei ihren Lieferanten und Subunternehmern im Ausland komplett überwachen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace distanzierte sich von dem Bündnis, weil es kein generelles Verbot für den Einsatz giftiger Chemikalien beinhaltet. Kritik kam auch vom WWF. Die Naturschutz-Organisation begrüßte die Initiative zwar, erklärte aber gleichzeitig, das Bündnis sei ein "Schnellschuss" des Minister. Teilnahmekriterien und Entscheidungsstrukturen seien noch ungeklärt.

Zu den Firmen, die beigetreten sind, gehören die mittelständische Outdoormode-Firma Vaude Sport oder Hessnatur. Einige große Unternehmen wie der Sportartikelhersteller Adidas oder die Billig-Textilkette Kik sind dagegen bisher nicht dabei. Für große Konzerne sei es aufgrund ihrer Marktmacht viel einfacher, Mindeststandards bei ihren Zulieferern durchzusetzen als für Mittelständler, sagte Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz. Sie erklärte: "Die Großen können einfach sagen, 'macht das, bitte!' und die können sogar noch das 'bitte' weglassen."

"Die Tür ist noch offen", sagte der Minister an die Adresse der Verweigerer. Dem Vorwurf, die Ziele des Bündnisses in puncto Arbeitsnormen seien zu ambitioniert, trat er mit dem Satz entgegen: "Wir reden hier von 48 Stunden Arbeit an sechs Tagen pro Woche." Näherinnen in Entwicklungsländern müssten bisher oft bis zu 16 Stunden pro Tag in baufälligen Fabriken schuften.

Müller will, dass das neue Bündnis mittelfristig auch ein Siegel für faire Textilien entwickelt. Dieses Siegel, das beispielsweise "grüner Knopf" heißen könnte, wäre dann ein Anhaltspunkt für Verbraucher, die gegen Kinderarbeit und Hungerlöhne in Entwicklungsländern sind./abc/DP/stb



 

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