Siemens sollte thyssenkrupp Elevator kaufen – hier sind die Gründe

19.07.19 09:10

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Die geplante Verselbstständigung oder Veräußerung der Aufzugsparte von thyssenkrupp (WKN: 750000) könnte für Siemens (WKN: 723610) eine einmalige Gelegenheit darstellen, um nach den beiden geplatzten Stahl- und Schienendeals etwas Großartiges zu schaffen, das auch die Kartellbehörden zufriedenstellt. Ich habe mir diese Idee mal genauer angeschaut und sehe große Potenziale für beide Seiten.

So ergibt Siemens Elevator Sinn

Stell dir vor, du fährst mit dem Zug zum Flughafen, lässt dich dort bequem per Rolltreppe zum spurgeführten autonomen People Mover befördern, der dich zügig weiter zum anderen Terminal bringt. Dort geht es mit dem Lift runter zur Gepäckaufgabe und von dort weiter über Laufbänder zum Gate. Eine Viertelstunde vor Abflug durchquerst du die Fluggastbrücke, um deinen Platz im Flugzeug einzunehmen.

Das Erstaunliche dabei: Alle genannten Systeme, außer dem Flugzeug, könnten Siemens und thyssenkrupp Elevator gemeinsam liefern. Selbst die Gepäcklogistik kann Siemens beisteuern. Wenn es wiederum um Gütertransport geht, würden die Bandförderanlagen von thyssenkrupp zu den starken Lokomotiven von Siemens passen, um beispielsweise Eisenerz in Richtung Hafen zu befördern.

Was Siemens davon hat

Wie wir mittlerweile wissen, besteht die Strategie von Joe Kaeser darin, Geschäftsbereiche zu stärken und dann selbstständig aufzustellen. Wir haben das über die letzten Jahre mehrfach erlebt und die Energielösungen sind aktuell mitten in diesem Prozess. Auch das Mobility-Segment sollte auf diese Weise aus dem Konzern herausgelöst werden. Aber dort hat es das Management etwas übertrieben: Der Deal mit Alstom (WKN: A0F7BK), der zu einem dominanten europäischen Schienentechnikriesen geführt hätte, war nicht durchzubringen.

Unproblematisch wäre hingegen eine Fusion mit einem eher komplementären Spieler. Dafür kommen Themen wie intelligente Verkehrstechnik oder eben alternative Massentransportmittel infrage. Allerdings glaube ich nicht, dass Siemens etwa zum Bushersteller mutieren will. Viel passender wäre das Produktportfolio von thyssenkrupp Elevator mit seinen maßgeschneiderten Beförderungslösungen. Damit ließe sich eine überzeugende Einheit schaffen, die die ambitionierten Renditeansprüche von Siemens erfüllen und später einen erfolgreichen Börsengang ermöglichen könnte.

Schließlich hat thyssenkrupp Elevator einige spannende Innovationen in der Pipeline und im letzten Halbjahr erneut rund 400 Mio. Euro operativen Gewinn abgeworfen. Dass andere Siemens-Sparten wie etwa die Antriebs- und Automatisierungstechnik, die Finanzdienstleistungen und der Digitalbereich ihr Geschäft mit Elevator dann ausbauen würden, erscheint daneben naheliegend. Die Synergien sind also vielfältig.

Warum es für thyssenkrupp eine gute Lösung wäre

Auf der anderen Seite gilt: Je schneller thyssenkrupp die Elevatorsparte zu Geld macht, desto besser. Trotz aller Umbaumaßnahmen und Spartenverkäufe ist der Konzern noch immer sehr schwach auf der Brust und kann die Zukunftschancen mangels Ressourcen nicht ausschöpfen. Wenn nun auch noch kurzfristig die Konjunktur einbrechen sollte, wäre es ein Desaster für Unternehmen und Aktionäre. Eine Möglichkeit wäre, Elevator an die Börse zu bringen, aber die Vorbereitung dafür dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Bei einem attraktiven Angebot von Siemens könnte es hingegen schnell gehen, sodass der Konzern umgehend in der Lage wäre, die verbliebenen Sparten zu stärken und auf Wachstum zu trimmen. Die Bilanzsorgen würden auf einen Schlag verfliegen, wenn aus München eine Überweisung im Bereich von 12 bis 15 Mrd. Euro ankommt. Folglich würde sich der Fokus der Anleger wieder auf den Wert der operativen Einheiten wie etwa Stahl, Fahrzeugkomponenten und Industrielösungen richten.

Es würde mich sehr wundern, wenn dieser nach einem solchen Geldsegen immer noch bei mageren 7 Mrd. Euro (Stand 17.07.) liegen würde. Zwar wurden abseits von Elevator zuletzt teilweise Verluste geschrieben, aber ich denke, dass die Chancen gut stehen, dass die Profitabilität zurückkommt. Schon allein die Zurückführung der Finanzschulden dürfte über 100 Mio. Euro an Zinszahlungen pro Jahr einsparen.

Kommt es so?

Ich habe keine Ahnung, ob dieses Szenario bereits diskutiert wird in den Chefetagen, aber wenn ich sehe, wo die beiden Technologiekonzerne aktuell stehen, dann denke ich, dass sie etwas zusammen machen sollten. thyssenkrupp hat eine attraktive Geschäftseinheit im Schaufenster und benötigt dringend eine Bilanzaufpolsterung, während Siemens geradezu im Geld schwimmt und auf der Suche nach einer passenden Ergänzung ihrer Mobility-Sparte ist.

Auf diese Weise entgeht uns zwar die Chance, direkt in Elevator investieren zu können, aber dafür würde wohl etwas später der Börsengang von Mobility einschließlich des Aufzugsgeschäfts folgen – und das könnte sogar eine noch spannendere Aktie sein.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2019


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