Die Übernahme der deutschen Biotest AG könnte durch ein Veto der USA platzen

02.11.17 08:33

Die geplante Übernahme der Biotest AG (WKN:522723 und WKN:522720) durch den chinesischen Investor Creat Group steht nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg auf der Kippe. Es ist die Rede von einer geplanten tiefergehenden Prüfung durch das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS), einem Ressort-übergreifenden Ausschuss der US-Regierung zur Kontrolle von Auslandsinvestitionen in den USA, das den Deal verbieten könnte. Was nun, nachdem die Aktie am 01.11.2017 in der Spitze um mehr als 10 % abgestürzt ist?

Was macht die Biotest AG eigentlich?

Die im SDAX notierte Aktie des Unternehmens aus Dreieich bei Frankfurt ist ein weltweit tätiger Anbieter von Plasmaproteinprodukten und biotherapeutischen Arzneimitteln, die vor allem in den Anwendungsgebieten der Klinischen Immunologie, Hämatologie und Intensivmedizin zum Einsatz kommen.

Dabei sind alle Produkte von Biotest biologische Arzneimittel, die entweder aus menschlichem Blutplasma gewonnen oder biotechnologisch hergestellt werden. Dazu gehören Gerinnungsfaktoren bei Hämophilie, Immunglobuline zur Normalisierung der Blutwerte bei z. B. bakteriellen Infektionen oder Stammzelltransplantationen sowie Plasmaproteine zur Aufrechterhaltung des Blutvolumens nach größerem Blutverlust.

Was bisher geschah

Die chinesische Investmentgesellschaft Creat Group will Biotest für eine knappe Milliarde Euro kaufen. Die Eigentümerfamilie Schleussner wird dazu den Asiaten ihren in der OGEL GmbH liegenden Anteil von knapp 51 Prozent übertragen, teilte Biotest bereits Anfang April mit.

Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen ohnehin die Übernahme durch die Chinesen, um finanzielle Unterstützung bei ihren Expansionsplänen zu erhalten und die bis 2022 geplanten Investitionen von ca. 270 Millionen Euro zu sichern.

Doch die Transaktion könnte am Veto der Amerikaner scheitern. Die CFIUS-Behörde ist berüchtigt, seitdem sie im vergangenen Jahr schon einmal bei einem deutsch-chinesischen Deal dazwischen gegrätscht ist. Damals untersagte die CFIUS eine Übernahme des LED-Industrieausrüsters Aixtron (WKN:A0WMPJ) durch die chinesische Fujian Grand Chip Investment wegen angeblicher Sicherheitsbedenken.

Die Mindestannahmeschwelle legte die Creat Group mit 75 Prozent fest. Mit Schulden, Rückstellungen und Kassenbestand wollen die Chinesen immerhin knapp 1,3 Milliarden Euro in Biotest investieren.

Die Stammaktionäre sollen wie angekündigt 28,50 Euro je Anteilsschein erhalten und die Vorzugsaktionäre 19 Euro. Neben der Familie Schleussner sind die Kreissparkasse Biberach mit gut 15 % sowie die BW Invest Baden-Württembergische Investmentgesellschaft mit mehr als 7 % weitere Großaktionäre. Die Vorzugsaktien sind allesamt im Streubesitz.

Wie es nun weitergeht

Sollte die Übernahme tatsächlich scheitern, so wäre das ein herber Rückschlag für Biotest und auch die Aktionäre.

Das vergangene Geschäftsjahr wurde mit einem Verlust von 45,7 Mio. Euro abgeschlossen. Dabei lag der Umsatz von Biotest bei 553 Mio. Euro. Schaut man sich die Zahlen der letzten Jahre an, dann sieht man, dass Biotest bei der Weiterentwicklung des Unternehmens Hilfe braucht.

2016 2015 2014 2013
Gewinn pro Aktie -1,17 -2,10 0,47 0,84
KGV 62,41 30,69
Umsatz in Mio. Euro 553,10 589,60 582,00 500,80
Umsatzwachstum -6,19 % +1,30 % +16,21 % +13,81 %

Tab. 1 Kennzahlen der Biotest AG (Quelle Onvista), KGV kurz für Kurs-Gewinn-Verhältnis

Wie in Tab. 1 klar abzulesen, waren die Jahre 2015 und 2016 mehr als enttäuschend mit negativem Gewinn und stagnierenden oder gar rückläufigen Umsätzen.

Und auch 2017 begann mehr als schlecht wegen des Rückrufs einer Charge Humanalbumin, das unter anderem bei schweren Verbrennungen eingesetzt wird. Damals waren wegen eines technischen Defektes in der Produktion Kühlmittel in das Produkt gelangt. Peinlich, dass dies nicht in der Qualitätskontrolle vor Versenden der Charge bemerkt wurde.

Unter dem Strich stand im ersten Quartal damit ein Verlust von 24,3 Mio. Euro. Der Rückruf schlägt voll auf die Quartalsbilanz durch, so dass im Gesamtjahr 2017 das Wachstum nicht mehr wie zunächst erwartet im niedrigen einstelligen Bereich liegen, sondern auf Vorjahresniveau stagnieren soll. Und das vorherige Jahr war schon schlecht!

Um aus diesem Dilemma herauszukommen, braucht Biotest Geld und eine gute Pipeline. Das Geld sollten die Chinesen liefern, wodurch wichtige Projekte gesichert werden sollten. Die Pipeline sieht aber meiner Meinung nach etwas dünn aus, um in den kommenden Jahren mit Wettbewerbern mithalten zu können.

In Klinischer Phase III befinden sich Immunglobuline gegen Autoimmunerkrankungen und Immundefizienzen sowie Fibrinogenkonzentrate bei angeborenem oder erworbenem Fibrinogenmangel.

Etwas vielversprechender scheint ein Immunglobulin für Schwangere, die sich während der Schwangerschaft mit dem Cytomegalievirus infiziert haben. Bis zu 25 % der Föten erleiden dabei erhebliche Folgeschäden.

In Klinischer Phase II befinden sich ein Antikörpergemisch gegen Lungenentzündung, ein Antikörper gegen Systemischen Lupus Erythematodes sowie ein Immunkonjugat gegen Multiples Myelom und andere solide Tumoren.

Gerade die noch weiter von der möglichen Zulassung entfernten Entwicklungen könnten Biotest einen erheblichen Umsatz- und Gewinnschub verschaffen, wenn sie den Markteintritt schaffen. Allerdings ist gerade die Klinische Phase III am kostspieligsten, so dass Biotest dafür dringend Geld benötigt.

Fazit

Investoren warten jetzt auf den 14. November 2017. An diesem Tag will der Konzern neue Geschäftszahlen vorlegen. Ansonsten ist es wohl am besten, von der Seitenlinie aus zu beobachten, ob die Übernahme wie geplant stattfinden kann oder doch durch amerikanisches Veto verhindert wird.

Sollte letzteres aus nicht nachvollziehbaren Gründen passieren, müsste Biotest auf die Suche nach anderen Finanzquellen gehen. Denn ohne erhebliche Geldzuflüsse wird Biotest die ambitionierten Ziele vermutlich schwer erreichen können.

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Stefan Graupner besitzt keine erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.


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