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Meldung

Im Moment sind alle Wasserstoffaugen auf Plug Power (WKN: A1JA81), NEL (WKN: A0B733) und ähnliche Spezialisten gerichtet. Doch eine Reihe von Konzernen hat bereits klargemacht, dass sie das Feld nicht den Kleinen überlassen will.

Nachdem Siemens Energy (WKN: SGAP07) kürzlich seine Ambitionen deutlich artikulierte, zieht nun die Volkswagen (WKN: 766403)-Tochter MAN Energy Solutions nach — und das wird auch Auswirkungen auf die Brennstoffzellenstrategie des Konzerns haben.

Zwei Turbinen-Champions auf der Suche nach Grün

Siemens Energy war bisher vor allem für seine starke Stellung bei der Ausrüstung von Kohle- und Erdgaskraftwerken bekannt. Über die Fusion mit dem Windkraftanlagenhersteller Siemens Gamesa (WKN: A0B5Z8) und den schrittweisen Ausstieg aus dem Kohlegeschäft gelang es jedoch, sich ein deutlich grüneres Profil zu geben.

Hinzu kommt nun der Vorstoß in die Wasserstoffwirtschaft, wo Siemens Energy deutlich mehr bieten kann als viele Konkurrenten. Rund um die eigene PEM-Elektrolysetechnik kann der Konzern aus einer Hand komplexe Systeme mit erneuerbaren Energien, Gasturbinen, verschiedenen Energiespeichern, Steuerungstechnik und Software liefern. Im Dezember berichtete das Management von einem Projekt in Chile, wo gemeinsam mit Porsche grüne Kraftstoffe auf Basis von Windkraft und Elektrolyse im großen Stil hergestellt werden sollen.

Dass solch ein ganzheitlicher Ansatz Potenzial hat, ist auch Volkswagen nicht entgangen. Deren Anlagenbauer MAN Energy Solutions verleiht seinen Ambitionen nun ebenfalls Nachdruck. Bereits im März 2019 beteiligte sich MAN an H-Tec Systems, einem der aussichtsreichsten Elektrolyse-Spezialisten mit Sitz in Augsburg. Nun meldet das Handelsblatt die Komplettübernahme, praktisch gleichzeitig mit dem Startschuss von drei staatlich geförderten Wasserstoffleitprojekten.

Zwar hat MAN keine eigenen Windturbinen im Angebot, aber mit der Integration von Erneuerbaren in komplexe Energieprojekte hat das Unternehmen ebenfalls Erfahrung. Beispielsweise baute das Unternehmen auf den Färöer-Inseln ein hybrides Kraftwerk mit Dieselgeneratoren, Windkraft und stationären Lithiumbatteriesystemen.

Mit der Einverleibung von H-Tec Systems sowie dem Ausbau der Kooperation mit Hydrogenious LOHC Technologies — einem Entwickler von aussichtsreichen flüssigen organischen Wasserstoffträgern — wird MAN den nächsten Schritt gehen können, um Siemens Energy Paroli zu bieten.

Die Auswirkungen auf den VW-Konzern

Dass die Anlagenbautochter sich in der Wasserstoffwirtschaft engagiert, bedeutet natürlich nicht direkt, dass VW nun einen Schwenk zur Brennstoffzelle machen wird. Vor allem bei den Pkws dürfte der Fokus auf Lithiumbatterien fix sein, angesichts der umfassenden Investitionen in Batteriezellen und der klar kommunizierten Strategie.

Allerdings ist auch Hyundai Motor (WKN: 885166) seit Juni 2020 an Hydrogenious beteiligt. Die Koreaner haben bekanntlich bereits seit einiger Zeit mit dem NEXO Fuel Cell ein Brennstoffzellenauto am Start und gehören zu den aktivsten Treibern des Wasserstoffeinsatzes in Fahrzeugen. Aktuell wird in der Schweiz ein großes Programm mit dem XCient Fuel Cell Truck ausgerollt. Damit besteht für MAN theoretisch bereits ein kompletter Pfad von der Elektrolyseanlage bis zum Wasserstofftank.

Gleichzeitig hat das Schwesterunternehmen MAN Truck & Bus im Oktober seine Wasserstoff-Roadmap aktualisiert. Schon in diesem Jahr sollen Prototypen für den Fernverkehr entwickelt werden, welche dann 2023/2024 im Flotteneinsatz getestet werden. Absehbar ist darüber hinaus aus meiner Sicht, dass der hausinterne Energieversorger Elli („Volkswagen Naturstrom“) mittelfristig beim Thema Wasserstoff mitmischt.

Und je tiefer der gesamte Konzern in die Wasserstoffwirtschaft eintaucht, desto eher werden sich weitere Chancen ergeben — von Stromtankstellen, die von stationären Brennstoffzellen gespeist werden, bis hin zu Nutzfahrzeugen aller Art, die sich mit Wasserstoff betanken lassen.

Spannende Entwicklungen voraus

Noch scheint es so, als ob MAN Energy Solutions und die Fahrzeugmarken der VW-Gruppe das Thema Wasserstoff völlig getrennt angehen. Es spricht jedoch für mich einiges dafür, dass die losen Enden früher oder später zusammengeschnürt werden.

Erst in fünf bis zehn Jahren werden wir wissen, ob es besser ist, Wasserstofftechnologie mit den vorgelagerten erneuerbaren Energien unter einem Dach zu kombinieren wie bei Siemens Energy — oder mit nachgelagerten Fahrzeugen und Versorgern wie bei Volkswagen. Beides kann zum Erfolg führen.

Sicher ist für mich jedoch bereits jetzt, dass der Zukunftsmarkt Elektrolyse und Brennstoffzellen gerade erst beginnt, aufgeteilt zu werden. Die haltlose Euphorie bei Plug Power und Co. ist deshalb zum jetzigen Zeitpunkt völlig unangebracht.

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Ralf Anders besitzt Aktien von Siemens Energy und partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens Gamesa. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2021

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